Weinrallye 45: Reifer Wein

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„Nachdem Drunkenmonday nun schon bei einigen Weinrallyes durch Beiträge mitwirkte, ist es nun an der Zeit, auch einmal aktiv diese auszurichten.Da der „Jungweindrinkwahn“ immer weiter um sich greift, lautet das Thema diesmal: „Reifer Wein“. Die Grenze dafür haben wir bei dem Jahrgang 2000 gezogen. Also alle Weine aus dem Jahrgang 2000 oder älter sind für die Weinrallye #45 zugelassen.“

So der Aufruf von Drunkenmondy, einer Gruppe von Weinenthusiasten aus Hessen.

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„Alte Kamellen“ habe ich zur Genüge. Gesammelt und eifrig in der Schatzkammer gebunkert. Nur noch selten wird aus der Schatzkammer eine Flasche entnommen. Während früher die alten, reifen Weine eine höhere Wertschätzung genossen haben, wird heute jungen Weinen der Vorzug gegeben. Vor nicht allzu langer Zeit wurde reife, goldfarbene Weine sogar besungen („Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär – Willy Schneider (1950)“)

Wertewandel!  Die Weinwelt verändert sich, das Konsumentenverhalten auch und wissenschaftliche und technische Innovationen im Weinberg und Weinkeller beeinflussen auch noch. Der Klimawandel hat zudem in den letzten 20 Jahren massiv die Weinqualitäten geändert.

Meine Wahl ist auf einen 1985er Riesling trocken gefallen. Meine erste Ernte in ersten Jahr meiner Selbstständigkeit als Winzer. Natürlich aus meinem ersten Weinberg, den ich einige Jahre vorher selbst gekauft und selbst angepflanzt habe, der erste Ertrag. Selbstverständlich schon ökologisch, ich habe noch nie etwas anderes gemacht.

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Unvergleichlich, was da im Glas funkelt. Goldgelb die Farbe, leichte Firne und eine knackige, mineralische Säure. Dezenter Duft und keinesfalls altersmüde. Noch heute ein Trinkgenuss mit gutem Trinkfluss. Ein alter Riesling der unter Beweiss stellt, das der Moselriesling eine hohe Lagerfähigkeit hat.

Solche Weine werde ich wahrscheinlich nie wieder produzieren können. Dieser 1985er Riesling trocken ist noch ein „richtiger“ Qualitätswein. Heutzutage finden sich in der Regel kleinere Spätlesen – nach damaligem Empfinden – sogar in der Literflasche wieder und die anderen Weine sind entsprechend qualitativ höherwertig. Damals hätte ich nur geträumt von solch reifen Trauben wie wir sie heute ernten.

Die Klimaänderung, die sich seit 1988 bemerkbar macht, hat unsere Qualitäten massiv verändert. Durch früheren Rebaustrieb und frühere Blüte ernten wir heute viel höhere Qualitäten und, wie ich hier schon im Blog des öfteren schrieb, es gibt keine schlechten Jahrgänge mehr wie ich es in den 80zigern des letzten Jahrtausends noch erlebt habe.

 

Newsletter No. 2: Peinlichkeiten, Hintergründe und eine sehr gute Nachricht

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Unser erster Newsletter fand gute Resonanz. Sehr positive Reaktionen kamen per Mail, bei meinen Bemerkungen zum Riesenschwanzvergleich fühlten sich einige andere auf den Schlips getreten. Die Diskussionen über Blogranking finde ich lächerlich und nichts sagent, wie auch Theo Huesmann hier beschreibt. Es sind, wie ich schon im letzten Newsletter berichtete, kleine Jungenspiele. Eine am Tag später geführte Diskussion auf facebook und anderen Blogs zu diesem Thema habe ich nur als peinlich empfunden.

Ebenso wie es dem Besitzer obigen Traktors  peinlich war, den Traktor in den Steilhang zu werfen. Am Wegrand geparkt, einige Zeit im Weinberg gearbeitet, die Handbremse löste sich, der Traktor rollte den abschüssigen Wirtschaftsweg hinab und landete in Nachbars Weinberg. Passend zur Mittagszeit an der Reiler Brücke und binnen kürzer Zeit war diese Neuigkeit Peinlichkeit im Dorf verbreitet. Personenschäden waren nicht zu verzeichnen, zwei Reben haben es nicht überlebt, der Seitenspiegel nebst Seitenscheibe am Traktor kaputt, einige Stickel krumm und Kratzer am Lack. Die Rechnung der Bergung war sicherlich das teuerste an dieser Aktion.

Das demokratische Weinbuch von Rainer Balcerowiak macht Furore. Nachdem ich im November eine Rezension geschrieben hatte, berichtete auch der Stern und andere Medien über dieses lesenswerte Buch. Umso erfreulicher war es nun für mich, das der Autor mittlerweile eine Weinkolumne im Internet hat in der er wöchentlich publiziert. Wenn sie sich über den kulinarischen Notfallkoffer, Verkosters Nightmare oder Aromajunkies informieren möchten, sollten Sie hier klicken!

Die Winterarbeiten im Weinberg sind mittlerweile fast abgeschlossen. Dank zweier zusätzlicher Aushilfen konnte der winterbedingte Rückstand aufgeholt werden. Der Frühling, von dem ich vor einigen Wochen noch träumte, hält so langsam Einmarsch.

Leider ist unsere Ausbildungsstelle zum Winzer immer noch nicht besetzt. Hat denn keiner Lust, dass klassische Handwerk des Winzers zu erlernen? Fast immer an der frischen Luft, abwechslungsreiche Arbeit in einer schönen Kulturlandschaft, soziale Einbindung in die Winzerfamilie und intensive Betreuung während der Lehrzeit! Was können wir mehr bieten? Bewerbungen nehmen wir weiterhin entgegen.

Nun die sehr gute Nachricht: Unsere 2010er Weine sind alle abgefüllt. Es hat dieses Jahr etwas länger gedauert, die Weine hatten eine längere Reifezeit im Faß gebraucht. Fast wie in jedem Jahr: Frisch und fruchtig mit der typischen Eleganz des Moselrieslings. Nicht die Opulenz der herausragenden 2009er Rieslings, etwas zartgliedriger und feiner, aber wie immer in der Tradition und im Weinstil unseres Weingutes.

Leider gibt es auch einen Wermutstropfen:
Die Weinmengen sind äusserst begrenzt. Kühles Blütewetter verhinderte letztes Jahr eine optimale Befruchtung der Blüte. Nachfolgende Trockenheit im Juli und beginnende Traubenfäulniss vor der Ernte verringerten zusätzlich unsere Erntemengen. Mit einer 60 % Ernte ist der 2010er Jahrgang einer der kleinsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte.

Wir gehen davon aus, das wir den 2010er nur begrenzt liefern können und etliche Weine schnell ausgetrunken sind. Eine rechtzeitige Bestellung ist anzuraten. Bestellen können Sie ab sofort hier und hier. Alternativ haben wir noch kleinere Bestände an 2009er und 2008er Weinen.

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Weinrallye 43: Riesling-Spätlese

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Die Königsklasse, wie Ralf Kaiser meint. Von ihm stammt der Aufruf zur jetzigen Weinrallye mit dem Thema Riesling Spätlese. Na ja, was soll ich denn nun schreiben probieren? Der Weinkühlschrank ist gefüllt mit Spätlesen von Kollegen, eigene habe ich zudem auch noch.

Probieren mag ich im Moment nicht. Eher erzählen, was ich unter einer Spätlese verstehe. Natürlich ist  alles genau reglementiert. Das Prädikat Spätlese ist abhängig vom Mostgewicht. Nur darauf achtet der Gesetzgeber. Es sind Mindestanforderungen an die Analytik. Vor der Klimaerwärmung, also vor etlichen Jahren, wurden diese Mindestanforderungen fast jedes Jahr neu angepasst. Im Weingesetz steht aber auch –  kontrolliert aber keiner – spätgelesene, vollreife Trauben! Das ist etwas ganz anderes wie die zur Zeit geforderten Mindestmostgewichte! Diese Mindestmostgewichte erreicht in der Regel schon unser Riesling in der Literpulle.

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Das Ziel im Weinberg ist es, das Händchen Aroma, dass der liebe Gott über die Weinberge verstreut hat, in den Trauben aufzufangen. Neben einer guten Lage, am besten auf Gesteinsböden wie dem Moselschiefer,  ist ein entsprechend niedriger Ertrag erforderlich und kleinbeerige Trauben, die aromatischer sind. Dann etwas Stress für die Reben. Erst dann liefert der Riesling beste Qualitäten.

Ganz wichtig ist eine lange Reifezeit, wenn das Wetter mitspielt,  damit die letzten Sonnenstrahlen noch in Geschmack umgewandelt werden. Heißt ja nicht umsonst Spätlese!

Begleitet wird die Spätleseproduktion durch die Arbeit des Winzers bei der Ernte. Sortieren oder Selektieren ist ein ganz wichtiger Baustein. Stielkranke, faule Trauben müssen aussortiert werden. Entweder werfen wir die auf den Boden oder nehmen die weniger geschädigten bzw. frischfaulen Trauben für die Basisweinproduktion.

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Die verbliebenen Trauben können dann weiter reifen und vollreif oder physiologisch reif geerntet werden.  Im Idealfall wird die Beerenhaut porös, Wasser verdunstet und er Rest konzentriert sich. Das sieht man der Traube übrigens an. Der Riesling wird goldgelb mit einer dünnen Traubenschale. Wenn man drauf beißt, läuft der Saft direkt aus der Beere, das Fruchtmark löst sich leicht vom Kern und dieser ist komplett braun verfärbt. Wenn das Ganze dann noch hocharomatisch schmeckt, ist das Ziel erreicht. Eine Spitzentraube für eine Riesling Spätlese. Dann braucht man keine Mostwaage oder andere Analysen, sehen, riechen und schmecken reicht aus. Nun noch schonend in kleinen Erntekisten zur Weinpresse bringen und dann darf der Kellermeister ran. Dessen Aufgabe beschränkt sie darauf, die 100% Geschmack, die in der Traube sind, nach Möglichkeit verlustfrei in die Weinflasche zu bekommen.

Den Wein aus obiger Spätlesetraube gibt es übrigens hier zu kaufen.

Newsletter No. 1: Eine Sau durchs Internet treiben, Hintergründe und ein Riesenschwanzvergleich

Nun ist er da, der erste Newsletter aus dem Weingut Steffens-Kess. Nachdem etliche Leser dieses Blogs mir Ihre Meinung zu einem Newsletter kundgetan haben,  habe ich mich entschieden, ihn in unregelmässigen Zeitabständen zu veröffentlichen und ihn über den Newsverteiler den angemeldeten Lesern zu senden. Inhaltlich soll er über vergangene Blogeinträge zusammenfassend informieren, Hintergründe beleuchten und andere interesannte Begebenheiten aufgreifen.

Wer sich noch nicht angemeldet hat, kann es in der linken Menüleiste nachholen.

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Eine Sau durchs Internet treiben:

Eine Riesenresonanz im Internet gab es im Dezember für unsere Berichterstattung über den Schneewinter an der Mosel. Schnee an der Mosel in Mengen, wie alte Leute es noch nicht erlebt hatten. Das Nächtliche Treiben in der Reiler Goldlay war der erste Höhepunkt, der Knüller das Video vom Snowboardfahren zwischen den Rebstöcken im Burger Hahnenschrittchen und in der Reiler Goldlay. Die Idee schon Tage vorher ausgebrütet, ich war als Kameramann geplant, leider Gottes im Weinkeller als ich telefonisch abgerufen werden sollte, und so setzten Kollege Thorsten und Reece diese Idee alleine in die Tat um und Praktikantin Beate filmte. Eine gigantische Verlinkungswelle und Berichterstattung im Web war die Folge. Dank Iris fand auch eine schnelle Verbreitung im französischsprachigem Raum statt. Ein Bericht über dieses Treiben im Weinberg bei einem französischen Weinblogger wurde über 12 000 mal angesehen.

Das Anfang Januar kommende Moselhochwasser nahm ich zum Anlass, fast live aus dem Weinkeller zu berichten, sozusagen den eigenen Untergang zu dokumentieren. Die Resonanz auf meine Artikelserie topte noch die Berichterstattung über den Schnee an der Mosel. Großen Anklang fand das Video mit der Bootsfahrt im Weinkeller. Neben einer intensiven Berichterstattung  in französischen MedienIris verbreitete meine Berichte und übersetzte sogar (tausend Dank nochmals) – gab es auch Lob über meinen Bürgerjournalismus von Manfred Klimek bei Captaincork und viele andere Weinblogs berichteten ebenfalls.

Auf folgenden Blogeintrag und einen Kommentar von mir zum Thema Moselhochwasser möchte ich noch verweisen:

Hochwasser 2011: 7371 Tage

„Lieber Dirk,es ist nicht tragisch, die Mosel im Keller zu haben. Es gehört einfach zum Leben dazu wenn man direkt am Moselufer wohnt. Dieses Schicksal habe ich selbst gewählt. Tragisch ist es, wenn es in der Wohnung steht. Das kommt durch die Klimaänderung leider öfter vor. In den neunzigern des letzten Jahrhunderts gab es fast jedes Jahr ein Jahrhunderthochwasser – natürlich sind mir Jahrhundertjahrgänge beim Wein viel lieber – und die hatten es alle in sich. Dagegen ist das jetzige fast harmlos, noch zumindestens. Viele Grüße von einem entspannten Moselwinzer“

Es ist halt einfach etwas ganz normales für einen Moselbewohner…

 Wikio - Top Blog - Wein

Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, das ich im Dezember Blogranking von wikio auf Platz 8 aufgerückt sein. Nun ja, nimmt man zur Kenntniss. Im Januar Blogranking, welches erst am 5. Februar veröffentlicht wird und schon vorab den betroffenen Blogs heute mitgeteilt wurde, bin ich auf Rang 9 abgesunken, obwohl ich durch die Hochwasserberichterstattung bedeutend mehr Links zu meinen Seiten erhalten habe. Ist mir aber auch egal. Meine Seiten werden gelesen und die Resonanz ist sehr gut.

Passenderweise gab es heute wieder Riesenschwanzvergleiche. Wer hat den größten, den dicksten usw.  Sind halt kleine Jungen Spiele…

Verhalten die Diskussion bei Dirk Würtz,  der Riesenschwanzvergleich bei Michael Liebert ist ein Witz. Platz Nr. 1 bei Michael ist das Pressemitteilungs- verteilungsportal nikos-weinwelten, dass anhand eigener Mediadaten bewertet wird – Ich würde auch meine Zahlen nach oben korrigieren, wenn ich Werbung hier auf diesem Blog verkaufen würde – der Brüller ist Platz 2  Captaincork dessen Zugriffzahlen einfach erwürfelt geschätzt wurden.

Lieber Herr Liebert, könnten Sie mein Blog, die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß, auch einmal schätzen?

Vor etlichen Jahren gab es diese Hitlisten nebst erregten Diskusionen schon einmal. Es wiederholt sich. Ich brauche das nicht. Meine Zugriffzahlen gehen nur mich etwas an und sagen nichts über die Qualität meines Blogs aus. Aber wenn ich ehrlich bin, ich hab gerade nachgeschaut, ich habe ihn, den größten und…..

Weinrallye 41: Sandwichweine

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„Die meisten Weine der Welt werden jung auf den Markt gebracht, und bald danach auch getrunken. Nicht nur ausgesprochenen Primeur-Weinen, die schon vor dem Ende des Erntejahres abgefüllt werden, sondern auch mittleren und gehobenen Qualitäten wird selten mehr als ein Jahr in der Flasche vergönnt.

Neben der dominierenden Masse der Jungweinliebhaber gibt es aber auch eine kleine Gruppe von Weinfreunden, die gereifte Weine hochhält. Jahre- und jahrzehntealte Spitzengewächse werden zu schier unglaublichen Preisen gehandelt.

Was ist aber mit den Weinen dazwischen? Der soliden Mittelklasse, die zwar nicht für Jahrzehnte gemacht ist, der aber zwei, drei, vier Jahre in der Flasche auch sehr gut tun können?

Wie schmecken solche “Sandwich-Weine” zwischen unbändigem Jugendcharme und der noblen Größe des Alters? Welche Sorten und/oder Weinstile präsentieren sich in dieser Entwicklungsphase besonders schön? Und welche weniger?“

So das Thema der Weinrallye die von meinem Kollegen Bernhard Fiedler aus Österreich ausgerufen wurde.

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Im Kühlschrank wie so oft wieder fündig geworden. Ich habe den Eindruck, das der, der jeweils die Weinrallye veranstaltet vorher einen Blick auf meine Weinbestände geworfen hat. Bisher mußte ich mir erst zwei mal Weine für diese Verkostungen extra besorgen.

Goldgelb im Glas, sehr schmelzig mit leichter Botrytisnote, dezente Süße: 2005er Pündericher Marienburg Riesling feinherb. Eine sehr große Spätlese von meine Freund und Kollegen Frank Brohl.  Die Süße nicht überbordend wie man sie sehr oft bei Dessertweine hat, eher perfekt dezent, die Säure für einen Moselriesling etwas weich und eine wunderbare Opulenz. Machte noch sehr viel Spaß beim zweiten Glas. Mit einen Alkoholgehaltvon 13% ein richtig dickes Schiff, bei dem Frank sehr tief gestapelt hat. Die Bezeichnung Auslese würde dem Wein eher gerecht. Perfekt gereift und hat sicherlich noch weiteres Reifepotential welches ich leider nicht mehr erforschen kann, da es sich um eine Einzelflasche handelte.

Schade, daß man Wein nicht streicheln kann, sagte Kurt Tucholsky. Diesen Wein würde ich gerne streicheln.

Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

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„…Weinrallye 40 findet hier bei Hausmannskost 2.0 zum Thema Autochthone Rebsorten statt. Der Begriff autochthon kommt aus dem griechischen und meint in etwa auf eigener Erde. Gemeint sind in der Botanik Arten, die dort, wo sie leben, auch in der Evolution entstanden sind. Das heißt, bei Rebsorten wären die autochthon, die dort, wo sie heute verarbeitet werden, auch ihren Ursprung haben. Im Einzelnen ist das sicher schwer nachzuweisen, Aussagen basieren vielfach auf Indizien oder auf Theorien, die nur über eine dünne Faktenbasis verfügen. Eine Theorie sagt beispielsweise, dass der Gutedel nicht aus Baden kommt, sondern Ägypten … oder Palästina … oder Frankreich … oder doch dem Alpenraum?“

so der Aufruf von Thomas Hosbach auf seinem Blog Kost für Männer, Hausmannskost.

Also alte, seltene Rebsorten, die eine prägende regionale Tradition haben. Wäre natürlich der Riesling zu erwähnen, der an der Mosel eine sehr lange Tradition hat. Hatte ich schon öfter bei der Weinrallye und nun muß was anderes her.

Der Elbling ist die Alternative. Er soll die älteste Rebsorte in Deutschland sein und wird fast ausschließlich an der Mosel angebaut. Der Geschichte nach sollen die alten Römer ihn über die Alpen an die Mosel gebracht haben. Bekannt vor allem als Massenträger, der irrsinnig hohe Erträge mit äusserst dürftigem Geschmack liefern kann, wurde er schon vor vielen Jahren von der Obrigkeit bekämpft. Schon der letzte Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus erließ am 30. Oktober 1787 ein Edikt, damit minderwertige Rebsorten ausgerottet werden sollten. Auch die heutige Gesetzgebung greift massiv in die Anbaupolitik der Winzer ein. Eine Neuanpflanzung des Elblings ist nur noch an der Obermosel und an der Cochemer Moselschleife erlaubt. Sozusagen zum Wohl des Winzers und Verbrauchers, dachten die verantwortlichen Politiker. Aber während viele Rebsorten in den letzten 40 Jahren kamen und gingen – ich erinnere an Ortega, Optima, Reichensteiner, Kerner u.a. – der Elbling hat trotzdem überlebt. Der Hauptbestand der 570 ha Moselelbling steht an der Obermosel. Gegenüber auf der luxemburgischen Moselseite gibt es weitere 115 ha.

In früheren Jahren war er als Massenträger beliebt. Der Geschmack blieb aber dann auf der Strecke und im Extremfall konnte man sich damit höchstens die Zähne putzen.  Die früheren, riesigen Erntemengen, – über 30000 Liter/ha waren keine Seltenheit – gehören der Vergangenheit an. Gesetzliche Höchsterntemengen und qualitatives Denken der Winzer haben die Qualität massiv verbessert.

Ich vergleiche ihn immer mit unserem Riesling. Die Grundstruktur ist ähnlich:Ein frischer, lebendiger, spritziger Wein. Der große Bruder, der Riesling, hat jedoch einiges mehr an Duft, Körper und Aroma. Aber nicht so schlimm, wir brauchen auch Tischweine für jeden Tag, Weine, die unkompliziert sind, die man einfach so wegtrinken kann, ohne nachzudenken. Ideal an einem warmen Sommertag als Terassenwein.

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Jetzt könnte ich natürlich Werbung für den eigenen Elbling machen, geht aber nicht. Unser Elbling ist wie in jedem Jahr schon seit etlichen Wochen ausgetrunken. Die beiden versiegelten Weinflaschen von der amtlichen Qualitätsweinprüfung sind der klägliche Rest, bzw. nur noch eine, da die andere anläßlich dieses Beitrages geöffnet wurde. Der Flasche wurde geleert, ganz einfach, schnell und unkomplziert. Fast perfekt, wenn ich das dazu passende warme Terassenwetter gehabt hätte. Jetzt könnte ich ein Problem haben. Durfte ich diese versiegelte Flasche schon öffnen und trinken oder habe ich einen Siegelbruch begangen der strafbar ist?

Weinrallye 39: Wein & Humor

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Die mittlerweile 39. Weinrallye wird federführend von VINUM, Europas Weinmagazin ausgerufen:

„Hinter uns liegt ein Jahr, in dem Weinfreunde nicht so irre viel Anlass zum Lachen hatten. Stichwort: Explodierende Bordeaux-Preise, Hochmoselübergang, die mengenmäßig kleine 2010er Ernte, nackige Winzer auf Bag-In-Box ;-)
Grund genug zur Abwechslung ein bisschen Spaß zu haben!

Die bierernste Herangehensweise an Wein passt ja schon rein alkoholisch überhaupt nicht. Deshalb jetzt die Weinrallye zum Thema Wein & Humor.“

 

Wurde auch mal Zeit für solch ein Thema. In einschlägigen Weinforen im Internet, in der Weinbloggerszene wird größtenteils mit zusammengekniffenen Arschbacken bierernst über Wein berichtet und diskutiert. Dabei  ist Wein ein lebenslustiges Getränk, welches Geist und Sinne inspiriert. Nun ja, auch zu viel sollte es nicht sein, wie eine griechische Sage berichtet:

Die Götter waren die ersten im Weinberg und auch die ersten im Keller. Der jugendliche Gott Dionysos fand eines Tages die Weinrebe. Zuerst ließ er sie in seiner göttlichen Hand wachsen, dann aber pflanzte er sie in ein Vogelbein, später in eine Löwenpranke und schließlich in das Bein eines Esels. Darum, so fährt die Sage fort, zwitschern die Trinker zuerst wie lustige Vögel, dann fühlen sie sich stark wie die Löwen, und schließlich werden sie zu Eseln.

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So auch vor einiger Zeit, ich berichtete hier in meinem Blog, als ein Freund binnen kürzester Zeit einen Wein trank, zunehmend zwitscherte wie ein lustiger Vogel, schließlich zum Esel wurde und die Umstehenden ein lustiges Schauspiel geboten bekamen.

Kein anderes Getränk inspiriert mehr und verkörpert Lebenlust wie der Wein.  Sogar Geistesstärkend soll er wirken und der alte Goethe hätte ohne den guten Rebensaft sicherlich nicht so viele Werke geschrieben.

Der Wein wirkt stärkend auf den Geisteszustand, den er vorfindet: Er macht die Dummen dümmer, die Klugen klüger.

Jean Paul

Auch heute noch stärkend auf die Gemütslage und den Geist. Dazu noch ein Video aus der Vorbereitung eines Gastbeitrages  zur Weinrallye 25., dessen Grundidee bei einigen Gläsern Moselriesling ausgeheckt wurde:

Weinrallye 36: Wein und Musik

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Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH hat auf ihren Blog die aktuelle Weinrallye ausgerufen:

„Wein & Musik. Zwei Genusswelten, die aufeinandertreffen und dann vielleicht miteinander verschmelzen (?), so stellen wir uns die Rallye vor.

Vor einiger Zeit sind wir über eine äußerst spannende Studie gestolpert, in der u.a. formuliert wird: „Rotwein schmeckt besser zur Musik von Jimi Hendrix oder den Rolling Stones.“ Oder „Der Geschmack von Cabernet Sauvignon wird von den Weintrinkern stärker mit ‚mächtiger und schwerer Musik’ empfunden. Chardonnay hingegen habe bei ‚schwungvollen und erfrischenden’ Melodien deutlich besser gemundet.“

Oder hier ein Marketing-Beispiel: In der Weinabteilung eines Supermarkts wurde über zwei Wochen entweder deutsche Blas- oder französische Akkordeonmusik gespielt. Es stellte sich heraus, dass die Käufer bei der französischen Musik etwa dreimal häufiger zu französischen Weinen griffen und bei der Blas-Musik zu den deutschen.

Naja, Studie hin oder her – wir hören bei Weitem keine Blasmusik und lieben die modernen deutschen Weine ;-)

  • Schreibt uns, zu welchen Weinen Ihr bei welcher Art von Musik greift oder ist es eher umgekehrt? Ihr freut Euch auf Eure Lieblingsmusik nach Feierabend und wählt dazu – ja genau, welchen Wein?
  • Oder gibt es ein besonderes Lied, in dem es um den „edlen Tropfen“ geht? Dann bloggt einfach dazu.“

Leider muß ich aus zeitlichen kreativen Gründen passen. Mir fällt einfach nichts ein… Halb so schlimm.

Bereits letztes Jahr zur Weinrallye 25: Wein in Literatur und Film, wurde das Thema Wein & Musik bei einem Gastbeitrag behandelt. Der Brüller schlechthin.  Das Video unten nochmals zum anschauen, das „Making of“ gibt es hier.

Die Zusammenfassung der jetzigen Weinrallye gibt es in einigen Tagen hier bei WeinReich Blog.

 

Weinrallye 35: Stein und Wein

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„…Es geht um vielerlei … In letzter Zeit hat der Weinfreak seine freie Zeit mit dem Trinken (oder verharmlosend: Verkosten) von überwiegend deutschen Rieslingen und Spätburgunder zugebracht. Und sehr oft war auf dem Etikett ein “Stein” im Namen zu finden. Schieferstein, Rotschiefer, Weißer Stein, Porphyr, Steinzeiler, Urgestein, vom Stein …

Und in der Tat: Man schnuppert am Wein, er riecht nach nassem Stein. Man trinkt den Wein, er schmeckt nach Salz. Der Weinprofi spricht von Mineralität, der Chemiker winkt müde lächelnd ab und verweist darauf, dass diese sich im Wein nicht nachweisen lasse. Geschenkt.

Der alte Winzer, kauzig, mit von Sonne und Wind ledrig gewordener Haut, faselt von Terroir, verweist auf die Bodenbeschaffenheit und darauf, dass nur ein Wein vom Ufer der Loire so schmecken kann, weil die Rebe nur dort den idealen Boden vorfindet.

All das schwirrt im Kopf des Weinfreak herum und sucht nach Erklärung….“

So der Aufruf vom weinfreak zur Juliweinrallye. Ein interessantes Thema und sehr vielschichtig. Im Moment ein Modethema. Da werden die Weine nach dem Schiefer benannt: Rotschiefer, Blauschiefer, Devonschiefer usw. Da wird z.B. mit der Bezeichnung Rotschiefer geworben und in den Weinbergen ist weit und breit kein roter Schiefer zu finden oder der Devonschieferriesling ist im Sumpfland der Moselauen auf Sand und Lehm gewachsen.

Wenn ich Dirk Würtz zitieren darf, der seinen Artikel zum Weinrallyethema vor mir veröffentlicht hat:

„Hin und wieder beschleicht mich der Eindruck, dass es nur noch Weine mit ausgeprägter Mineralität gibt, selbst wenn die Trauben auf Böden gewachsen sind, die so mineralisch sind wie der Sandkasten meiner Tochter. Überhaupt habe ich langsam das Gefühl, dass einige “Verkoster” überhaupt nicht wissen, was Mineralität ist und wie sie schmeckt. Manche verwechseln das übrigens nur allzugern mit hefigen Noten im Wein. Zugesetzte Kohlensäure hilft da manchmal auch…

Mindestens genauso nervig finde ich diese expressive Herausstellung und Betonung der Mineralität. Ganz besonders auf dem Etikett. Da heißen dann die Weine “Basalt”, “Schiefer”, “Granit” oder “Porphyr”. Ich weiss gar nicht, wer sich so was ausdenkt, ich persönlich finde das wenig animierend. Ich will ja schließlich Wein trinken und nicht an Steinen lutschen. Natürlich ist das eine Hilfestellung…damit jeder gleich weiß: “Achtung, der Wein ist mineralisch”…

…Ich persönlich kann übrigens nicht unterscheiden zwischen Granit und Balsalt. Jedenfalls nicht mal ansatzweise im Geschmack. Selbst nach mehrmaligem Lecken am Stein nicht. Außer einer gewissen Form der Salzigkeit kann ich selten etwas feststellen. Kurzum, ich halte das alles für Kokolores. Nicht immer, aber immer öfter. Ein netter Markentinggag, schwer überprüfbar, deswegen klappt er ja auch so gut.“

Kokolores? Eigentlich nicht, denn der Boden, das Gestein, ist mit prägend für den Wein. Er teilt sich dem Wein mit. Nicht so ausgeprägt wie es manche gerne hätten, sondern als ein mehr oder weniger wichtiger Bestandteil der Terroirs, was ich als Summe der weinbaulichen und kellerwirtschaftlichen Faktoren betrachte. Also z. B. die Rebsorte, das Alter der Reben, Klima, Sonneneinstrahlung, die Hangneigung usw. Ganz wichtig und stark den späteren Weingeschmack beeinflussend ist der Winzer, der mittels Kulturmaßnahmen versuchen muss, ein Maximum an Qualität/Geschmack in die Traube zu bekommen und schließlich der Kellermeister, der dieses Maximum verlustfrei in die Weinflasche abfüllen soll.

Betrachten wir doch einmal die in der Reiler Goldlay vorhandenen Steine, die ausnahmslos als Schiefer, genauer gesagt als Devonschiefer, vorliegen:

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Mal bläulich,

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stellenweise rötlich,

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häufig als harte Moselgrauwacke, teilweise mit Quarzeinschlüssen

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oder als spaltbarer Stein, der an der Mosel Lay, am Mittelrhein Ley, heißt. Übrigens, die Dächer sind bei uns mit Layen gedeckt, also Schiefer und die Reiler Goldlay kann man getrost übersetzen mit Gold= Sonne und warm und Lay=Schiefergestein.

So, wenn es gleich draussen etwas abgekühlt ist, werde ich mich mit einer Flasche Reiler Goldlay Riesling auf die Terasse begeben, mir die Schiefersteine betrachten, vielleicht etwas daran lecken und grübeln, welcher der obigen Schiefersteine sich dem Wein am meisten mitgeteilt hat.

Weinrallye 34: Wein und Knabberei – food pairing

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Foodpairing – man sollte sich diese Anglizismen sparen – als Themenvorschlag vom Winzerblog für Weinrallye Nr. 34:

 „Aber was dann? Die Gäste sind perfekt, die Weine sind perfekt, das Ambiente ist perfekt, kann es dann wirklich sein das dann eine Tüte Kartoffelchips oder eine paar trockene Brotscheiben auf dem Tisch landen? Zur Weinrallye #34 möchte ich gerne von euch wissen was gibt es denn bei euch als Knabberei zum Wein?

 Backt und kocht ihr vielleicht sogar selber? Gibt es Eingelegtes oder Käse? Mögt ihr es pikant, würzig, salzig oder eher neutral? Vielleicht sogar süß? Ihr dürft dabei den Begriff Knabberei gerne weitläufig interpretieren, ob ihr das Antipasto, Tapas, Häppchen oder Canapés nennt spielt dabei keine Rolle…“

 Tja, guter Rat ist da teuer.  Salzstangen verzehre ich nur, wenn ich mit Heißhunger aus dem Weinberg komme und das Abendessen noch in Ferne ist, über Erdnüsse zu schreiben ist langweilig und die ab und zu  gegessene Tafel Schokolade passt nun wirklich nicht zum trockenen Riesling.

Dann muß ich das Thema wohl anders beleuchten.

Natürlich; Regional denken und schon etwas gefunden.  Nur in meinem Heimatort bekannt, drei Käffer weiter schon unbekannt: Moselriesling und Reiler Gemüse!

Im Anschluß an gemeinsame Arbeiten, sei es beim Zeltauf- oder abbau vom Weinfest, einer gemeinsamen Weinabfüllaktion (wird leider immer seltener…), der nächtlichen Eisweinernte oder beim Leichenschmaus am Tisch der Sargträger, also kurz gesagt nach einer gemeinschaftlichen dörflichen Arbeitsaktion gibt es immer wieder einen Umtrunk. Damit die Grundlage für den Moselriesling geschaffen wird, oder andersrum, damit es etwas gesundes zu knabbern gibt, wird sehr oft das Reiler Gemüse gereicht.

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Die dabei anwesenden Mannsbilder verstehen natürlich kein Grünzeug darunter. Etwas handfesteres ist damit gemeint: Gehacks vom Rind! In rauhen Mengen und fingerdick auf eine möglichst dünne Scheibe Brot verteilt. Garniert mit Zwiebelringen. Als Vitaminalibi evtl. etwas Petersilie und Gürkchen. In der Trierer Gegend auch als Weinhändlerfrühstück bekannt. Wobei „Frühstück“ eher eine Zwischenmahlzeit bezeichnet, die man zu jeder Tagesstunde zu sich nehmen kann.

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Als Wein dieses mal eigenes Gewächs, Reklame in eigener Sache:  2008er Reiler Goldlay Riesling Kabinett trocken, mit knapp 11% Alkohol ein passender Begleiter!? Falsch, das Thema war ja andersrum gestellt: Das Gehacks, das Reiler Gemüse, ist der passende Begleiter zum trockenen Moselriesling!

Die Grundlage für lange Nächte, mit dem Riesling als Debattier-Tropfen, der Esprit und Phantasie beflügelt, statt sie zu lähmen, und dann trotzdem am nächsten Morgen frisch und klar sein.