Entspannt

Entspannt laufen die Arbeiten im Weinberg. Nach dem Wetterwechsel vor einer Woche bei dem ausreichend  – jedoch nicht reichlich – Regen fiel, sind die Temperaturen stark gesunken. Das Wachstum der Reben hat sich verlangsamt. Wir kommen beim Einschlaufen der Rieslingreben in den Drahtrahmen gut mit der Arbeit nach.  Kein Vergleich zu den Vorjahren mit schnellem Rebwachstum, als bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter noch Helfer gebraucht wurden.

Die Rebblüte ist temperaturbedingt noch nicht abgeschlossen und benötigt gegenüber den Vorjahren etwas mehr Zeit. Die Temperaturen waren nicht zu tief, sodass ich eine gute Befruchtung erwarte. Aber das werden wir in einigen Tagen sehen.

Haarscharf vorbei

Haarscharf sind wir am Spätfrost in den letzten Tagen vorbeigekommen. Lediglich einige Blätter zeigen teilweise leichte Frostschäden. Die Eisheiligen haben zugeschlagen! In anderen Weinbaugebieten sieht es anders aus. In Franken, Württemberg und Sachsen wird stellenweise von einer Vollkatastrophe gesprochen. Aus den restlichen Weinbaugebieten hört man von leichten Spätfrostschäden, die fast keinen wirtschaftlichen Schaden bewirken.

Spätfröste hat es immer gegeben, die Häufung in den letzten Jahren und andere zunehmende Wetterkapriolen weisen immer mehr auf die Klimaänderung hin.

Freund Siegfried Perini, der der Wärme wegen seit einiger Zeit in Gandia, Valencia, Spanien lebt, – ich hoffe, das er seine Entscheidung nicht bereut – schreibt auf Facebook, dass in Nordspanien bisher innerhalb 12 Monaten 1000 l Regen gefallen sind.

„Wir sind wieder dabei Regenrekorde im neuen Jahr aufzustellen. Seit Wochen Wetter, wie ich es auch aus Deutschland kannte: mehr Regen- als Sonnentage. Wir sind nicht nur Anbaugebiet für Orangen, Zitrusfrüchte und Wein in unserer Region. Sogar das einzige Anbaugebiet von Reis…“

Ähnliche Nachrichten höre ich von Kollegen aus Südfrankreich. Regen ohne Ende bis die Weinberge aussehen wie die Mecklenburgische Seenplatte. Dazu Bilder in den französischen Winzerforen mit Traktoren, die bis über die Achsen in den Boden eingesunken sind.

In anderen Ländern sieht es anders aus. Winzerkollege Bernhard Fiedler aus Mörbisch am Neusiedler See in Österreich berichtet folgendes:

„Die 45 Liter Regen seit Jahresbeginn, wir haben eine Wetterstation des Weinbauvereines in einem unserer Weingärten stehen, da kann ich online fast in Echtzeit nachschauen und auch Wochen- und Jahresstatistiken abrufen. Am Freitag könnten laut Prognose 5 bis 15 Liter dazukommen. Der Wunsch wäre halt ein nasser Mai wie im Vorjahr, wenn es eine ganze Woche gemütlich durchregnen würde hätte ich die größte Freude….Von den 45 Litern waren außerdem wahrscheinlich 15 oder mehr völlig nutzlos auf Einzelmengen von Nullkommairgendwas bis Zwei- oder Dreikommairgendwas verteilt…“.

Hochwasser 2020, Teil 1: Wenn das nur alles Wein wäre

Wenn das nur alles Wein wäre, ist es aber leider nicht.

Die Mosel hat sich wieder für einen Besuch angemeldet. Die Niederschläge in den vergangenen Tagen, insbesondere an der französischen Mosel, haben den Pegelstand ansteigen lassen. Jetzt, gerade in diesem Moment, läuft der Tankkeller voll. Der etwas höher gelegene Holzfasskeller dürfte in einer Stunde nur noch mit Stiefeln betretbar sein.

Es war eine kurze Nacht vorangegangen. Zuerst den eigenen Keller mit Freunden – übrigens: Dankeschön fürs Helfen! – hochwassersicher machen, dann zu einem Kollegen, der außer Haus war und nervös am Telefon Ratschläge und Anweisungen gab.

Es dürfte ein kleineres Hochwasser wie im letzten Jahr werden, weniger lästig. Vielleicht nur einen Meter hoch im Keller.  Ärgerlicher wird es erst bei höherem Wasserpegel, wenn mit einem Schlauchboot durch den Keller gefahren werden muss, um die Energiesparlampen an der Decke vor dem Wasser zu retten.

Weinernte 2019: läuft

Seit zwei Tagen läuft die Weinernte und die ersten Fässer sind gefüllt. Die Trauben sind noch sehr gesund. Einige, wenige Fäulnisnester werden aus den Trauben herausgeschnitten und verworfen. Die bisherigen Qualitäten sind vielversprechend, die analytischen Zahlen stimmen und der Most schmeckt. Mengenmäßig wird es durch die sommerliche Trockenheit und die großen Sonnenbrandschäden einiges weniger.

Etwas Sorgen bereitet mir das Wetter. Zu einem erschwert es das Abernten unserer Steillagen, zum anderen ist der Regen nicht gerade förderlich für den Gesundheitszustand der Weintrauben.

Nächste Woche versuchen wir mit unserer großen Erntemannschaft, möglichst viele Weinberge in der regenfreien Zeit zu ernten, da dann einige Helfer wieder abreisen werden.

Als wäre nichts gewesen

Als wäre nichts gewesen präsentieren sich die Begrünungen in den Weinbergen. Keinerlei Spuren sind von der extremen Trockenheit zu sehen, die bis vor zweieinhalb Wochen in den Weinbergen zu verdorrten Begrünungen und anderen Problemen geführt hat.

Die Spuren der Trockenheit sieht man den Reben, bzw. den Trauben an. An Stellen, an denen die Reben nicht genügend Wasser aus dem Boden ziehen konnten, sind die Trauben klein geblieben. Im Extremfall wurden sie von uns abgeschnitten, damit diese Rebstöcke entlastet und überleben konnten. Größere Sorgen bereiten die Verluste durch Sonnenbrand, die etwas hoch sind. Es wird sicherlich bestimmt eine unterdurchschnittliche Erntemenge.

Gut, dass die für die Reben ausreichenden Niederschläge zur rechten Zeit kamen. Die Beeren und Trauben können noch etwas wachsen. Es ist genügend Wasser da, damit in der kommenden Reifephase Zucker und Geschmacksstoffe optimal gebildet und in den Trauben eingelagert werden können.

Langsam machen wir uns Sorgen…

Während wir mittlerweile unseren jüngsten Weinberg im Wochenrhythmus bewässern, sehen die älteren Weinberge noch „gut“ aus. Die Triebspitzen sind größtenteils noch etwas gekrümmt und zeigen an, das die Reben „noch“ vital und bestenfalls am Wachsen sind. Die Wasserreserven sind sehr gering im Untergrund. Die Hitze diese Woche wird kräftig an diesen zehren.

Während wir uns im letzten Jahr von einem Gewitter zum nächsten hangelten und der Trockenstress sich in Grenzen hielt, wird es jetzt langsam knapp. Der im Juli gefallene Regen reichte gerade, um den Staub zu binden und kam noch nicht einmal der Begrünung zugute. Die Böden sind tief ausgetrocknet und wir benötigen richtig viel Regen, damit dieser die Rebwurzeln in der Tiefe erreicht.

Es ist leider kein Regen in Sicht, noch nicht einmal ein kräftiges Gewitter.

Langsam machen wir uns Sorgen…

Gute Startbedingungen

Nachdem am Wochenende reichlich Regen von Himmel gefallen ist, haben wir beste Startbedingungen für die kommende Vegetationsperiode.

Bislang ist das Rebwachstum durch die niedrigen Temperaturen zum Stillstand gekommen. In den nächsten Tagen soll es wärmer werden und das Wachstum wird angekurbelt. Nicht zu warm und nicht zu kalt sagen die Meteorologen. Genau das richtige Winzerwunschwetter, damit wir die kommenden sommerlichen Laubarbeiten zeitgerecht erledigen können.

wechselnde Wetterverhältnisse

In den letzten Tagen gab es reichlich Regen.  Vor Arbeitsbeginn der Blick in verschiedene Wetterapps auf den Handys meiner Mitarbeiter, dann die Entscheidung, ob im Weinkeller gearbeitet oder draußen die Reben geschnitten wurden.

Leichter Nieselregen bzw. schnell wechselnde Wetterverhältnisse bei starkem Wind mit geringem Regen, hinderten uns natürlich nicht nach draußen zu gehen.

Neidisch der Blick zum Nachbarort Burg, wo die Wolken aufrissen, kein Regen fiel und den Einwohnern ein „Licht aufging“ 🙂

Eine Winzerreise, Teil 1: Die Weinpräsentation

Zum zweiten mal bin ich auf Einladung von Luca, einem ital. Sommelier, zum „wine tasting & street food festival“ nach Gradara eingeladen worden. In dem kleinen, wunderschönen Dorf mit seiner mittelalterlichen Festung  waren wir Winzer über das ganze Dorf verteilt und präsentierten unsere Weine. Dazu gab es Leckereien der besseren Art von der örtlichen Gastronomie und für die Stimmung sorgte eine sehr gute Jazzband.

Wie auch vom letzten Jahr gewohnt, stürmten die Besucher abends zu hunderten in das kleine Dörfchen. Freitags war das Interesse an unserem Riesling riesengroß und ich fürchtete schon, dass meine mitgebrachten Flaschen schon vorzeitig geleert sein würden.

Leider kam es ganz anders.

Ein aufkommender Gewittersturm am Samstag führte zum Abbruch des Festivals, am Sonntagabend – gut für Winzer und Landwirte, nicht gut für die Veranstaltung – regnete es in Strömen und wieder nix mit „wine tasting & street food festival“.

Zu später Stunde dann, als der Regen aufhörte, im kleinen Kreis ein „mini wine tasting & street food festival“ mit den verbliebenen Winzern und den Veranstaltern. Das angrenzende Lokal lieferte ital. Spezialitäten und wir Winzer hatten ja genügend Wein „übrig“. Direkt angrenzend, man durfte gerne zuschauen, wurde frische Pasta hergestellt. Sehr appetitanregend!