sehr vital und saftig grün

Die Weinberge sehen zurzeit sehr vital und saftig grün aus.  Die bisherigen Sommerregenfälle kamen immer zu rechter Zeit und so langsam dürfte müsste es wieder regnen. In zwei jüngeren Rebanlagen mit geringerer Bodenmächtigkeit sieht man etwas Kümmerwuchs als Folge des Wassermangels. Extrem wird es bei Rebstöcken, die direkt auf Fels stehen, wie im obigen Bild. Dort hat die Rieslingrebe schon in den extremen Wassersparmodus geschaltet und die Triebspitze ist vertrocknet (gesehen bei einem Kollegen).

Vom Regen würden auch die jungen Rieslingträubchen profitieren, die dieses Jahr reichlich in den Weinbergen hängen. Vermehrtes Dickenwachstum wäre die Folge und damit auch höhere Erträge, die nach dem mageren letzten Jahr die Fässer im Keller füllen würden.

Die sonstigen Rahmenbedingungen sind bis jetzt ausgezeichnet. Besonders gefällt uns das typisch deutsche Sommerwetter mit angenehmen Temperaturen. Wir sind frohen Mutes, was die kommende Weinernte betrifft.

Tourguide

Auf Anfrage einer Gruppe Weinliebhaber, die zudem auch die Mosellandschaft erleben wollten, spielte ich für einen Tag den Tourguide. Natürlich zeigte ich die Mosel von ihrer Schokoladenseite. Dazu zählt natürlich der Calmont Klettersteig bei Bremm.

Ein einzigartiger Weg mitten durch den steilsten Weinberg Europas.

Etliche Abschnitte sind hoch über der Mosel nur mithilfe von Stahlseilen, Trittstiften oder mittels Leitern zu überwinden.

Unterwegs Haltepunkte mit Bänken und sogar kleinen Tischen, an denen man rasten und ausruhen kann. Pause für ein kleines Vesper oder vielleicht ein Gläschen Riesling, der in diesem Hang gewachsen ist.

Da auch alle paar Meter die Perspektive wechselt, ist die Kamera oder ein Handy Pflicht um Bilder zu machen. Sei es die gegenüber auf der anderen Seite liegende Klosterruine Stuben, der Schiffsverkehr auf dem Fluss, der Blick auf Ediger oder Bremm oder die einzigartige Fauna und Flora in diesem Steilhang. Besonders der Buchsbaum ist zu erwähnen. An der Mosel ist das größte natürliche Vorkommen dieser wärmeliebenden Pflanze in Deutschland. Sogar richtige „Urwälder“ sind zu finden und einige Wanderwege sind dem Buchsbaum gewidmet.

Bürgerpflicht

Die Hauptsommerarbeiten sind weitestgehend erledigt. Es folgen die alljährlichen Nebenarbeiten, die rund ums Weingut und die Weinberge anfallen.

Die Böschungen oberhalb der Weinbergsmauern wurden letzte Woche nach dem abblühen der meisten Begrünungspflanzen mit dem Freischneider gemäht. Der Arbeitsplan sieht noch vor, Wege und Mauern zu säubern. Am Mauerfuß ist die Wasserführung von Pflanzen und Geröll zu befreien. Wichtig ist es, die Pflanzen zu entfernen, da sie Mauern und Wege auf die Dauer schädigen können.  Wir sind darauf eingestellt und entsprechendes Werkzeug ist vorhanden. Für die Feinarbeit Besen und Schippe. Fürs Grobe ein kräftiges Planierschild an der Raupe, das den gröbsten Dreck zusammenschiebt  und die Pflanzen mit Wurzeln aus den Fugen reißt.

Dafür müsste es allerdings einmal kräftig regnen, damit sich die Gewächse leicht aus den Fugen ziehen lassen.

Eine Bürgerpflicht, das Gemeinschaftseigentum, also Wege und Mauern,  sauber und intakt zu halten. Wird nicht von allen Kollegen als Pflicht gesehen, eher als Belastung, die die Gemeinden anmahnen müssen.

erbsengroß

Sehr schnell sind in den vergangenen Tagen die jungen Rieslingbeerchen gewachsen. Sie sind erbsengroß.  Nach ausreichendem Regen können die Rieslingreben nun wieder aus dem Vollen schöpfen. Die Trockenheit zum Anfang der Vegetationsperiode ist Geschichte und die Reben sind ungebremst am wachsen. Eine ganz andere Dimension wie in den letzten drei sehr trockenen Jahren.

Die Weinbergsarbeit ist diesen Sommer bisher sehr gut gelaufen: keinerlei Zeitdruck durch zu schnelles Rebwachstum und normale, „kühlere“ Sommertemperaturen, die das Arbeiten nicht zur Qual werden lassen. Drumherum alles im grünen Bereich, die Maschinen funktionieren wie sie sollen (bis auf kleine Ausnahmen…),  der Fruchtansatz der Reben ist sehr gut und und und…

Der 2020er könnte Wein vom glücklichen Winzer werden, falls nichts dazwischen kommt.

…ein gutes Gefühl

Die Rebblüte ist seit einigen Tagen abgeschlossen. Trotz kühlem Wetter sind viele Rieslingbeerchen bestäubt worden. Das kommende, warme Wetter wird das Dickenwachstum der jungen Rieslingtrauben fördern.

Mittlerweile gab es weitere reichliche Regenfälle, die den Wassergehalt der Böden aufgefüllt haben.

Den Rieslingreben sieht man an, das es reichlich geregnet hat. Die Triebspitzen, die sich durch die Trockenheit schon stellenweise aufgerichtet hatten, sind wieder gekrümmt und im Wachstumsmodus. Weitere Bilder finden Sie hier.

Bislang sieht es gut für den 2020er Jahrgang aus. Bis auf einige Fraßschäden an den jungen Rebknospen durch den Rhombenspanner  im April, ich berichtete schon einmal darüber, ist die Vegetation für uns bis jetzt zufrieden gelaufen. Die Trockenheit ist vorläufig kein Thema mehr, Unwetter mit Hagel, Sturm usw. haben uns auch bis jetzt verschont.

Ich habe da so ein gutes Gefühl, wenn ich an die kommende Ernte denke…

Entspannt

Entspannt laufen die Arbeiten im Weinberg. Nach dem Wetterwechsel vor einer Woche bei dem ausreichend  – jedoch nicht reichlich – Regen fiel, sind die Temperaturen stark gesunken. Das Wachstum der Reben hat sich verlangsamt. Wir kommen beim Einschlaufen der Rieslingreben in den Drahtrahmen gut mit der Arbeit nach.  Kein Vergleich zu den Vorjahren mit schnellem Rebwachstum, als bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter noch Helfer gebraucht wurden.

Die Rebblüte ist temperaturbedingt noch nicht abgeschlossen und benötigt gegenüber den Vorjahren etwas mehr Zeit. Die Temperaturen waren nicht zu tief, sodass ich eine gute Befruchtung erwarte. Aber das werden wir in einigen Tagen sehen.

Wetterwechsel

Die Rieslingreben sind am Blühen. Noch einige Tage und dann wären sie fertig, wenn der Wetterbericht nicht anderes Wetter gemeldet hätte. Der vorausgesagte Regen ist äußerst willkommen. Seid dem letzten Monatswechsel gab es keinerlei Regen und die Böden sind ausgetrocknet. Problematischer ist der damit verbundene Temperatursturz um über 10 Grad. Die  eingetretene Schafskälte wird die Rebblüte hinauszögern und vielleicht zu nicht optimalen Befruchtungsergebnissen führen.

Mehr Information zur Rieslingblüte gibt es hier und hier.

Trinkmuster im Wandel der Zeit

Trinkgewohnheiten im Wandel der Zeit, heilen – berauschen – genießen. Ein kurzweiliges Buch von Rudolf Nickenig der äußerst sachkundig zu diesem Thema schreibt. Kein Wunder, da er aus einer Winzerfamilie stammt und jahrelang  Generalsekretär des deutschen Weinbauverbandes war.

Wein und Jugend … und Frauen … und Schwangerschaft … und Senioren … und Speisen … und Abstinenzler usw. , das Thema dieses Buches. Was wurde früher darüber gesagt und geschrieben und wie ist heute die Meinung dazu? Dies wird nicht nur aufgelistet, sondern in den geschichtlichen Kontext gestellt und wo nötig auch kritisch hinterfragt. Davon bleiben auch die aktuellen Empfehlungen und Regeln nicht verschont. Hierbei weist Rudolf Nickenig immer wieder auf die Empfehlungen zum verantwortungsvollen Weingenuss der europäischen Initiative „Wine in Moderation“ hin.

Wein ist Kult! Das war schon immer so. Heute wie gestern. Es hat sich in den vergangenen Generationen jedoch viel verändert rund um den Weingenuss.

Über Jahrhunderte war unumstritten, dass moderater Weinkonsum gut für die Gesundheit ist. Jedoch wurde moderat anders definiert als in heutigen Zeiten.

Im 19. Jh. wurde er noch für medizinische Anwendungen empfohlen. Ich schrieb schon einmal über Dr. Franz Meurer, prakt. Arzt und königlicher Kreisphysikus in Zell/Mosel. Er sah im Moselwein  „…das reine Allheilmittel für alle Krankheiten…“. Aus heutiger Sicht eher als Wundermittel zu betrachten, wenn man die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Moselweine in dem Buch nachliest.

Sogar Kindern bekamen Wein: „In Württemberg, wo der Most (in diesem Fall vergorener Apfelmost) zu hause ist, sind … die Fälle äußerst zahlreich, wo Kinder in den ersten Lebensjahren in der Saugflasche regelmäßig Most statt Milch bekommen. Es gibt Mütter, die stolz darauf sind, dass ihre Lieblinge schon Most trinken wie ein Alter.“  Diese Betrachtungsweise wurde jedoch schon damals kritisiert (Dr. Hugo Hoppe 1899).

Auch im Kapitel Wein und Frau gibt es erstaunliches zu lesen. Während im Mittelalter Frauen bereits im jugendlichen Alter durch Hofordnungen und dergleichen zu Trinkerinnen geschult wurden – Zitat Heinrich IV. 11Jh.: „ich würde immer glauben, ein Weinfass neben mir (liegen) zu haben.“ –, gab es im Hochmittelalter auch schon andere Meinungen: „Wein sei der größte Feind der Keuschheit und der Schweigsamkeit,…“

Äußerst lesenswert und nachdenklich stimmend sind die vielen Zitate und Belege aus früheren Zeiten. Sie zeigen eindrücklich auf, wie sehr kulturelle, volkstümliche, wirtschaftliche, brancheninterne und staatliche Positionen die Weinkultur beeinflusst haben und bis heute beeinflussen.

Wenn Sie mehr über „Über die Nützlichkeit und Schädlichkeit des Weintrinkens zum Morgentrunk“ (Dr. Josef Adolph Boedeker, 1832) lesen und mehr zum Wandel der Trinkgewohnheiten bis zum heutigen Tag wissen möchten, meine Empfehlung:

Rudolf Nickenig
Wein ist Kult!
heilen – berauschen – genießen
Trinkmuster im Wandel der Zeit

Herausgeber: Deutsche Weinakademie GmbH (DWA), Bodenheim
Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim am Rhein, 2020, ISBN 978-3-96176-113-5

Das Buch ist für alle geschrieben, die sich für gesellschaftliche, gesundheitliche und ernährungsphysiologische Aspekte des Weinkonsums interessieren.

Danke an die Deutsche Weinakademie, die mir dieses Probeexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Helden im Steilhang

Traditionelle Bodenbearbeitung in einem Extremsteilhang der Mosel. Der Seilzuggrubber wird mittels einer tragbaren Motorseilwinde den Weinberg hinauf gezogen und bearbeitet den Boden.

Die Arbeit im Steilhang mit der Seilwinde erfordert Kraft und Geschick und lässt einen abends schnell und gut einschlafen.

Weitere Information über diese alte Weinbergsbearbeitungstechnik gibt es hier, ein „älteres Video“ aus den selben Weinberg hier.

Haarscharf vorbei

Haarscharf sind wir am Spätfrost in den letzten Tagen vorbeigekommen. Lediglich einige Blätter zeigen teilweise leichte Frostschäden. Die Eisheiligen haben zugeschlagen! In anderen Weinbaugebieten sieht es anders aus. In Franken, Württemberg und Sachsen wird stellenweise von einer Vollkatastrophe gesprochen. Aus den restlichen Weinbaugebieten hört man von leichten Spätfrostschäden, die fast keinen wirtschaftlichen Schaden bewirken.

Spätfröste hat es immer gegeben, die Häufung in den letzten Jahren und andere zunehmende Wetterkapriolen weisen immer mehr auf die Klimaänderung hin.

Freund Siegfried Perini, der der Wärme wegen seit einiger Zeit in Gandia, Valencia, Spanien lebt, – ich hoffe, das er seine Entscheidung nicht bereut – schreibt auf Facebook, dass in Nordspanien bisher innerhalb 12 Monaten 1000 l Regen gefallen sind.

„Wir sind wieder dabei Regenrekorde im neuen Jahr aufzustellen. Seit Wochen Wetter, wie ich es auch aus Deutschland kannte: mehr Regen- als Sonnentage. Wir sind nicht nur Anbaugebiet für Orangen, Zitrusfrüchte und Wein in unserer Region. Sogar das einzige Anbaugebiet von Reis…“

Ähnliche Nachrichten höre ich von Kollegen aus Südfrankreich. Regen ohne Ende bis die Weinberge aussehen wie die Mecklenburgische Seenplatte. Dazu Bilder in den französischen Winzerforen mit Traktoren, die bis über die Achsen in den Boden eingesunken sind.

In anderen Ländern sieht es anders aus. Winzerkollege Bernhard Fiedler aus Mörbisch am Neusiedler See in Österreich berichtet folgendes:

„Die 45 Liter Regen seit Jahresbeginn, wir haben eine Wetterstation des Weinbauvereines in einem unserer Weingärten stehen, da kann ich online fast in Echtzeit nachschauen und auch Wochen- und Jahresstatistiken abrufen. Am Freitag könnten laut Prognose 5 bis 15 Liter dazukommen. Der Wunsch wäre halt ein nasser Mai wie im Vorjahr, wenn es eine ganze Woche gemütlich durchregnen würde hätte ich die größte Freude….Von den 45 Litern waren außerdem wahrscheinlich 15 oder mehr völlig nutzlos auf Einzelmengen von Nullkommairgendwas bis Zwei- oder Dreikommairgendwas verteilt…“.