Herbststimmung

Seit einigen Tagen sind die Temperaturen auf Talfahrt und die ersten Vorboten des kommenden Herbstes sind in Form von Nebel  über dem Moseltal sichtbar.

Die Rieslingtrauben sind am reifen. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten und warmen Tagen ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, um sein volles  Aromenspektrum zu bilden.

In den nächsten Tagen fange ich gemütlich mit der Generalreinigung des Weinkellers und der Kellereimaschinen an. Alles durchsehen, Funktionskontrolle der Maschinen, Lesescheren nachzählen und überprüfen, Verbauchsmaterialien in genügender Menge bevorraten und so weiter und so fort. Die Checkliste habe ich schon im Kopf erstellt.

Die Erntemannschaft ist auch schon komplett, der Erntetermin festgelegt und wie jedes Jahr: Man freut sich auf die Früchte der Arbeit der vergangenen Monate. Noch ist man entspannt und gönnt sich die ruhigeren Arbeitstage und weiß genau, dass die Spannung zunimmt und der Erntestress bald beginnt.

Weinernte 2014: Zum Greifen nah

 2014-10-11 Riesling

Zum Greifen nah waren die Trauben in diesem Jahr, aber leider machte das Wetter einen dicken Strich unter die Rechnung. Einen ganz dicken!

„Mein Gott, was hatte der Jahrgang vielversprechend angefangen: Austrieb und Blüte gut 3 Wochen vor dem langjährigen Mittel. Ein Jahrhundertjahrgang könne es werden, raunte es Allerorten, so groß wie 1975 wohlmöglich. Wenn es denn endlich einmal regnen würde. Denn, aus der Perspektive von heute scheint es fast absurd, die Hauptsorge der Winzer bis Anfang/Mitte Juni galt den über Winter ausgetrockneten Böden.

Dann begann es endlich zu regnen – Erleichterung allerorten –  …und hörte nicht mehr auf. Auf die Erleichterung folge Ernüchterung, auf die Stirnrunzeln und leichte Sorge und auf die schließlich kopfschüttelndes Entsetzen. Der nicht enden wollende Regen verwandelte 2014 Zug um Zug von der potentiellen Jahrhundertausgabe zur Jahrgang gewordenen Enzyklopädie der Rebkrankheiten.“ so Thorsten Goffin in seinem Blog.

Der Weinkeller wäre uns über gelaufen, wenn wir alle Trauben gesund in den Weinkeller bekommen hätten und die Öchslewaage wäre aus dem Meßzylinder gesprungen, wenn denn das Wetter uns hold gewesen wäre. Aber!

2014-10-11 Riesling2Die erste Ernüchterung kam nach den ergiebigen Regenfällen vom 20. und 21. September. Viele Beeren saugten sich mit Wasser voll und platzten auf. Die unnatürlich hohen Temperaturen und die extreme Luftfeuchtigkeit – ich laufe jetzt immer noch im T-Shirt rum und die Klimaänderung lässt grüßen – sorgten dafür, das sich rasend schnell Fäulniss breit machte. Nach dem ersten selektivem Erntedurchgang, gab es letzte Woche ( 07. 08. 09. Sept.) nochmals reichlich Wasser vom Himmel. Die bisher gesund gebliebenen Rieslingbeeren platzten auch auf und ein neuer Fäulnisskreislauf begann. Drei Tage später schon wieder Regen. Man konnte den Rieslingtrauben beim faulen zusehen.

Die Erntemengen wurden von Tag zu Tag weniger. Einen nenneneswerte Aufkonzentrierung in Richtung Auslese fand nicht statt. Eher das Gegenteil!

Es schmerzte, so viele Trauben wegzuwerfen. Drei Weinberge wurden fast komplett hängen gelassen, da die Trauben nicht für die Produktion unserer glasklaren, fruchtbetonten Weine geeignet waren. Im Vorjahr hatten wir ähnliche Probleme, als uns die Ernte wegfaulte. Nur mit einem kleinen Unterschied! 2013 hatten wir wenige Trauben in den Weinbergen hängen und von dem wenig noch einiges auf den Boden zu werfen, dass tat richtig weh. ………………………………………….2014-10-11 IchDieses Jahr sieht es etwas anders aus. Die erwartete übergroße Weinernte schrumpfte auf eine Normalernte. Die jungen Weine sind am gären und sie sind Dank der intensiven selektiven Ernte auf dem üblichen hohen qualitativem Niveau, wenn ich das mal so behaupten darf.

Der Winzer ist trotz dieser Schwierigkeiten zufrieden und nächstes Jahr gibt es wieder Wein vom glücklichen Winzer!

Der Stift berichtet: Die erste Woche

Ich bin der neue Weinstift, derjenige, der recht spontan als Ersatzmann auf das Steffens-Kess-sche Boot aufgesprungen ist und der jetzt die neue Kategorie „Der Stift berichtet“ füllt.
Sven Zerwas mein Name und mit Mitte dreißig nicht mehr der Jüngste unter den Weinstiften, in Zweitausbildung und die letzten Jahre hauptsächlich im Weinhandel beschäftigt.

Der erste Post sollte sich eigentlich um die Vorbereitungen zur bevorstehenden Weinlese drehen, da ich aber relativ nahe an Kattenes wohne, hat mich der Hangrutsch am vergangenen Wochenende sehr beschäftigt.
Gerade als angehender Winzer frage ich mich, ob es Möglichkeiten gibt, Weinbau zum einen wirtschaftlich, zum anderen aber auch so zu betreiben, dass ich die Risiken eines Hangrutsches zumindest eindämmen könnte….na ja macht Euch selber ein Bild.

Hier ein kurzes Video (Bitte das Bild anklicken, Link öffnet im neuen Fenster):2014-10-20 Video

Meine erste Woche war geprägt von der Vorbereitung auf die kommende Weinlese. Der komplette Kellerboden wurde gereinigt und die Fuderfässer bekamen einen Außen – und Innenputz.

Ich habe Sie alle liebgewonnen die Fässer und Schlauch aufwickeln – das kann ich jetzt auch.

Uns und allen anderen Winzern wünsche ich eine spannende, erfolgreiche Weinlese – auf einen guten 2014er.

Weinernte 2012: Freud und Leid

Gestern und heute Freude bei uns, als wir beim reinigen der Holzfässer aus der Kellertüre schauten. Soll auch morgen noch andauern, wenn die Wetterfrösche recht haben. Nach den sehr trockenen letzten Wochen gab es endlich Regen. Die Weinreben sehen durch den Wassermangel schon teilweise gestresst aus und daher Freude bei uns, da die Trauben in ihrer Reifeentwicklung nun nicht mehr durch Wassermangel behindert werden können.

Heute dann das Leid. Der Azubi, mit der Aussenreinigung der Holzfasser beschäftigt, meldete ein Problem. Der Faßboden eines der alten Holzfässer war gerissen. Reparatur mangels Alter und Handwerkern nicht möglich und rentabel. Wieder eins weniger im Faßkeller, dafür einige Tage in der Wohnung warm.

Neukauf ist dieses Jahr nicht geplant, da die Weinernte etwas geringer ausfällt. Diese Ersatzinvestition wird erst nächstes Jahr getätigt.