Herbststimmung

Seit einigen Tagen sind die Temperaturen auf Talfahrt und die ersten Vorboten des kommenden Herbstes sind in Form von Nebel  über dem Moseltal sichtbar.

Die Rieslingtrauben sind am reifen. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten und warmen Tagen ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, um sein volles  Aromenspektrum zu bilden.

In den nächsten Tagen fange ich gemütlich mit der Generalreinigung des Weinkellers und der Kellereimaschinen an. Alles durchsehen, Funktionskontrolle der Maschinen, Lesescheren nachzählen und überprüfen, Verbauchsmaterialien in genügender Menge bevorraten und so weiter und so fort. Die Checkliste habe ich schon im Kopf erstellt.

Die Erntemannschaft ist auch schon komplett, der Erntetermin festgelegt und wie jedes Jahr: Man freut sich auf die Früchte der Arbeit der vergangenen Monate. Noch ist man entspannt und gönnt sich die ruhigeren Arbeitstage und weiß genau, dass die Spannung zunimmt und der Erntestress bald beginnt.

Tigerstreifenmuster

Das Tigerstreifenmuster lässt erkennen, das diese Rebe von der Viruskrankheit Esca befallen ist. Ich berichtete hier über diese Erkrankung und die beim Rebschnitt zu ergreifenden Maßnahmen, um den Weinstock wieder vital zu bekommen.

Durch die bis Ende Juli herrschende Trockenheit traten diese Blattverfärbungen früher auf als in vergangenen Jahren. Die betroffenen Reben sind von mir gekennzeichnet worden, damit sie beim Rebschnitt gefunden werden und bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten werden können. Die Kennzeichnung ist auch wichtig für die Erntehelfer, damit diese die minderwertigen Trauben der kranken Weinstöcke nicht ernten.

In der Stadt von Francesca und Paolo

Zum dritten Mal war ich auf Einladung von Luca, einem ital. Sommelier, zum „wine tasting & street food festival“ nach Gradara in Italien eingeladen worden. In dem kleinen, wunderschönen Dorf mit seiner mittelalterlichen Festung  waren zwanzig Winzer über das ganze Dorf verteilt und präsentierten ihre Weine. Dazu gab es Leckereien von der örtlichen Gastronomie und für die Stimmung sorgte eine gute Band. Wie von den letzten Jahren gewohnt, strömten die Besucher abends zu hunderten in das kleine Dörfchen.

Am Stadttor gab es für die Besucher die beiden Tastingpakete Francesca und Paolo zu kaufen. Jeweils ein Weinglas nebst 4 oder 6 Verkostungsbons. Diese konnten bei den einzelnen Winzern eingelöst werden. Freitag und Sonntag waren gut besucht. Der absolute Höhepunkt war der Samstag. Mehr als Tausend Tastingpakete wurden verkauft! Das Städtchen war mit Menschenmassen gefüllt und abendlich wurden die Weingläser knapp. Ich hatte regen Besuch an meinen Weinstand und kam teilweise nicht nach, Rieslingproben auszuschenken, die beim ital. Publikum sehr gut ankamen.

Übrigens, Paolo und Francesca: Berühmt wurden Sie durch den Dichter Dante, der darüber schrieb. Die Geschichte/Legende soll sich im Schloss von Gradara abgespielt haben.

Der Staatsraison geschuldet, musste Fran­ces­ca da Po­len­ta , die Tochter des Stadt­herrn von Ravenna,  Gianciotto Malatesta, Sohn von Malatesta da Ver­rucchio, Herr­scher von Rimini heiraten. Dieser soll jedoch krumm, bucklig und zudem hässlich gewesen sein. Also – war abzusehen – verliebte sich Francesca in dessen hübschen Bruder Paolo. Das Liebesverhältnis zwischen Francesca und Paolo wurde verraten, Gianciotto überraschte das Liebespaar und erstach beide voller Ei­fer­sucht und Zorn.

Soweit meine Kurzform. Wen es interessiert, der kann hier oder hier mehr über dieses Liebesdrama lesen.

Als wäre nichts gewesen

Als wäre nichts gewesen präsentieren sich die Begrünungen in den Weinbergen. Keinerlei Spuren sind von der extremen Trockenheit zu sehen, die bis vor zweieinhalb Wochen in den Weinbergen zu verdorrten Begrünungen und anderen Problemen geführt hat.

Die Spuren der Trockenheit sieht man den Reben, bzw. den Trauben an. An Stellen, an denen die Reben nicht genügend Wasser aus dem Boden ziehen konnten, sind die Trauben klein geblieben. Im Extremfall wurden sie von uns abgeschnitten, damit diese Rebstöcke entlastet und überleben konnten. Größere Sorgen bereiten die Verluste durch Sonnenbrand, die etwas hoch sind. Es wird sicherlich bestimmt eine unterdurchschnittliche Erntemenge.

Gut, dass die für die Reben ausreichenden Niederschläge zur rechten Zeit kamen. Die Beeren und Trauben können noch etwas wachsen. Es ist genügend Wasser da, damit in der kommenden Reifephase Zucker und Geschmacksstoffe optimal gebildet und in den Trauben eingelagert werden können.

Sonnenbrand

Die letzten drei Tage hatten es in sich. Neue Temperaturrekorde in Deutschland und sehr hohe UV Strahlungswerte, die auch für die Winzer Auswirkungen haben. Auf der Sonnenseite der Rebzeilen gibt es durch die Hitzewelle hohe Schäden durch den Sonnenbrand. Ganze Trauben sind am verwelken.

Die Kühlung der Beerenoberfläche durch Verdunstung ist bei den hohen Temperaturen zusammen gebrochen. Die Reben konnten aus dem trockenen Boden nicht genügend Wasser nach oben pumpen, so das die Beerentemperatur zu hoch wurde und diese regelrecht verkochten und mittlerweile am eintrocknen sind.

In den letzten Jahren waren wir vor diesen Schäden weitestgehend verschont geblieben, da wir entsprechende kulturtechnische Maßnahmen wie z. B. das Entblättern der Traubenzone durchführen.

Für die es gerne wissenschaftlicher haben möchten, ein Zitat von Dr. Edgar Müller (Weinbauberatung) zu diesem Thema:

„Die trockene Luft „saugt“ regelrecht das Wasser aus der Pflanze. Diese schließt zwar die Spaltöffnungen um die stomatäre Verdunstung zu minimieren, aber die cutikuläre Verdunstung (auf Beeren jetzt ohnehin dominierend) geht weiter. Wir können nach der Hitzewelle Ende Juni zwar von einer gewissen „Abhärtung“ im Sinne von dickerer Kutikula ausgehen, aber die wachsartige Substanz ändert bei extremen Temperaturen ihre Konsistenz und wird durchlässiger. Das Problem ist dann, dass die Saugspannung im Leitbahnsystem extreme Werte erreicht. Es kommt zu Kavitationseffekten und dem Abreißen von Wasserfäden. Damit kollabiert dann auch die Wasserkühlung und die Beerentemperaturen schießen nach oben. Es bilden sich Sauerstoffradikale, die zu einer Schädigung von Eiweißstrukturen beitragen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass die Wasseraufnahme aus dem Boden aus dem Boden aus verständlichen Gründen erschwert ist und nur noch mit hoher Saugspannung erfolgen kann. Die UV-Strahlung spielt zusätzlich eine Rolle.“

Das nebenbei auch etliche Blätter Strahlungsschäden aufweisen sei nur am Rande bemerkt.

Mittlerweile oder besser Gott sei Dank, ist die Hitzewelle vor einigen Stunden durch zwei kurze, heftige Gewitter beendet worden. Im Regenmesser befinden sich nun 21 Liter Regen je qm und für morgen sind weitere Niederschläge vorausgesagt. Zudem sollen die Temperaturen stark sinken. In der Summe kann man zwar nicht von völliger Entspannung sprechen aber es beruhigt schon etwas.

Langsam machen wir uns Sorgen…

Während wir mittlerweile unseren jüngsten Weinberg im Wochenrhythmus bewässern, sehen die älteren Weinberge noch „gut“ aus. Die Triebspitzen sind größtenteils noch etwas gekrümmt und zeigen an, das die Reben „noch“ vital und bestenfalls am Wachsen sind. Die Wasserreserven sind sehr gering im Untergrund. Die Hitze diese Woche wird kräftig an diesen zehren.

Während wir uns im letzten Jahr von einem Gewitter zum nächsten hangelten und der Trockenstress sich in Grenzen hielt, wird es jetzt langsam knapp. Der im Juli gefallene Regen reichte gerade, um den Staub zu binden und kam noch nicht einmal der Begrünung zugute. Die Böden sind tief ausgetrocknet und wir benötigen richtig viel Regen, damit dieser die Rebwurzeln in der Tiefe erreicht.

Es ist leider kein Regen in Sicht, noch nicht einmal ein kräftiges Gewitter.

Langsam machen wir uns Sorgen…

Regen?

In den zwei vergangen Tagen gab es die Chance Regen zu bekommen. Man sah ihn aus der Ferne schon kommen, er verfehlte aber unsere Weinberge größtenteils.  Das bisschen das fiel, verdunstete schnell.

Während die Regenwolken mit dem benötigten Wasser über meinen Kopf hinweg zogen, bewässerte ich unsere jüngeren Reben, die extrem stark unter der Trockenheit leiden, wie ich hier berichtete.

 

Bild: Weingut Spielmann-Schindler

Dort wo in den letzten Tagen ausreichend Regen fiel, gab es auch die entsprechenden Nebenwirkungen. Neben kräftigen Überschwemmungen wie z.B. in Trier war sehr oft Hagel mit dabei und schädigte Trauben und Reben. In der Pfalz legte ein Tornado etliche Hektar Weinberge in die waagerechte um.

Das Thema Wassermangel ist nach dem mittlerweile zweiten, sehr trockenem, Sommer von öffentlichem Interesse, da vor allem die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorger (also eigentlich wir alle!) davon abhängig sind. Diese Woche besuchte mich ein Kamerateam der Tagesthemen, um einige Aufnahmen in meiner durch Wassermangel kümmerlich wachsenden jungen Rebanlage zu drehen und mich zum Thema zu interviewen.

schnipp schnapp

Die Trockenheit macht mir zunehmend Sorge. Die letzten zwei Wochen mit den sehr hohen Temperaturen haben sehr stark am Bodenwasservorrat gezehrt.

Während ältere Weinberge noch tadellos aussehen und noch keine Anzeichen von Wassermangel zeigen, sieht es in jungen Rebanlagen anders aus. Die ersten Rieslingreben sind schon vertrocknet.

Andere Jungreben haben massive Trockenschäden. Kümmerwuchs, gelbe Blätter, Blattschäden durch die intensive UV-Strahlung der Sonne usw.

Um die jungen Reben zu entlasten und um sie für die Zukunft vital zu halten, habe ich heute bei den betroffenen Reben Fruchtruten und Trauben abgeschnitten. Schnipp, schnapp!

Die Trockenheit ist bis jetzt vergleichbar mit dem letzten Jahr. Der kleine Unterschied ist nur, dass die Langfristprognose der Wetterfrösche weder Landregen noch Gewitter vorhersagt. Zumindest sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen sinken.

Es wird spannend!

bestanden

Etwas angespannt waren wir ja, aber wir hatten auch keine Zweifel, dass Azubi Ken es schaffen würde. Gestern hat er die Prüfung zum  Winzer bestanden.

Herzlichen Glückwunsch!

Drei Jahre war er bei uns, drei Jahre intensives vermitteln von Lerninhalten, drei Jahre ein sehr interessierter junger Mensch bei uns im Weingut und am Mittagstisch. Er hat viel gelernt, sogar Kellermeisters Geheimwissen bekam er vermittelt. Es war für uns eine schöne Zeit!