Wetterspielchen

Immer wieder wird man beim Rebschnitt bitter an die Sonnenbrandschäden vom vergangenem Juli erinnert, als viele Trauben durch die Sonne verdorrten. Die Traubenmumien hängen verdorrt an den Reben und werden beim Rebschnitt auf den Boden geschnitten.

Da wir mit dem Rebschnitt weit fortgeschritten sind, gönnen wir uns auch ab und zu eine Pause und schauen in die Landschaft. Die kenne ich zwar schon seit vielen Jahren, hat aber immer noch Ihre Reize.

Sei es bei tristem Winterwetter oder bei Sonnenschein. Ganz reizvoll, wenn der Nebel seine Spielchen treibt und das Moseltal ganz langsam mit Nebel vollläuft und man das Glück hat im richtigen Weinberg zu stehen und dieses Naturschauspiel verfolgen kann.

Eine Aufmunterung für die Seele, damit sich ein trüber Winter, mit dem damit verbundenen Mangel an Sonnenlicht, sich nicht aufs Gemüt schlagen kann, wie Bernhard Fiedler vom Neusiedler See in Österreich berichtet.

Kunstwerke

Glücklicherweise sind wir bei uns in Reil mit ausreichend Gastronomie gesegnet. Noch besser ist, dass alle gastronomischen Betriebe in ihrer jeweiligen Kategorie Spitzenleistungen erbringen. Angefangen vom Imbissstand unterm Rathaus, über die leckeren Schnitzel in der Linde, dem Weinberg-Hotel Nalbach mit der sehr guten bürgerlichen Küche, den Straußwirtschaften bis hin zu den  beiden Top Restaurants Reiler Hof und Villa Melsheimer.

Bemerkenswert in der Villa Melsheimer sind neben der Weinkarte die Desserts, eine Passion des Küchenchefs. Für mich kleine Kunstwerke, für andere Dekorationsorgien. Aber egal, schmeckt unheimlich gut!

Weitere, bessere Bilder wie das obige, gibt es auf dem Instagramaccout des Restaurants.

Wintertristesse?

Der Winter ist momentan etwas trist und dunkel. Die sommerlichen Farben, das Grün der Pflanzen und die Blütenfarben fehlen, der Himmel wolkenverhangen. Schnee würde das ganze aufwerten, aber im warmen und schneearmen Moseltal nicht sehr häufig und durch den Klimawandel wird er noch seltener.

Auflockernd für das Auge sind die Nebelspiele, die des Öfteren stattfinden. Langsam von den Höhenzügen vom Hunsrück und Eifel hinabgleitend ins Tal und vom Wind an den Weinbergshängen entlanggetrieben.

Alle fünf Minuten vom Rebschnitt aufschauen und eine andere, spannende Landschaft um sich herum erblicken, die sich ständig ändert.

Fasswechsel

Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet,  besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Hefe im Wein und die jungen Weine können von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

Wenn ich Zitieren darf:

„Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sondern eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine  man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeitiger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.“

Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost

Die Rieslinge zeigen sich momentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik und fruchtig. Das dürfte wieder eine Punktlandung werden, mit richtig guten Weinen.

Da nicht alle Weinfässer durch die geringe Weinernte gefüllt werden konnten, wurden die restlichen leeren Fässer mit Wasser gefüllt, um das Holz im Quellzustand zu halten und zu konservieren. Eines der Fässer leckte, aber nach einigen Tagen war das Eichenholz wieder gequollen und dichtetet ab.

Bio-Glühwei(h)n-Nacht: Glühwein für Uganda

Danke an alle, die am Samstag zur Bio-Glühwei(h)n-Nacht zu uns ins Weingut kamen. Mit Einbruch der Dunkelheit kamen die ersten Gäste, einige Stunden später war – gefühlt – das halbe Dorf da.

Nach alter Pfadfinderart (ich war früher auch dabei): Jeden Tag eine gute Tat! Da das Jahr so viel Tage hat, machen wir es einmal richtig und sponsern seit Jahren für diese Glühweinnacht den Glühwein, natürlich Riesling, Kinderpunsch und Kleinigkeiten zum Essen.

Danke an allen die da waren und nun mit den reichlich eingesammelten Spenden den Verein Somero unterstützen, der in Uganda ein Bildungsprojekt betreibt.

Diese Nacht lässt Dich nicht kalt

Gemütliches Beisammensein bei leckerem  Bio-Glühwein – natürlich aus Riesling –  Infos und Gespräche zum Öko-Landbau.

Am kommenden Samstag, den 14. Dezember, ab 16.00 Uhr, findet zum x-ten Mal in unseren Kellerräumen die Bio-Glühwei(h)n-Nacht statt.

Wie gehabt spenden wir den Glühwein und Ihr ins Spendenschwein. Der Erlös geht an eine wohltätige Organisation. Welche ist noch unklar. Der Familienrat wird sich noch beraten.

Für die, die von weiter herkommen und auch Durst haben: Der letzte Zug ab Reil fährt um 22.13 nach Bullay, dort besteht Anschluss nach Trier bzw. Koblenz. In Richtung Tr.-Trarbach fährt der letzte Zug um 21.44 Uhr.

Was hat der denn geraucht?

Wir freuen wir uns immer wieder, wenn wir bei Weinverkostungen sehr gut abschneiden. Neben kleineren Weinwettbewerben wie die Steillagenweinprämierung in Aosta, Italien, und der Verkostung unseres Verbandes ECOVIN gab es großes Lob auch beim Eichelmann Weinführer. Sagenhafte dreieinhalb Sternchen für unsere ausschließlich trockenen Weine. Auch die anderen Weinführer, der Gault Millau und der VINUM Weinführer zählen uns zu den besten deutschen Weingütern und lobten unsere 2018er Weinkollektion.

Ganz besonders stolz sind wir auf die guten Bewertungen unserer Basisweine, die allesamt sehr hoch waren.

Der eine liebt unsere Weine mehr, der andere weniger. Liegt in er Natur der Sache. Wein ist ein emotionales Produkt und lässt sich nicht ist ein starres Bewertungssystem pressen. Persönliche Vorlieben der Weinverkoster spielen eine große Rolle und die Weine werden bei allen Verkostungen nicht verdeckt probiert.

Ein schönes Etikett oder die Erinnerung des Verkosters an die nette Winzerstochter kann schon die Weinbewertung beeinflussen…

Auch die Zeitschrift der Feinschmecker hat seine Bestenliste. Im Gegensatz zu den anderen Weinführern, die über eintausend Winzer aufzählen, sind dort unter achthundert Winzer vertreten. Seit Jahren sind wir dort dabei.

Bisher erschien als Beilage zur Zeitschrift immer ein Büchlein mit den besten Winzern Deutschlands. Mittlerweile gibt es das nur als Onlineversion. Spielt aber keine Rolle, wurde früher und wird heute nicht gelesen. In der Publikumswirksamkeit nicht relevant.

Als ich dann den seltsamen Bewertungstext über unsere 2018er Weine las, dachte ich zuerst, dass ich im falschen Film bin, kam aber schlussendlich zu der Frage: Was hat der denn geraucht? Oder was ist dem Verkoster über die Leber gelaufen? Ärger mit der Frau? Schlecht geschlafen? Evtl. zum Weintrinken verpflichteter Biertrinker?

Rätsel über Rätsel!

Damit sie sich eine eigene Meinung darüber bilden können, folgend der komplette Text:

„Das war kein guter Jahrgang für Harald Steffens, doch wir hoffen, dass es nur ein kleiner Ausrutscher ist und das Weingut im nächsten Jahr zur alter Form zurückfindet. Die 2018er Rieslinge, die wir zur Probe hatten, ließen sämtlich die gewohnte Fruchtstruktur und Substanz missen, wirkten etwas ausgezehrt und leer. Selbst die Auslese, wie alle andere Rieslinge trocken ausgebaut, zeigt für dieses Prädikat viel zu wenig Frucht, was andererseits der Säure Platz macht, die den unausbalancierten Wein beherrscht.“

Trotz dieses bösen seltsamen Textes sind wir immer noch bei den besten Winzern dabei, zwar nicht so hoch bewertet wie in den letzten Jahren, aber dabei.

Wichtiger als diese Rankinglisten ist die Kundenresonanz. Positive Rückmeldungen zu unseren Weinen und der Verkauf läuft wie geschnitten Brot. Für uns das beste Ranking!

Zur Information: Alle Weinführer haben die gleichen 2018er Rieslingweine erhalten, von der Literflasche bis hin zu den Auslesen.

im Wandel der Zeiten

Unser Haus im Wandel der Zeiten. Als Fachwerkhaus vor über 300 Jahren erbaut, gab es um die vorletzte Jahrhundertwende zwei größere Umbau- bzw. Renovierungsarbeiten an unserem historischen Bürgerhaus. Die Vorbesitzer, die Familie Müller-Lentz, bauten den Speicher zu Wohnzwecken um und das Erdgeschoss wurde neu gestaltet. Ein großes Tonnengewölbe mit Nebenräumen wurde angebaut. Zudem wurde die Fassade verputzt um dem Haus ein „städtisches“ Aussehen zu geben.

Obige Aufnahme entstand vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Schön zu sehen noch die ursprüngliche Terrasse, die später vergrößert wurde und eine Sandsteinbalustrade erhielt.

Auf der Terrasse die Herrschaften, Moselriesling trinkend, und neben dem Kellereingang die Kellerarbeiter.

Die Fassade soll 1924 freigelegt worden sein. Zuerst wurde das Fachwerk Moselseitig freigelegt, wie dieses Bild von einem Werbeprospekt der Ortsgemeinde Reil aus den 30er Jahren zeigt. Zu einem späteren Zeitpunkt dann das seitliche Fachwerk zu Hof hin.

Danke…

Danke, liebe Kollegen von Terroirmarche,  dass wir bei Eurer diesjährigen Weinpräsentation dabei sein durften.

Schon mehrmals wurden wir Ökowinzer von der Mosel als Gastwinzer der italienischen Biowinzervereinigung in den Marken eingeladen. Dieses Jahr fand die Jahrespräsentation der Winzerkollegen in Ancona am vergangenen Wochenende in der La Mole, ein Kulturzentrum im Hafen, statt. Zwei Tage Weinverkostung und ein spannendes Rahmenprogramm boten die ital. Winzern den Besuchern.

Neben meiner Wenigkeit reiste noch Dieter (links im Bild) vom Weingut Hoffmann-Simon aus Piesport mit, um mit mir den Moselriesling in Italien zu präsentieren. Es machte uns sehr viel Spaß und wir ergänzten uns Prima. Wenn etwas Zeit war, repräsentierte einer von uns beiden die Mosel und unsere Weingüter und der andere ging zu den Kollegen probieren.

Fest im Rahmenprogramm die flüssigen Seminare, also betreutes trinken, mit vielen verschiedenen Weinen. Kommentiert von einem Moderator. Wir verstanden zwar nicht, was auf der Bühne über die Weine erzählt wurde, aber das brauchten wir nicht. Der Wein im Glas erzählte uns schon genug.

Stilecht wurden die Weine von Sommeliers, auch Mundschenk oder Weinkellner/-in genannt, ausgeschenkt. Tres chic aussehend, mit „Berufsbekleidung“ und dem umgehängten Tastevin, eine Probierschale am Silberkettchen.

Auch das Essen kam nicht zu kurz. Gute regionale italienische Küche, bodenständig und gut. Daher zwei Tipps wo man es sich gut gehen lassen kann.

Direkt am Meer gelegen, mit Blick auf den Fischereihafen, dinierten wir z.B. im Restaurant Il Palombaro in der Nachbarschaft des Veranstaltungsortes leckeren Meeresfisch.

Auf Empfehlung von unseren ital. Freunden suchten wir noch die Trattoria Clarice auf und waren sehr überrascht.  Die Chefin und Köchin hatte sich tagsüber auf der Weinpräsentation intensiv mit unserem Moselriesling beschäftigt und erkannte uns direkt. Ein sehr gemütliches kleines Restaurant mit einer kleinen, aber sehr guten Speisekarte und eine große Auswahl an Bioweinen. Wir wurden herzlichst begrüßt und konnten beim abendlichen Dämmerschoppen zuschauen, wie die Köchin in der Küche werkelte.