Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, August 2006

Im äußerst warmen und trockenen
Juli haben wir nach Regen gebetet, der dann auch im August niederfiel
und der Trockenheit ein Ende bereitete.

Fast den ganzen August hingen
die Regenwolken tief am Himmel und brachten starke Regenfälle.

Sogar die Mosel trat etwas über
ihre Ufer.

Im Juli beteten wir für Regen und jetzt beten wir in die andere
Richtung: Wir benötigen ein stabiles Hoch mit trockener Witterung,
damit die Trauben nicht anfangen zu faulen.

Immerhin haben die Trauben nun Ende August noch ca. 10 Tage Vegetationsvorsprung
und warmes trockenes Spätsommerwetter ist angekündigt.

Unser Weinkeller oder der Garten sind ein beliebtes Hintergrundmotiv.

Schon Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde
der Garten für Bilder genutzt.

Weinfestzeit heißt es im August
an der Mosel. Und was ist ein Weinfest ohne eine Weinkönigin.
Unsere derzeit amtierenden Weinhoheiten:

Weinkönigin Jacqueline mit Weinprinzessin Ellen.

Sie nutzten allerdings unseren Holzfasskeller als Kulisse für
ihr Bild.

Tropenhitze, Juli 2006

Schön anzusehen, der gut gekühlte
Wein, in dem sich unser Fachwerkhaus spiegelt.

Allerdings muss der Winzer oft um den Rebstock gehen und so manche
Wetterrisiken ertragen, bevor es soweit ist, dass man den Riesling
genießen kann.

Anfang Juli hatten die Reben noch
genügend Wasser im Boden, so dass das Rebwachstum bei den extrem
hohen Temperaturen noch ungebremst fortschreiten konnte.

Gegen Monatsmitte ging unseren
jüngeren Weinbergen das Wasser aus, da die jungen Reben noch
nicht so tiefreichende Wurzeln haben. Die Beeren blieben durch den
Wassermangel klein und der Ertrag wird wohl geringer ausfallen.

Im Gegensatz dazu die alten Weinberge: Tiefe Wurzeln fanden auch im
überaus heißen und sehr trockenen Juli noch im Untergrund
genügend Wasser. Die Beeren sind voll entwickelt und lassen auf
gute Erträge und Qualitäten hoffen.

Wärme ist nicht alles was die Rebe braucht. Ausreichende Feuchtigkeit
ist auch für Quantität und Qualität wichtig.

Nun hoffen wir, dass die folgenden
Wochen ausreichend Niederschläge bringen, damit die Trauben gut
reifen können und nicht durch Wassermangel Qualitätseinbußen
entstehen.

Unsere Neuanlage in der Reiler Goldlay zeigte sich vom Wassermangel
wenig beeindruckt. So gut ist bisher noch keine Junganlage gewachsen.

„Man sind die dick man“ Juni 2006

Explosionsartiges Wachstum im Juni brachte
uns ganz schön ins Schwitzen.

Jetzt, Ende Juni, sind die jungen Beeren schon fast erbsendick und
haben einen Vegetationsvorsprung von ca. 10 Tagen.

Die Natur diktiert uns nun die Arbeitsgeschwindigkeit.
Die jungen Rebtriebe müssen in den Drahtrahmen eingeschlauft
werden, Begrünungen gemäht und viele andere Arbeiten müssen
zusätzlich gemacht werden.

Die Tage sind verplant und unvorhergesehene Ereignisse, bringen uns
zum rotieren. Ein kleiner Maschinenschaden an einem unserer Kettenschlepper.
Mit dem Stapler abladen, auf die Palette und mit dem LKW in die Werkstatt,
um dann festzustellen, dass die Batterie nicht richtig geladen war
und der Anlasser deswegen die Klackergeräusche von sich gegeben
hat.

Ärgerlich!

Das macht Spaß! Auf der Terrasse gut essen und gut trinken.
Bei den lauen Sommerabenden am besten ein gut gekühlter Riesling!

Damit auch Sie unseren Riesling gut gekühlt auf der Terrasse
trinken können, erledigen wir Ihre Bestellungen umgehend.

So warten dann morgens die gepackten Weinpakete auf die netten Männer
vom DHL, die den Wein auf dem schnellsten Weg zu Ihnen bringen, damit
sie ihn dann zwei Tage später trinken können.

Da Stillstand auch Rückschritt bedeutet, werden regelmäßig
Weiterbildungsveranstaltungen besucht. Dieses mal war unser Ökoberater
Jürgen Wagenitz bei uns im Weingut zu Besuch und referierte über
das Thema „Fäulnisvermeidung durch biotechnische Maßnahmen“
und über „Qualitätssteigerung durch Ertragsreduktion“.

Viele Kollegen, die wir dazu
eingeladen hatten, nahmen wertvolle Information mit nach Hause. Sehr
gefreut hat es uns, das auch einige konventionell arbeitende Winzer
mit dabei waren.

Zu Gast im Doctor Keller, Mai 2006

Der wohl berühmteste Weinberg Europas: Der Bernkasteler Doctor.

Ziel einer Wanderung mit Freunden. Wobei der Weinberg weniger das Interesse fand, sondern der direkt darunter in den Fels gehauene Weinkeller und die dort stattfindende Weinprobe.

Das mit Kupferblech beschlagene, mit Treibarbeiten versehene Eingangsportal zum Doktorkeller des Weingutes Dr. H. Thanisch.

Herr Bauer, der Gutsdirektor dieses renommierten Weingutes, erläuterte uns anhand der Treibarbeiten auf der Türe die Geschichte des Bernkasteler Doktors.

Nachdem man den Eingangsstollen passiert hat, steht man im Vorraum zu den 350 Jahre alten Weinkellern. Durch massive Schmiedeeiserne Gittertore sind die dahinter liegenden Schätze, Holzfasskeller und Schatzkammer, geschützt. Nach der anstrengenden Wanderung schmecken die frischen Rieslingweine in der kühlen feuchten Kelleratmosphäre erfrischend und aufmunternd.

Natürlich durften wir auch die Schatzkammer sehen. Probieren durften wir leider nichts von den dort lagernden Schätzen, wie z. B. von der legendären Riesling Trockenbeerenauslese aus dem Jahrhundertjahrgang 1921, die vor einigen Jahren auf einer Versteigerung 13.000 DM für eine Flasche erzielte.

Herr Bauer erzählte nur von den hier liegenden Weinschätzen und uns lief das Wasser in Munde zusammen….

Frühlingsgefühle, April 2006

Die Landschaft wird grün und die Bäume blühen. Die
Blüte des Weinbergspfirsichs ist leider nur von kurzer Dauer.
Man könnte sich eigentlich den ganzen Sommer lang an ihr freuen.

Die Familie hatte auch etwas Zeit zum Ausspannen. Während eines
Kurzurlaubes am Ärmelkanal wurde reichlich geschlemmt.

Ein frischer Moselriesling zu Austern: Sehr empfehlenswert!

Durch den Urlaub gestärkt, wurde in der Reiler Goldlay ein Weinberg
neu angepflanzt. Nachdem der Boden für die Pflanzung vorbereitet,
die Rebzeilen festgelegt und die Pflanzstäbchen in den Boden
gesteckt wurden, werden mit einem motorgetriebenen Erdbohrer die Pflanzlöcher
gebohrt. Muskeltraining, besser als im Fitnessstudio und umsonst dazu.

Die vorbereiteten Jungpflanzen werden
per Hand gepflanzt, in der Hoffnung, das sie gut anwachsen und nach
ca. 4 Jahren den ersten Ertrag bringen.

Geschafft, März 2006

Geschafft! Die Winterarbeit ist weitgehend
getätigt. Der Rebschnitt und das Anbinden der Fruchtruten ist
erledigt. Das erste Zeichen der kommenden Vegetationsperiode: Die
Reben fangen an zu „bluten“, klarer Saft tritt an den
Schnittwunden aus und tropft auf die Erde.

Der lange Winter in diesem Jahr bescherte
uns sogar Anfang März noch viel an Schnee. Ungewohnte 15 cm fielen
innerhalb einiger Stunden: Eine in unserem schneearmen Weinbaugebiet
enorme Schneehöhe, die zum Schlittenfahren einlud.

Jetzt freuen wir uns allerdings darauf, dass der Frühling sich
ankündigt und die Landschaft grün wird.

Nun ist wieder Zeit für andere Dinge, die die letzten Wochen
liegen geblieben sind.

z. B. Das Anschrauben unserer neuen Weinbergsschilder.

Ein Blick in unsere Werkstatt.

Dort werden unsere Kellerei- und Weinbaumaschinen gewartet und repariert.

Einige Anbaugeräte für unseren Kettenschlepper habe ich
selbst gebaut. Sogenannter „experimenteller Maschinenbau“.
Wenn die Maschine das erste mal im Einsatz war und die Schweißnähte
gehalten haben und das vom Schrottplatz erhaltene Eisen stark genug
war, dann war es eine gute Konstruktion.

Strukturwandel, Februar 2006

Im Briedeler Nonnengarten vor 70 Jahren:
Romantische Pfade führen durch die Weinberge. Die Weinberge sind
nur per Fuß zu erreichen. Maschinen gab es nicht. Die Weinbergsarbeit
wird ausschließlich per Hand gemacht. Es gab Kühe, die
Transportaufgaben erledigten, soweit Wege vorhanden waren.

Die Flurbereinigung in den 70er, mit Wegebau und Zusammenlegung kleiner
Weinberge zu großen Weinbergen, veränderte die Landschaft.

Mittlerweile verändert sich die Landschaft wieder: Durch den anhaltenden
Strukturwandel, werden immer mehr Flächen, insbesondere in den
qualitativ wertvollen Steillagen, aufgegeben.

Im obigen Bild sind die aufgegebenen
Flächen dunkler eingefärbt.

Auch wir sind davon betroffen! Durch die zunehmende Anzahl nicht bewirtschafteter
Weinberge, sogenannte Drieschen, wird unsere Arbeit im Nonnengarten
erschwert. Wildschweine, die bei uns eine Landplage sind, traubenfressende
Vögel und Pilzkrankheiten (Schwarzfäule, Roter Brenner) machen
uns dort das Leben schwer. Daher werden wir diese Lage aufgeben und
uns auf die Weinberge in Reil und Burg konzentrieren.

Obige Anzeige spricht Bände. Als
ich vor 25 Jahren mit dem Weinbau anfing, wurden für gute Lagen
bis zu 100,- DM pro qm bezahlt. Und jetzt bekommt man Weinberge schon
geschenkt.

Von über 12 000 ha Rebfläche
an der Mosel sind bis heute nur noch 9 000 ha übrig geblieben und
der Flächenrückgang geht weiter.

Die Sache mit dem Plopp, Januar 2006


Schöne Geräte, diese alten Korkenzieher, wichtig für das „Öffnungsritual“ beim Weintrinken. Doch bald nutzlos? Kein ploppen mehr beim Öffnen von Weinflaschen?

Der Naturkork, seit über 300 Jahren zum Verschließen von Weinflaschen verwendet. Ist er vielleicht vom Aussterben bedroht?

Der Grund ist der Korkgeschmack: Die Ursache ist der Kork. Es fängt mit Unsauberkeit in der Produktion an, also schon Befall des Rohmaterials im Ursprungsland durch Schimmelbildung auf der Korkrinde, gefolgt von einer Vielzahl von komplizierten und noch nicht gänzlich erforschten Vorgängen. Am Ende steht das von Mikroorganismen gebildete TCA (Trichloranisol), welches extrem geruchsstark ist. Ein Fingerhut voll davon in den Bodensee und das Schwäbische Meer hat Korkgeschmack! Doch welche Alternativen gibt es?


Die einfachste Lösung wäre es, das ganze aus „Plastik“ zu machen. Hier ein schönes Modell in giftgrün. Doch weit gefehlt, so einfach ist das nicht. Dieser Korkersatz erfordert mehr Arbeit. Er muss z.B. vorher temperiert werden, damit er sich besser zusammenpressen und in die Flasche schieben lässt. Diese Alternative kommt dem Wein nicht unbedingt zugute, da dieser Verschluss viel Sauerstoff durchlässt und so die damit verschlossenen Weine viel zu schnell altern. Von den Weichmachern im Kunststoff ganz zu schweigen. Und so viel Plastik? Das ist überhaupt nicht ökologisch!

Der gute alte Schraubverschluss! In dieser einfachen oder in einer edleren längeren Form eine sicherlich gute Verschlusstechnik für Wein. Allerdings müssten wir unsere Maschinen für viel Geld umrüsten und dieser Verschluss ist wie auch der Kunststoffkork nicht recyclingfähig. Das Gleiche gilt für den hier nicht abgebildeten Kronkork, dem zudem noch das Bierimage anhaftet.


Ein sehr guter Verschluss: Der Glasstopfen. Jedoch sehr teuer und von einer Aluminiumkapsel auf der Flasche festgehalten, die nicht unbedingt ökologisch zu verantworten ist.


Das Original! Unser guter alter Naturkork: Ein natürliches Material, recycelbar zu Dämmstoff, Korkfußboden und vielen anderen Dingen, leicht zu verarbeiten und kann dem Angriff feuchter Kellerluft besser widerstehen als die Alternativen aus Aluminium.

Was ist jedoch mit dem Korkgeschmack? In der Weinszene geistern Zahlen, die von bis zu 10% Korkgeschmäckern und mehr berichten. Wir sind von diesen Zahlen weit entfernt. Unser Korklieferant hat im Ursprungsland Portugal bei den dortigen Lieferanten bereits Qualitätssicherungssysteme aufgebaut, damit keine mikrobiologischen Verunreinigungen stattfinden können. Durch umfangreiche Eingangs- und Prozesskontrollen, insbesondere durch eine Analyse mittels „GasChromatograph/MassenSpektrometer“ werden die Korken sortiert. Wir verwenden die Korksortierung, die fast kein Risiko eines Korkgeschmackes mehr hat. Auszuschließen ist er natürlich nicht, aber er ist selten geworden. So werden wir vorerst beim Original, dem ökologisch korrekten Naturkorken bleiben.

Winter an der Mosel, Dezember 2005

Der Schnee hat die Landschaft in ein
bezauberndes weiß gehüllt. Die Arbeiten im Weinberg ruhen,
bis der Schnee wieder geschmolzen ist.

An kalten Wintertagen freut man sich,
neben der warmen Destille beim Schnapsbrenner zu sitzen und zuzuschauen,
wenn der eigene Tresterbrand destilliert wird.

Winterzeit, zum Teil auch Ruhezeit
für den Winzer. Zeit haben um in der Umgebung zu wandern und
sich die alten Bildstöcke in der Reiler Gemarkung anzusehen.

„Da stand – Tschingbumm!
– ein riesiges Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten: ein Faustschlag
aus Stein. Zunächst blieb einem der Atem weg.

Sah man näher hin, so entdeckte man, daß es ein herrliches,
ein wilhelminisches, ein künstlerisches Kunstwerk war. Das
Ding sah aus wie ein gigantischer Tortenaufsatz…“

Kurt Tucholsky, 1929

Aus der Ferne und bei Nacht betrachtet,
sieht es schon nicht mehr so mächtig und riesig aus: Das Deutsche
Eck in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, mit dem
Kaiser-Wilhem Denkmal.

Der Winter naht, November 2005

Die graue Jahreszeit beginnt. Doch der
Winzer freut sich. Neben den jetzt schon beginnenden Winterarbeiten,
zum Beispiel der Rebschnitt, wird der neue Jahrgang in Keller beobachtet,
probiert und gepflegt. Und da er gut ist, macht es Spaß, ab und
zu am Fass zu probieren.

Der junge Wein hat die Gärung hinter
sich. Die Weine sind noch hefetrüb, lassen sich aber schon sehr
gut probieren. Die „Mutter“ des Weines, die Hefe, gibt noch
einige Geschmacksstoffe an den Wein ab. Der Wein wird von der Hefe getrennt,
wenn sich die Hefe am Fassboden abgesetzt hat.

Eines unserer älteren Fässer:

Wie Sie aus dem eingebrannten Eichstempel ersehen können, wurde
dieses Fass 1951 mit 1033 l Inhalt geeicht. Die meisten alten Fässer
an der Mosel stammen aus den Nachkriegsjahren. Durch die zwangsweise
Bewirtschaftung von Wein nach dem 2. Weltkrieg, wurde Wein und Fass
an den Sieger ausgeliefert. Wenn man daher ein älteres Fass noch
findet, dann hatte das wohl in einem der Obrigkeit verschwiegenen Keller
gelagert….

Auch der Eigentümer des Fasses ist
eingebrannt: Wilhelm Steffens, sen. Das Weinfass wird in der dritten
Generation immer noch genutzt: Dauerhaftigkeit, überraschend in
unserer Wegwerfgesellschaft.

Aus den Jahr 2005 liegt nun eine der besten
Riesling-Spätlesen in diesem Fass und reift vor sich hin: Das Fuder
Nr. 0520.

Das Mosel-Fuder, eine traditionelle Bezeichnung
für das typische Moselfass: Rund, damit man es auch in gefülltem
Zustand noch rollen konnte und mit 1000l Inhalt.