Weinernte 2018: Kurz vor Perfekt

Die Trauben sind kurz vor Perfekt. Einige Tage noch und die ersten Rieslingtrauben werden geerntet. Sie sind schon sehr aromatisch. Der Beereninhalt ist schon gut verflüssigt und die Kerne werden braun: Anzeichen für vollreife Trauben.

Die Nächte sind mittlerweile kühl geworden und werden die Aromabildung fördern. Was mich am meisten freut, ist der überaus gesunde Zustand. Kein bisschen Fäulnis ist zu sehen. Das wird den Aufwand für die selektive Lese stark verringern.

Wir sehen der kommenden Weinernte freudig entgegen. Top gesunde Trauben mit einer sehr hohen Qualität und vor allen Dingen gibt es reichlich davon.

Weinernte 2018: Erntevorbereitungen

Die Erntevorbereitungen sind im Weingut fast beendet. Die Fässer, Tanks und der Kleckerkram sind generalgereinigt und warten auf die kommende Ernte. Nur noch die Holzfässer müssen mit einem Pflegeöl eingerieben und auf dem Fasslager ausgerichtet werden.

Bevor das über den Sommer konservierende Wasser in den Fässern abgelassen wurde, durfte der Azubi nochmals den Anstich bei unserem typischen Moselfuderfass üben. Den Zapfen am Fass mit dem Hammer lösen, diesen ganz schnell herausziehen und ebenso schnell den Hahn mit dem Anstichkonus in das Zapfenloch stoßen. Eigentlich ganz einfach. Die Kunst ist es nur, so wenig Flüssigkeit wie möglich daneben laufen zu lassen.

Da Azubi aber an jedem Fass üben konnte, kann er es jetzt und darf muss dann an mit Riesling gefüllten Fässer den Anstich durchführen.

Jetzt fehlt nur noch die Betriebsbereitschaft der Weinpresse. Vor zwei Wochen wurde das Presstuch nach 11 Jahren Einsatz erneuert und die Presse durchgecheckt. Bei Inbetriebnahme stellten wir fest, dass eine Sicherung geschmolzen war. Kein Problem, Steckdose gewechselt und die Presse lief.

Gestern sollte sie gereinigt werden. Beim Einschalten funktionierte nichts, aber auch rein gar nichts. Der abends herbeigerufene Elektriker diagnostizierte eine defekte Sicherung innerhalb der Maschine. Sicherung erneuert und die Maschine hatte Strom. Weiter überprüften wir diese nicht. Heute der erneute Versuch der Reinigung. Wieder ein Problem! Das Luftablassventil reagierte nicht. Nach kurzer Zeit war der Elektriker da und die Suche begann. Da das Ventil nachträglich eingebaut worden war, gab es keine Schaltpläne von diesem und die Diagnose dauerte etwas länger. Nach geraumer Zeit stellten wir fest, dass an der Steuerelektronik des Stellventiles ein Kurzschluss entstanden war. Jetzt hatten wir die Erklärung für die beiden kaputten Sicherungen. Ein komplett neues Luftventil (elektronikfrei!) ist bestellt und wird nächste Woche eingebaut.

Ich hoffe, das war es für diese Saison. Vor etlichen Jahren gab es schon einmal massiv Probleme. Nach und nach versagten etliche Komponenten der Weinpresse und fast täglich waren die Monteure bei uns im Weingut. Hier nachzulesen: Murphys Gesetz „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

abgeräumt

Foto: ECOVIN

Beim Weinwettbewerb EcoWinner unseres Ökoverbandes ECOVIN, haben wir gleich dreimal abgeräumt:

Die beiden Spätlesen aus der Reiler Goldlay und dem Burger Hahnenschrittchen, sowie die Auslese aus der Reiler Goldlay haben den Sprung aufs Siegertreppchen geschafft.

Abweichend von anderen Weinwettbewerben wurden die besten Weine ohne Punktenennung in einer Siegergruppe zusammengefasst.

Wie Sie als Leser meines Blogs wissen, halte ich sehr wenig von Weinwettbewerben mit Punktevergaben und Bestenlisten, da dort vieles dem Zufall überlassen ist und Weine sich nicht in ein starres Punktssystem pressen lassen. Daher freue ich mich über diese Art der Bewertung, so ganz ohne Punkte und Rankinglisten, da Wein ein viel zu emotionales Produkt ist und Qualität nicht durch Punkte erfassbar ist.

 “Da es aber dem eigenen Ego sehr gut tut, nehme ich trotzdem an einigen Weinwettbewerben teil und es schmeichelt, wenn mal wieder eine Urkunde oder eine lobende Erwähnung in Haus flattert…”

schrieb ich einmal hier im Blog. Für den langfristigen Reputationsaufbau sind, trotz oben aufgeführter Kritik, diese Weinwettbewerbe sehr gut geeignet.

Die gesamte Siegerliste gibt es hier.

Eine Winzerreise, Teil 2: Kollegenbesuch

Schon auf der Hinreise zur Weinpräsentation in Gradara machte ich Station in Südtirol bei Armin Kobler in Margreid. Es sollte nur ein sehr kurzer Besuch sein, sozusagen nur Guten Tag sagen. Es wurde natürlich viel länger. Es gab viel zu erzählen. Sie wissen schon, Weinbau, Weinkeller, Wetter, die kommende Ernte und viele andere Sachen, über die Winzer miteinander sprechen.

Faszinierend – immer wieder – der moderne unterirdische Weinkellerneubau von Armin, ein architektonisches Schmuckstück. Hier können Sie mehr über diesen lesen.

Da ich zu Hause abkömmlich war, besuchte ich nach der leider ausgefallenen Weinpräsentation einige Kollegen von Terroirmarche, die im Juni bei uns an der Mosel zu Gast waren. Von Giorgio Santini wurde ich fürstlich in seinem Restaurant La Baita empfangen. Wein probieren und Essen bis zum Abwinken. Dazu ein herrlicher Weitblick von dem hoch gelegenen Restaurant über die Hügel der Marken.

Das zum Restaurant gehörende kleine Weingut Broccanera wurde erst vor einigen Jahren aus dem Boden „gestampft“. Sozusagen alles Neu und mit bester Technik ausgestattet.

Kurz nur der Besuch bei Col di Corte. Dort war man mitten in den Erntevorbereitungen. Claudio hatte aber Zeit für eine Kellerbesichtigung und natürlich auch für eine Weinprobe. Interessant der Vino Rosato Frizzante, der nach der Méthode ancestrale zu Sekt verarbeitet wird.

Spannend der Besuch bei Paola und Paolo im Weingut Fiorano. Da in Italien auf jedem Hügelchen ein Dörflein, eine Burg/Schloß, eine Kirche oder ein Weingut thront und dieses meistens seine Weinberge rund ums Haus hat, schickte mich Paola, die mich empfangen hatte, per Fingerzeig zu einem Weinberg unterhalb des Weingutes, in dem Paolo Traubenproben für die analytische Reifemessung erntete. Ich gesellte mich dazu und probierte die Trauben, um auf deren Reifezustand zu schließen. Sozusagen als Ergänzung zur Probenentnahme für die Analyse. Danach schauten wir uns einige andere Weinberge an, bevor wir zur Weinkellerbesichtigung gingen.

Sie wissen schon, wenn Winzer sich treffen, wie bei Armin Kobler: Weinbau, Weinkeller, Wetter, die kommende Ernte und viele andere Sachen, über die Winzer miteinander sprechen.

Als krönenden Abschluß besuchten wir einen Palazzo in Cossignano mit einem historischem Gewölbekeller, in dem heute Vino Cotto, eine regionale Weinspezialität, produziert wird.

Zwei weitere Weingüter standen noch auf meinem Programm. La Valle Del Sole und Vallorani. Leider ohne Bilder, aber mit guten Erinnerungen an die Weine, insbesondere die Weißweine von Pecorino und Verdicchio.

Einen grandiosen Ausblick hatte man von beiden Weingütern auf den Apennin mit seinem höchsten Berg, dem Gran Sasso.

Bei allen besuchten Weingütern war bemerkenswert, wie entspannt die Kollegen die Weinernte meistern. Durch das Rebsortenspektrum kann die Erntezeit durch die verschiedenen Reifezeitpunkte sehr auseinandergezogen werden. Es war des Öfteren von einer Erntezeit von ca. sechs Wochen die Rede.  Natürlich nicht am Stück. Eine Rebsorte ernten, dann etwas Pause bis die Nächste reif ist usw. Bei uns leider nicht möglich, da wir uns auf den Riesling beschränkt haben, der zudem noch etwas fäulnisempfindlich ist.

Neidisch bin ich auf die Traubengröße bei einigen Rebsorten, die dort angepflanzt werden. Rasend schnell zu ernten bei geringem Personalaufwand. Ich schrieb schon letzte Woche über die Riesentrauben der Sorte Passerina.

An dieser Stelle vielen Dank für die Gastfreundschaft an die Kollegen

Teil 1 finden Sie hier: Eine Winzerreise, Teil 1: Die Weinpräsentation

Eine Winzerreise, Teil 1: Die Weinpräsentation

Zum zweiten mal bin ich auf Einladung von Luca, einem ital. Sommelier, zum „wine tasting & street food festival“ nach Gradara eingeladen worden. In dem kleinen, wunderschönen Dorf mit seiner mittelalterlichen Festung  waren wir Winzer über das ganze Dorf verteilt und präsentierten unsere Weine. Dazu gab es Leckereien der besseren Art von der örtlichen Gastronomie und für die Stimmung sorgte eine sehr gute Jazzband.

Wie auch vom letzten Jahr gewohnt, stürmten die Besucher abends zu hunderten in das kleine Dörfchen. Freitags war das Interesse an unserem Riesling riesengroß und ich fürchtete schon, dass meine mitgebrachten Flaschen schon vorzeitig geleert sein würden.

Leider kam es ganz anders.

Ein aufkommender Gewittersturm am Samstag führte zum Abbruch des Festivals, am Sonntagabend – gut für Winzer und Landwirte, nicht gut für die Veranstaltung – regnete es in Strömen und wieder nix mit „wine tasting & street food festival“.

Zu später Stunde dann, als der Regen aufhörte, im kleinen Kreis ein „mini wine tasting & street food festival“ mit den verbliebenen Winzern und den Veranstaltern. Das angrenzende Lokal lieferte ital. Spezialitäten und wir Winzer hatten ja genügend Wein „übrig“. Direkt angrenzend, man durfte gerne zuschauen, wurde frische Pasta hergestellt. Sehr appetitanregend!

Weinernte 2018: Nächste Woche

Nächste Woche meinte mein Kollege Alessandro vom Weingut La Valle Del Sole, Offida,  Italien, als wir soeben seine Weinberge besichtigt haben: Erntebeginn bei den weißen Rebsorten. Ganz gemütlich und entspannt.

Nicht diese „Panikstimmung“ wie in Deutschland, wo sich alle gegenseitig verrückt machen,  die Journaillie entsprechende Verlautbarungen über eine sehr frühe Ernte verbreitet und ich von Kunden schon gefragt werde, ob die Trauben schon geerntet sind usw. Vom prognostizierten Jahrhundertjahrgang einmal abgesehen.

Im Vorfeld meiner Italienreise – ich werde noch darüber berichten – hatte ich mich schon darauf gefreut, einmal dort zu ernten. Geplant war schon vor längerer Zeit die Mithilfe bei Armin Kobler in Südtirol. Jetzt die Hoffnung,  dass einer meiner Kollegen in den Marken schon am Traubenpflücken ist.  Aber leider Pustekuchen. Ich hätte gerne einmal solch riesengroße Trauben geerntet, die im Gegensatz zu unseren viel kleineren Rieslingtrauben den Ernteanhänger rasant schnell füllen.

Weinernte 2018: Terminierung

Die Terminierung der diesjährigen Weinernte ist etwas komplizierter als in den letzten Jahren. Bedingt durch die Trockenheit gibt es sehr starke Reifeunterschiede bei den Rieslingtrauben. Dort wo „noch“ genügend Wasser zur Verfügung steht, schreitet die Reife fort. Wo Knappheit herrscht, stockt die Reifeentwicklung.

Das Problem ist nur, dass diese unterschiedlichen Reifestadien sogar innerhalb eines Weinberges vorhanden sind. Hatten wir so ähnlich schon einmal vor zwei Jahren.

Die Trauben sind sehr gesund und lockerbeerig. Ich gehe davon aus, dass, falls es wieder regnet, keine Fäulnisgefahr durch sich gegenseitig abquetschende Beeren besteht. Der Boden kann bei evtl. übergroßen Niederschlägen einiges an Wasser aufnehmen, bevor ein Wasserüberschuss zum Aufplatzen der Beerenhäute mit nachfolgender Fäulnis beiträgt, wie wir es schon vor einigen Jahren hatten.

Die letzten Wochen vor der Weinlese werden spannend.

Der Erntebeginn ist für die letzte Septemberwoche geplant. Die Erntemannschaft ist informiert, der Weinkeller ist bis dahin auch generalgereinigt.

Wir nehmen alles und das ist in der Summe durchaus viel

Wir nehmen alles und das ist in der Summe durchaus viel. Sei es ein kräftiger Niederschlag oder das orkanartige Gewitter letzter Woche, das für einen ordentlichen Wellengang auf der Mosel sorgte, oder

der gestrige Landregen, der in zwei Regenphasen zur Erde fiel.

In der Summe war es viel. Binnen einer Woche ca. 35 Liter Regen je qm. Wir sind jetzt etwas entspannter. Richtig feucht ist es zwar nicht im Boden, aber mit dem jetzt kühleren Wetter dürfte der Regen für einige Zeit reichen.

Foto: Markus Boor

Eine Moselschleife, nein, ein halbe Moselschleife weiter, sieht es ganz anders aus. Die Niederschläge der vergangenen Wochen waren sehr unterschiedlich verteilt. Viel bei uns in Reil, bei anderen viel weniger. Im Extremfall haben die Reben durch die Trockenheit fast das ganze Laub verloren. Die Trauben sind dann auch nicht verwertbar.

Wein am Fluss

Wein am Fluss trinken und die Weinberge auf der anderen Moselseite betrachten. Bei heißem Wetter kann man sich zusätzlich in der Mosel abkühlen. Am kommenden Wochenende machen wir Reiler Winzer es Ihnen noch einfacher mit dem Wein am Fluss trinken.

Foto: Gemeinde Reil Archiv 08/2017

Weinfestzeit in Reil! Direkt an der Mosel unterhalb unseres Weingutes, findet jetzt am Wochenende das Reiler Weinfest statt. Morgen, am Freitag, wird mit einer Weinpräsentation gestartet, danach natürlich Wein, Weib und Gesang.

An allen Tagen gibt es ein reichhaltiges Kulturprogramm mit moderner, fetziger Musik.  Der Weinstand ist gut bestückt und die Festgastronomie hält auch einige Überraschungen bereit.

 

Erstens: Jahrhundertjahrgang, zweitens: nicht so einfach, drittens: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben

Foto: Archiv August 2003

Erstens:

Ich rufe hiermit den Jahrhundertjahrgang aus! In den Medien wird ja überall schon davon geredet, dass der 2018er ein sehr gutes Jahr, ein Jahrhundertjahrgang, wird. Ich will auch mitreden.

Foto: Archiv August 2003

Zweitens:

Es wird vergessen, dass die Rieslingrebe, wie andere landwirtschaftliche Kulturen auch, Wasser braucht, um optimale Qualitäten zu bringen. Die Rebe wurzelt zwar tief und übersteht Trockenheit besser, aber irgendwann ist auch das Wasser im Boden zu Ende.

Vergleiche zum sogenannten Jahrtausendjahrgang 2003 werden gezogen, der schon ab Mai 2003 in der Presse so betitelt wurde.  In der Realität sah es etwas anders aus. Anfang August sah man je nach Gemarkung schon massivste Trockenschäden bis hin zum verdorren der Rieslingreben (siehe obige Bilder aus meiner Anfangsphase des digitalen Fotografierens).

Notreife mit niedrigen Zuckergehalten in den Beeren, Bitternoten und Qualitätsprobleme beim Wein waren stellenweise die Folge. Nur dort wo die Reben im Untergrund noch genug Wasser fanden, gab es gute Qualitäten.

Damals hatten wir zu unserem Glück Anfang August ein sehr lokal begrenztes Gewitter mit 40 l Regen, das uns den „Arsch“ rettete.

Drittens:

Durch die „kleine Erfrischung“ vor zwei Wochen sieht es in unseren Weinbergen noch sehr gut aus, aber Regen wird dringend benötigt, wenn es ein Jahrhundertjahrgang werden soll.

Wir Winzer werden erst nach Weinernte und Vergärung wissen, wie gut oder schlecht der 2018er wird. Wie immer: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!