Weinernte 2020: Ein Fingerzeig von oben

Ein Lichtstrahl, der durch das Lüftungsloch in den Weinkeller scheint und  durch den Wasserdunst vom Reinigen aufleuchtet.

Ein Fingerzeig von oben? Bislang alles richtig gemacht? Stimmen unsere Planungen für den Erntebeginn?

Während einige Kollegen schon Riesling ernten, steht bei uns immer noch als Erntebeginn der 05. Oktober.

Die Bedingungen an der Mosel sind recht unterschiedlich. Während wir im August in Reil 80 Liter Regen hatten, gab es zwei Kilometer weiter bei der Wetterstation Briedel 120 Liter. Jedoch einiges in fester Form als Hagel und mit entsprechenden Schäden an den Trauben. Andere Orte an der Mosel hatten seit Mitte Juli keinerlei oder weniger Regen und die Reben sehen entsprechend vertrocknet aus.

Groß sind auch die Reifeunterschiede. Die Reifemesswerte der Agrarberatung, ich berichtete hier, die sonst sehr verlässlich und interpretierbar sind, kann ich dieses Jahr nur eingeschränkt nutzen.

In den letzten Tagen haben wir eigene Reifemessungen durchgeführt. Die Analytik, insbesondere der Zuckergehalt passt für unsere leichten Weine und insbesondere für den Sekt, der auch nicht zu alkoholisch werden darf.

Noch nicht ganz braun gefärbte Traubenkerne und ein markiger Traubeninhalt sind Zeichen einer nicht vollständigen Reife. Unsere Rieslingtrauben dürfen noch einige Tage reifen.

Mittlerweile sind die Temperaturen kräftig gesunken. Das sogenannte Langeunterhosenwetter, dass für den letzten Schliff der Rieslingqualität förderlich ist.

Zeitgleich mit dem kühlen Wetter setzte Regen ein, der dringend gebraucht wird. Weitere Niederschläge sollen diese Woche noch fallen. Ich gehe davon aus, das diese den Trauben nicht schaden und keine Fäulnis einsetzt.

vorbei

Die Hitzewelle der letzten Woche ist vorbei. Die Auswirkungen der heißen Tage sind noch lange zu sehen. Ob es durch Trockenstress von der Sonne abgewandte Blätter sind oder

die Blattschäden und Aufhellungen auf der Sonnenseite der Rebzeilen durch die UV-Strahlung.

Die schon in  der letzten Juliwoche aufgetretenen leichten Sonnenbrandschäden an den Trauben haben sich etwas vermehrt.

Beendet wurde diese Hitzeperiode durch ein recht kräftiges „Gewitterchen“. Leider kam ein Teil des Regens in fester Form vom Himmel.

Die Intensität des Hagels war Gott sei Dank nicht stark genug um Schaden anzurichten. Einige Beerchen sind aufgeplatzt und werden in den nächsten Tagen eintrocknen.

Glück im Unglück! In benachbarten Gemeinden kam es zu großen Schäden durch Hagel und zu massiven Überflutungen durch dieses Gewitter.

Trockenheit ist im Moment kein großes Thema mehr. Im August sind bislang ca. 70 Liter Regen gefallen. Das dürfte eine Zeit lang reichen.

kühl und dunkel

Temperaturbedingt wird jetzt im Weinkeller gearbeitet. Kühl und dunkel, ganz angenehm bei der Hitzewelle, die in den nächsten Tagen kommt.

Hoffentlich werden wir von den negativen Seiten der Wärme verschont. Sonnenbrandschäden wie letzte Woche oder gar letztes Jahr brauchen wir nicht, Hagelunwetter ebenfalls nicht, aber die sind auch nicht prognostiziert.

Was wir gerne hätten steht auf einem anderen Blatt. Zuerst natürlich der gewünschte tagelange Landregen, der leider nicht in Sicht ist. Dazu wieder kühlere Temperaturen und dieses und jenes noch…   🙂

spuren

Der gestrige Tag mit Temperaturen über 35 Grad hat erwartungsgemäß seine spuren im Weinberg hinterlassen. Wenige Rieslingtrauben haben Symptome von Sonnenbrand, einem Hitzeschaden. Er zeigt sich an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen.

Die Kühlung der Beerenoberfläche durch Verdunstung ist bei den hohen Temperaturen zusammen gebrochen. Die Beerentemperatur wurde zu hoch, sie sind regelrecht verkocht und trocknen ein.

Es sind nur wenige Trauben betroffen. Von einem Schaden wie im letzten Jahr kann man nicht sprechen und in den nächsten Tagen werden die Temperaturen sinken.

Die Ausgangslage im Weinberg ist übrigens bestens. Die Rebstöcke hängen recht voll und wenn die eine oder andere Rieslingtraube durch Sonnenbrand ausfällt, bleibt für den Winzer immer noch sehr viel übrig.  🙂

sehr vital und saftig grün

Die Weinberge sehen zurzeit sehr vital und saftig grün aus.  Die bisherigen Sommerregenfälle kamen immer zu rechter Zeit und so langsam dürfte müsste es wieder regnen. In zwei jüngeren Rebanlagen mit geringerer Bodenmächtigkeit sieht man etwas Kümmerwuchs als Folge des Wassermangels. Extrem wird es bei Rebstöcken, die direkt auf Fels stehen, wie im obigen Bild. Dort hat die Rieslingrebe schon in den extremen Wassersparmodus geschaltet und die Triebspitze ist vertrocknet (gesehen bei einem Kollegen).

Vom Regen würden auch die jungen Rieslingträubchen profitieren, die dieses Jahr reichlich in den Weinbergen hängen. Vermehrtes Dickenwachstum wäre die Folge und damit auch höhere Erträge, die nach dem mageren letzten Jahr die Fässer im Keller füllen würden.

Die sonstigen Rahmenbedingungen sind bis jetzt ausgezeichnet. Besonders gefällt uns das typisch deutsche Sommerwetter mit angenehmen Temperaturen. Wir sind frohen Mutes, was die kommende Weinernte betrifft.

erbsengroß

Sehr schnell sind in den vergangenen Tagen die jungen Rieslingbeerchen gewachsen. Sie sind erbsengroß.  Nach ausreichendem Regen können die Rieslingreben nun wieder aus dem Vollen schöpfen. Die Trockenheit zum Anfang der Vegetationsperiode ist Geschichte und die Reben sind ungebremst am wachsen. Eine ganz andere Dimension wie in den letzten drei sehr trockenen Jahren.

Die Weinbergsarbeit ist diesen Sommer bisher sehr gut gelaufen: keinerlei Zeitdruck durch zu schnelles Rebwachstum und normale, „kühlere“ Sommertemperaturen, die das Arbeiten nicht zur Qual werden lassen. Drumherum alles im grünen Bereich, die Maschinen funktionieren wie sie sollen (bis auf kleine Ausnahmen…),  der Fruchtansatz der Reben ist sehr gut und und und…

Der 2020er könnte Wein vom glücklichen Winzer werden, falls nichts dazwischen kommt.

…ein gutes Gefühl

Die Rebblüte ist seit einigen Tagen abgeschlossen. Trotz kühlem Wetter sind viele Rieslingbeerchen bestäubt worden. Das kommende, warme Wetter wird das Dickenwachstum der jungen Rieslingtrauben fördern.

Mittlerweile gab es weitere reichliche Regenfälle, die den Wassergehalt der Böden aufgefüllt haben.

Den Rieslingreben sieht man an, das es reichlich geregnet hat. Die Triebspitzen, die sich durch die Trockenheit schon stellenweise aufgerichtet hatten, sind wieder gekrümmt und im Wachstumsmodus. Weitere Bilder finden Sie hier.

Bislang sieht es gut für den 2020er Jahrgang aus. Bis auf einige Fraßschäden an den jungen Rebknospen durch den Rhombenspanner  im April, ich berichtete schon einmal darüber, ist die Vegetation für uns bis jetzt zufrieden gelaufen. Die Trockenheit ist vorläufig kein Thema mehr, Unwetter mit Hagel, Sturm usw. haben uns auch bis jetzt verschont.

Ich habe da so ein gutes Gefühl, wenn ich an die kommende Ernte denke…

Entspannt

Entspannt laufen die Arbeiten im Weinberg. Nach dem Wetterwechsel vor einer Woche bei dem ausreichend  – jedoch nicht reichlich – Regen fiel, sind die Temperaturen stark gesunken. Das Wachstum der Reben hat sich verlangsamt. Wir kommen beim Einschlaufen der Rieslingreben in den Drahtrahmen gut mit der Arbeit nach.  Kein Vergleich zu den Vorjahren mit schnellem Rebwachstum, als bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter noch Helfer gebraucht wurden.

Die Rebblüte ist temperaturbedingt noch nicht abgeschlossen und benötigt gegenüber den Vorjahren etwas mehr Zeit. Die Temperaturen waren nicht zu tief, sodass ich eine gute Befruchtung erwarte. Aber das werden wir in einigen Tagen sehen.

Wetterwechsel

Die Rieslingreben sind am Blühen. Noch einige Tage und dann wären sie fertig, wenn der Wetterbericht nicht anderes Wetter gemeldet hätte. Der vorausgesagte Regen ist äußerst willkommen. Seid dem letzten Monatswechsel gab es keinerlei Regen und die Böden sind ausgetrocknet. Problematischer ist der damit verbundene Temperatursturz um über 10 Grad. Die  eingetretene Schafskälte wird die Rebblüte hinauszögern und vielleicht zu nicht optimalen Befruchtungsergebnissen führen.

Mehr Information zur Rieslingblüte gibt es hier und hier.

Haarscharf vorbei

Haarscharf sind wir am Spätfrost in den letzten Tagen vorbeigekommen. Lediglich einige Blätter zeigen teilweise leichte Frostschäden. Die Eisheiligen haben zugeschlagen! In anderen Weinbaugebieten sieht es anders aus. In Franken, Württemberg und Sachsen wird stellenweise von einer Vollkatastrophe gesprochen. Aus den restlichen Weinbaugebieten hört man von leichten Spätfrostschäden, die fast keinen wirtschaftlichen Schaden bewirken.

Spätfröste hat es immer gegeben, die Häufung in den letzten Jahren und andere zunehmende Wetterkapriolen weisen immer mehr auf die Klimaänderung hin.

Freund Siegfried Perini, der der Wärme wegen seit einiger Zeit in Gandia, Valencia, Spanien lebt, – ich hoffe, das er seine Entscheidung nicht bereut – schreibt auf Facebook, dass in Nordspanien bisher innerhalb 12 Monaten 1000 l Regen gefallen sind.

„Wir sind wieder dabei Regenrekorde im neuen Jahr aufzustellen. Seit Wochen Wetter, wie ich es auch aus Deutschland kannte: mehr Regen- als Sonnentage. Wir sind nicht nur Anbaugebiet für Orangen, Zitrusfrüchte und Wein in unserer Region. Sogar das einzige Anbaugebiet von Reis…“

Ähnliche Nachrichten höre ich von Kollegen aus Südfrankreich. Regen ohne Ende bis die Weinberge aussehen wie die Mecklenburgische Seenplatte. Dazu Bilder in den französischen Winzerforen mit Traktoren, die bis über die Achsen in den Boden eingesunken sind.

In anderen Ländern sieht es anders aus. Winzerkollege Bernhard Fiedler aus Mörbisch am Neusiedler See in Österreich berichtet folgendes:

„Die 45 Liter Regen seit Jahresbeginn, wir haben eine Wetterstation des Weinbauvereines in einem unserer Weingärten stehen, da kann ich online fast in Echtzeit nachschauen und auch Wochen- und Jahresstatistiken abrufen. Am Freitag könnten laut Prognose 5 bis 15 Liter dazukommen. Der Wunsch wäre halt ein nasser Mai wie im Vorjahr, wenn es eine ganze Woche gemütlich durchregnen würde hätte ich die größte Freude….Von den 45 Litern waren außerdem wahrscheinlich 15 oder mehr völlig nutzlos auf Einzelmengen von Nullkommairgendwas bis Zwei- oder Dreikommairgendwas verteilt…“.