Langsam, ganz langsam

2015-11-23 Kellerkatze

Langsam, ganz langsam gären die Weine im Keller. Selten, dass eine Gärung in unserem Weinkeller so schleppend vonstatten ging. Um ein Auskühlen der gärenden Rieslinge zu vermeiden – die Hefen mögen es warm -, erwärmen wir mittlerweile etliche Fässer. Die Kellertüre bleibt geschlossen, damit die „Wärme“ im Weinkeller bleibt. Hoffentlich gibt es kein Hochwasser, das diese Bemühungen mit eiskaltem Moselwasser kon­ter­ka­rie­ren würde.

Noch zeigen die Hefen bei der täglichen Gär- und Temperaturkontrolle das sie aktiv und am gären sind. Wie des Öfteren schaut die Kellerkatze mir bei der Arbeit zu und geht im Keller auf Entdeckungsreise. Die Mieze ist auf jeden Fall quirliger als die Hefen.

Gärkontrolle heißt auch täglich die jungen Weine zu probieren und mit diesen bin ich sehr zufrieden: Sehr aromatisch mit guter Struktur und Reife, saftig und mineralisch.

Sommer?

Der Sommer ist da! Hoffentlich längeres trockenes und warmes Wetter. Der Temperatursprung seit letzter Woche ist beachtlich. Sogar unsere Kellerkatze sucht die Kühle unseres Weinlagers.

Die Widerwärtigkeiten der Natur, über die ich hier berichtete, sind in Weinberg nun deutlich zu sehen. Die Trauben sind durch das schlechte Blütewetter teilweise sehr lockerbeerig, da die nicht bestäubten Fruchtknoten zu Boden gefallen sind, bzw. sehr klein bleiben.Die Schäden durch die Pilzkrankheiten sind nun auch deutlicher sichtbar. Stellenweise findet man Lederbeeren und verkümmerte kleine Beeren, die vom falschen Mehltau befallen wurden. Durch die Dauerfeuchtigkeit hat der Grauschimmel sich auch noch einige Trauben/Blütenstände geholt.

Ein sehr kritische Jahr.  Einen solch immensen Pilzdruck habe ich noch nicht erlebt. Dagegen war der Pilzbefall 2009 für uns ein Kinderspiel. Viele Kollegen, konventionell oder ökologische  arbeitende Winzer, klagen über massive Schäden.

Nein, ich jammere nicht. Wir können noch nicht von Schäden sprechen. Ist wie jedes Jahr, wird immer weniger, seien es Pilzkrankheiten, Sommertrockenheit, Hagelunwetter oder Traubendiebe. Das Dickenwachstum der Beeren steht an. Die Wasserversorgung der Böden ist natürlich bestens und wenn dann noch warmes Wetter kommt, könnten die Rieslingbeeren so richtig dick werden, so dass die Verluste durch Pilze, Blütewetter usw. größtenteils wieder ausgleichen werden könnten.