Felssicherung

Die Mosel hat sich ihr Tal in einem respektablen Mittelgebirge gegraben. An ihren Flanken die steilen Rieslingweinberge und noch steilere Felsformationen, die wie im Hochgebirge, nach Felsabgängen, aufwändig gesichert werden müssen.

Aktuell wird in der Nachbargemeinde Enkirch ein Fels gesichert. Harmlos gegenüber den beiden Felsen, die vor einigen Jahren in Reil aufwändig durch Industriekletterer an der Bahnstrecke gesichert werden mussten.

Mit „Vater unser“ und „Ave Maria“

Mit „Vater unser“ den Berg runter und mit „Ave Maria“ rauf, verbunden mit viel Angstschweiß. So war das in den Anfangsjahren, als mit kleinen Raupenschleppern der Steillagenweinbau mechanisiert wurde.

Verbesserungen bei der Steigfähigkeit wurden mit Winkeleisen erzielt, die in den Gummiketten festgeschraubt waren. Die Steigfähigkeit stieg rasant, das Gefährt vibrierte stark, des Fahrers Wirbel meldeten sich und Asphaltwege waren ein Tabu.

Eine Verbesserung waren Ganzeisenketten. Vibrierten auch und waren für Asphalt und Rückenwirbel ebenfalls weniger geeignet. Trotzdem das der Kettenschlepper am Steilhang nur so klebte, wurde auf die sogenannte Steigeisenkette gewechselt. Der Verschleiß und die dazugehörenden Rechnungen waren nicht zu vernachlässigen.

Auch bei diesen Ketten wurde an der Steigfähigkeit gearbeitet. Aufgeschweißte Vierkanteisen erhöhten die Steilhangtauglichkeit, jedoch wieder Vibrationen…

Dazu der Klimawandel. Wenn Wetter da ist, ist es immer gleich. Also lange Feucht- oder Trockenphasen. In Feuchtphasen verschmierte die Kette und reinigte sich nicht selbst, in Trockenphasen wurde der Boden hart und gab es keinen Bodenschluss.

Da die Welt nicht stillsteht und die Technik fortschreitet, nun die neuesten Lösungen für unser Steigfähigkeitsproblem.

Zu einem ist bei unseren beiden steilsten Weinberge der Pachtvertrag abgelaufen, zum anderen gibt es jetzt seit wenigen Jahren eine neue Generation von Raupenketten. Mit seinem extra hohen Traktorprofil und ausgeprägten Profilstollen soll eine exzellente Traktion gegeben sein. Kollegen, die diese bereits verwenden, berichteten mir darüber. Zudem sollen sensible Untergründe geschont werden.

Schonung der Weinbergsbegrünungen, der Asphaltwege und, sehr wichtig: Schonung meiner Rückenwirbel!

So früh wie noch nie…

Nachdem unser Azubi seine Lebensplanung geändert und uns vor etlichen Wochen verlassen hatte, war guter Rat zunächst teuer.

Meine studentischen Aushilfen Frederik und Valentin waren gleich zur Stelle und sagten ihre Hilfe zu. Dann hörte ich, dass ein ehemaliger Mitschüler meines vorigen Azubis Ken nur eine Teilzeitstelle hat. Seitdem ergänzt Timothy (oben im Bild) einige Tage im Monat mein „kleines“ Team.

Ex Azubi Ken (unten im Bild), der im Juli seine Prüfung zum Winzer bestanden hatte, musste auch seine Lebensplanungen ändern, als seine neue Arbeitsstelle in Australien buchstäblich abbrannte und unterstützt uns seitdem aushilfsweise.

Ein Dreamteam! Vier bestens ausgebildete junge Menschen. Hoch motiviert und rasend schnell.

So früh wie noch nie sind wir mit dem Rebschnitt fertig geworden. Bis auf wenige Regentage konnten wir durchgehend draußen arbeiten. Kein Frost und Schnee die ebenfalls gehindert hätten.

Wetterspielchen

Immer wieder wird man beim Rebschnitt bitter an die Sonnenbrandschäden vom vergangenem Juli erinnert, als viele Trauben durch die Sonne verdorrten. Die Traubenmumien hängen verdorrt an den Reben und werden beim Rebschnitt auf den Boden geschnitten.

Da wir mit dem Rebschnitt weit fortgeschritten sind, gönnen wir uns auch ab und zu eine Pause und schauen in die Landschaft. Die kenne ich zwar schon seit vielen Jahren, hat aber immer noch Ihre Reize.

Sei es bei tristem Winterwetter oder bei Sonnenschein. Ganz reizvoll, wenn der Nebel seine Spielchen treibt und das Moseltal ganz langsam mit Nebel vollläuft und man das Glück hat im richtigen Weinberg zu stehen und dieses Naturschauspiel verfolgen kann.

Eine Aufmunterung für die Seele, damit sich ein trüber Winter, mit dem damit verbundenen Mangel an Sonnenlicht, sich nicht aufs Gemüt schlagen kann, wie Bernhard Fiedler vom Neusiedler See in Österreich berichtet.

Wintertristesse?

Der Winter ist momentan etwas trist und dunkel. Die sommerlichen Farben, das Grün der Pflanzen und die Blütenfarben fehlen, der Himmel wolkenverhangen. Schnee würde das ganze aufwerten, aber im warmen und schneearmen Moseltal nicht sehr häufig und durch den Klimawandel wird er noch seltener.

Auflockernd für das Auge sind die Nebelspiele, die des Öfteren stattfinden. Langsam von den Höhenzügen vom Hunsrück und Eifel hinabgleitend ins Tal und vom Wind an den Weinbergshängen entlanggetrieben.

Alle fünf Minuten vom Rebschnitt aufschauen und eine andere, spannende Landschaft um sich herum erblicken, die sich ständig ändert.

Weinernte 2019: Vorläufiges Fazit

Nachdem die Weinernte beendet ist, die Weinpresse in der Ecke auf die nächste Ernte wartet und das Weingut wieder im Normalbetrieb funktioniert, ein vorläufiges Fazit der Weinernte 2019:

Durch die diesjährige Trockenheit und die massiven Sonnenbrandschäden befürchteten wir eine sehr kleine Ernte. Die verbliebenen Trauben haben diese Verluste durch dickere Beeren teilweise ausgleichen können und so ist die Erntemenge größer als erwartet, aber leider immer noch unterdurchschnittlich. Ärgerlich waren auch Vögel, denen unsere Rieslingtrauben so gut schmeckten, dass in einem Weinberg für den Winzer nicht viel übrig blieb.

Es war eine der nassesten Weinernten seit Jahren. Die Beeren waren permanent Regen und Feuchtigkeit ausgesetzt. Dazu kamen die hochsommerlichen, schwülen Temperaturen am zweiten Oktoberwochenende. Der Riesling mit seiner empfindlichen, dünnen Beerenschale fing an zu faulen (Im Bild links oben). Da wir vor diesem Wochenende fleißig selektiv vorgeerntet hatten, konnten wir die verbliebenen Trauben fast ohne Verluste schnell ernten.

Qualitativ sind wir zufrieden! Von Erntetag zu Erntetag wurden die Trauben reifer und aromatischer. Bei der täglichen Gärungskontrolle im Weinkeller sind intensive Aromen wie z.B. reife Birne, Pfirsich, Maracuja und andere tropische Früchte wahrnehmbar. Eine kleine Entschädigung für die geringe Erntemenge.

Weinernte 2019: Ein Rückblick und ein kleines Prognöschen

 

Wir blicken mit Vorfreude auf die kommende Ernte. Schöne gesunde Rieslingtrauben hängen in den Weinbergen. Wenige kompakte Trauben haben Fäulnisbefall, der nicht dramatisch ist und sich durch die gemeldeten kühlen Temperaturen nicht weiter ausbreiten dürfte. Obwohl es im Boden wieder sehr trocken ist, wünschen wir uns keine größeren Niederschläge, die die dünnen Beerenhäute des Rieslings zum Aufplatzen bringen würden. Fäulnis mit den verbundenen Problemen wäre die Folge.

Unsere Vorfreude wird durch die Auswirkungen der  Trockenheit und Hitze des vergangenen Sommers getrübt. An einigen Stellen in den Weinbergen, wo die Bodenauflage über dem Schiefergestein geringer ist, blieben die Trauben trockenheitsbedingt klein. Die Hitzewelle Ende Juli mit Temperaturen um 40 Grad (im Schatten!) verursachte massive Sonnenbrandschäden . Geschätzte 25 % der Trauben waren betroffen und sind mittlerweile eingetrocknet.

Glück im Unglück hatten wir, als kurz nach den Rekordtemperaturen ausreichend Regen fiel. So konnten die Beeren bei der darauf folgenden Wachstumsphase noch einiges an Gewicht zulegen und die Verluste durch den Sonnenbrand etwas ausgleichen. Wir erwarten einen unterdurchschnittlichen Ertrag.

Qualitativ sieht es gut aus. Die kühlen Nächte sind ideal, damit der Riesling Fruchtaromen bildet. Als „cool climate“ Pflanze braucht er diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.

Am 4. Oktober wissen wir mehr, Erntebeginn für die Weinernte 2019.

Erster!

Erster! Nachdem uns in den letzten Jahren öfters die ganze oder die halbe Ernte des Weinbergpfirsichs geklaut wurde,  war ich heute als erster da und habe geerntet. Mangels genügender Erntebehältnisse werden morgen früh die restlichen Pfirsiche (Prunus persica) gepflückt.

Von einem weiteren Pfirsichbäumchen, dass ich vor fünf Jahren gepflanzt hatte, konnte ich dieser Tage die erste Ernte einfahren. Leider erst die erste. Die eigentlich erste Ernte fiel meinem Mähgerät zum Opfer, als ich versehentlich über das im Weinberg stehende Bäumchen mit dem Kettenschlepper fuhr. Die zweite und dritte Ernte, jeweils nur eine Handvoll Früchte, wurden auch geklaut.

Es stellte sich jetzt heraus, dass das Bäumchen, das ich als Weinbergspfirsich von einem befreundetem Hobbygärtner bekommen hatte, ein weißer Pfirsich ist, der äussert wohlschmeckend und aromatisch ist.

Herbststimmung

Seit einigen Tagen sind die Temperaturen auf Talfahrt und die ersten Vorboten des kommenden Herbstes sind in Form von Nebel  über dem Moseltal sichtbar.

Die Rieslingtrauben sind am reifen. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten und warmen Tagen ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, um sein volles  Aromenspektrum zu bilden.

In den nächsten Tagen fange ich gemütlich mit der Generalreinigung des Weinkellers und der Kellereimaschinen an. Alles durchsehen, Funktionskontrolle der Maschinen, Lesescheren nachzählen und überprüfen, Verbauchsmaterialien in genügender Menge bevorraten und so weiter und so fort. Die Checkliste habe ich schon im Kopf erstellt.

Die Erntemannschaft ist auch schon komplett, der Erntetermin festgelegt und wie jedes Jahr: Man freut sich auf die Früchte der Arbeit der vergangenen Monate. Noch ist man entspannt und gönnt sich die ruhigeren Arbeitstage und weiß genau, dass die Spannung zunimmt und der Erntestress bald beginnt.

Tigerstreifenmuster

Das Tigerstreifenmuster lässt erkennen, das diese Rebe von der Viruskrankheit Esca befallen ist. Ich berichtete hier über diese Erkrankung und die beim Rebschnitt zu ergreifenden Maßnahmen, um den Weinstock wieder vital zu bekommen.

Durch die bis Ende Juli herrschende Trockenheit traten diese Blattverfärbungen früher auf als in vergangenen Jahren. Die betroffenen Reben sind von mir gekennzeichnet worden, damit sie beim Rebschnitt gefunden werden und bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten werden können. Die Kennzeichnung ist auch wichtig für die Erntehelfer, damit diese die minderwertigen Trauben der kranken Weinstöcke nicht ernten.