Zipfelmützenwetter

Gestern während dem Abfüllen ein Anruf: „Es soll morgen schneien, können wir die Flaschen noch heute vorbei bringen?“. Kein Problem, eine Stunde später waren die für heute georderten Flaschen geliefert. Gut, dass im Büro meines Flaschenlieferanten ein Hobbymeterologe sitzt, der auch während der Arbeit auf die Wettervorhersage schaut. Heute massivstes Schneetreiben beim Blick aus dem Weinkeller, die andere Moselseite nicht zu sehen.

Wären die Bouteillen gestern nicht geliefert worden, heute wäre für den Lieferwagen kein durchkommen gewesen, zumindest in unseren steilen Hof. So kann nun morgen abgefüllt werden.

Letzte Woche hatten wir warmes und schönes Frühlingswetter, aber im Weinkeller sind immer noch eisige Temperaturen.

Für den Wein ist das sehr gut! So können wir aromaschonend Abfüllen.

Als Bekleidungsstück ist die Zipfelmütze zum Wärmen obligatorisch. Chefin Marita mit einem modischen und schicken Mützchen stellt die leeren Flaschen auf die Abfüllmaschine und beaufsichtigt diese.

Unser Sohn entnimmt die gefüllten Flaschen vom Band und legt sie in Gitterboxen. Der Winzer selbst führt die Aufsicht, ist für Flaschenzufuhr und -abfuhr zuständig, schaut nach den Weinfässern und macht nebenbei noch Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß.

Weinernte 2012: Der Alptraum wurde wahr

Gestern noch über Freud und Leid geschrieben, heute die Fortsetzung. Nicht über die Freude, nein, über das Leid. So richtig desaströs! Ein richtiges Debakel. So etwas ähnliches gab es schon im letzten Jahr. Scheint sich zu wiederholen.

Aber nun vom Anfang an. Heute morgen, beim inspizieren der großen Holzfässer, konnte ich in eine der Faßdauben locker einen Schraubenzieher stoßen. Der Alptraum jedes Holzfassausbauenden Winzers wurde wahr: Holzschwamm!! (Link führt zu einem ähnlichen holzzerstörenden Pilz) Mit einer Holzküferei telefoniert, ob es reparabel ist. Im Prinzip ja. Aber! Holzfass abbauen, in die Werkstatt bringen (über 100 km), zusammenbauen und Reparatur, abbauen und in den Keller und wieder zusammenbauen. Und im übrigen und sowieso und überhaupt haben wir vor Mitte 2014 keine Zeit, die Auftragsbücher sind voll. Kurz noch eine Schnellkalkulation geben gelassen und festgestellt, das es sich wirtschaftlich nicht lohnt.

Also mit dem Abbau des Fasses begonnen. Gar nicht so einfach! Eichenholz, 5-6 cm Fassholzdicke, nicht wie bei Ikea furniert und leicht, sondern massiv und richtig schwer! So abbauen, das das daneben liegende Faß nicht beschädigt wird. Mit der Faßwinde schräg stellen, Faßreifen lockern, Faßdauben vom Faßboden lösen, mit dem richtig dicken Hammer vorderen Faßboden lockern und entfernen. Dann ging es nicht mehr weiter. Sind richtig stabil gebaut. Die hinteren Faßreifen, die nur gelockert waren, hielten mit aller Macht das Holz zusammen.

Nach einigem Grübeln – ich hoffe, dass die Berufsgenossenschaft hier nicht mitliest – den Winkelschleifer genommen und ganz vorsichtig, zum wegspringen bereit, halb versteckt hinter dem Nachbarfass, die Fassreifen durchtrennt. Schlagartig hatte sich mein Problem gelöst.

Das war einmal ein 3000 l Holzfass. Zum trocknen auf der Palette. Zu schade, um es im Ofen zu verheizen. Im Gegensatz zum gestrigen Moselfuderfass doppelt so dickes Eichenholz!  Ideales Möbelbauholz!  Lange abgelagert und Jahrzehnte mit Riesling gebeizt! Ich werde meinen Schreiner fragen. Oder hat sonst jemand Interesse?

Das ist eine der beiden beschädigten Dauben. Der Holzschwamm  hat 80% der Daubendicke zerstört. Als Ersatz habe ich mir kurzfristig únd mit viel Glück noch den letzten verfügbaren Edelstahltank bei meinem Kellereiartikelhändler geordert. Zwar nur ein zweitausender, aber, wie ich schon schrieb, bei Holzfässern hat man lange Lieferzeiten, sind fast doppelt so teuer und für die erwartete kleinere Ernte wird der Platz im Weinkeller reichen.

Weinernte 2012: Die ersten Vorbereitungen

Während die Winzerkollegen in den südlicheren Weinbauregionen schon am ernten sind, wird es so langsam  Zeit, sich tiefere Gedanken über die kommende Weinernte zu machen und mit den Vorbereitungen im Weinkeller zu beginnen.

Gedanken habe ich mir schon gemacht. Zwar noch nicht so viele, aber der Erntebeginn beim Rivaner wird voraussichtlich Ende September sein, beim Riesling so um den 15. Oktober. Natürlich sehr variabel, je nach Witterung. Bis jetzt sieht es noch gut aus. Kühleres Wetter, optimal für die Aromaausprägung des Riesling und kein Regen in Sicht, der frühzeitige Fäulniss verursachen könnte. Nächste Woche werde ich meine Weinberge einmal genauer inspizieren.

Im Weinkeller haben wir mit den ersten Vorbereitungen für den Herbst begonnen. Bodenreinigung und Wandreinigung, Behälter (Holzfass, Stahltank) Aussen-, dann Innenreinigung. In dieser Reihenfolge! Zwischendurch Kleinteile, Armaturen usw. säubern, Maschinen säubern und überprüfen. Aber so weit sind wir noch nicht. Die Kellerfußböden und die Edelstahltanks sind mittlerweile sauber. Man kann nun vom Boden essen. Zwar ist der Wein ein relativ unproblematisches Lebensmittel, dass nicht so vom Verderb bedroht ist wie z.B. Milch oder Fleisch, jedoch können Hygienemängel die geschmackliche Qualität sehr negativ beeinflussen. Die Grundreinigung erfolgt mit Natronlauge, die den Schmutz aufweicht, dazu kommt noch Wasserstoffperoxid, den Hausfrauen als Aktivsauerstoff bekannt. Wasserstoffperoxid desinfiziert und bleicht. Beim Frisör zum blondieren verwendet. Harmlos und umweltverträglich.

In früheren Jahren wurden – im ökologischen Weinbau schon immer verboten – chlorhaltige Reiniger verwendet, die mittlerweile verpönt sind, da durch den Einsatz andere Chlorverbindungen entstehen, die in den Wein diffundieren können und ihn geruchlich beeinträchtigen. 2,4,6-Trichloranisol ist eine dieser Verbindungen. Besser bekannt als Korkgeschmack. Diese Verbindungen können dazu führen, das sogar mit Schrauber verschlossene Weine einen sogenannten Korkton haben. Weitergehende Information, unter anderem zu dieser Reinigerproblematik, finden Sie hier beim Spiegel und in einem älteren Artikel von mir auf diesem Blog.

Die Holzfässer werden in einer Woche für die Ernte vorbereitet. Dort wird zur Innenreinigung anstatt Natronlauge Heißdampf verwendet. Ich berichtete hier darüber. Das dazu gehörende Bild ist leider irgendwo im Nirwana des Internets verschwunden, leider auch viele weitere Bilder aus dem Jahr 2007.