Weinernte 2013: Seneszenz

2013-10-09 Laub

Die Seneszenz, umgangssprachlich ganz einfach als Alterungsprozess bei Pflanzen bezeichnet, ist sehr wichtig für den Reifungsprozess der Trauben. Dieses Jahr besonders wichtig.

„Physiologische Traubenreife – ein Schlüssel für viele Schlösser

Die durch übermäßige Vitalität verzögerte Seneszenz von Blättern und Triebachse geht mit verzögerter Traubenreife einher. Die Trauben mögen in solchen Anlagen zwar ein wünschenswertes hohes Mostgewicht erreicht haben, ihre physiologische Ausreife (Aromareife) ist jedoch gebremst. Wird dies erkannt, könnte man versuchen, dies mit einem späteren Lesetermin zu kompensieren. Leider stellt sich im Herbst gerade in starkwüchsigen Anlagen jedoch oft nicht die Frage nach dem aus Sicht der Reife wünschenswerten Lesetermin, weil sich ausbreitende Botrytis (Fäulnis) den Lesetermin diktiert. In solchen Anlagen ist der Botrytisdruck aus vielfachen Gründen erhöht. Kompaktere Trauben, dichtere Laubstrukturen, weniger abgehärtete Gewebeoberflächen begünstigen bei feuchtwarmer Witterung in der Reifephase vorzeitige Fäulnis.“

so bringt es Dr. Edgar Müller von der Agrarberatung Nahe auf den Punkt. Diese übermäßige Vitalität, bzw. starkes Rebwachstum, ist nicht förderlich für die Qualität, aber förderlich für unerwünschte Traubenfäule, die dieses Jahr teilweise problematisch wird. Entsprechende Pflege der Rebanlagen wie z.B. wenig oder keine Düngung mit Stickstoff, Begrünung der Rebzeilen usw. verringern das Wachstum und fördern die natürliche Alterung der Rebblätter. Anders ausgedrückt: Die Weinrebe braucht leichten Stress um optimale Qualitäten hervor zu bringen, so ähnlich wie beim Menschen. Jegliche Luxusversorgung mindert das Endergebnis.

Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten seit Jahren an den uns machbaren Parametern wie z.B. an der Bodenpflege. Nicht von uns beeinflussbar ist natürlich das Wetter.

In fast allen unserer Weinberge sieht man die beginnende Blattverfärbung und Alterung der Blätter. Dort sind die Trauben größtenteils gesund. Mehr Fäulnis findet man an einigen Rebstöcken, insbesondere am Wegesrand, die überaus starkwüchsig sind.

Ein Riesenproblem gibt es in einem kleinen, in diesem Jahr zugekauften Rieslingweinberg. Noch vom Vorgänger überdüngt und ohne Vollständige Bodenbegrünung, ist der Weinberg starkwüchsig und die Trauben sind zu fast 100% am faulen. Sieht nach einer Nullernte aus. Auf Bilder habe ich verzichtet.

Am Sonntag rücken die ersten Lesehelfer an, am Mittwoch kommender Woche komplettiert sich die Erntemannschaft. Erntebeginn beim Riesling voraussichtlich ab Mittwoch mit dem ersten selektivem Erntegang für die Basisqualitäten.

Kommentare

  1. meint

    Hallo an die Mosel, bei uns im Schwabenland ist die Lese voll im Gang. Verhagelte Anlagen sind inzwischen stark von Botrytis befallen und werden zu Roséweinen gekeltert. Ertrag dort bei 30% einer normalen Ernte. Alles andere sieht recht gut aus. Mostgewichte steigen, Säure sinkt…eigentlich ganz normal 🙂

    Grüße aus Kleoinbottwar

    Reinhard

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