Feuerteufelchen

2017-04-08 Waldbrand Reil

Man glaubt ja gar nicht, wie leichtsinnig manche ein Feuerchen im Weinberg machen. Durch die extreme Trockenheit kann das richtig ins Auge gehen. Vor zehn Tagen gab es vormittags einen Flächenbrand eine Moselschleife weiter, mittags brannte auf der Ortseite von Reil Buschland. Einen Tag später wurde an der Untermosel sogar ein Löschhubschrauber eingesetzt. Irgendwann dazwischen war noch etwas mit einer brennenden Wiese…

Gestern Mittag geriet ein Feuerchen nahe der Brücke gegenüber Reil außer Kontrolle – war halb so schlimm, die Feuerwehr musste nicht eingreifen – am Nachmittag dann der Höhepunkt, als ein verbuschtes Weinbergsgelände unterhalb des Waldes brannte und die meterhohen Flammen in Richtung Wald steuerten. Die freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Dörfer waren am Einsatzort und bekämpften das Feuer schnell und erfolgreich. Großes Spektakel in der  Reiler Goldlay.

War natürlich keiner gewesen. In der Regel ist das die legendäre Selbstentzündung oder der zufällig bei den Löscharbeiten anwesende Winzer will drei ihm unbekannte Jugendliche weglaufen gesehen haben…

Ich habe nichts gegen eine kontrollierte Brandrodung oder ein Feuerchen, aber bei der derzeitigen Trockenheit kann es ganz schön gefährlich werden, wenn Hobbypyromanen, bzw. Feuerteufelchen nicht kontrollierbare Feuer anzünden.

Wird Zeit, dass es regnet. Die Reben brauchen den Regen und das Problem mit den Flächenbränden wäre dann auch erledigt!

Weinernte 2016: Qualität kommt von quälen

2016-09-26-trockenheit

Qualität kommt von quälen: Zuerst quält sich der Winzer das ganze Jahr im Weinberg, um die bestmöglichste Qualität in die Trauben zu bekommen und dann muss die Rieslingrebe auch etwas gequält werden, damit die Qualität besser wird.

Mit quälen ist Stress gemeint. Vergleichbar wie beim Menschen: Bei moderatem Stress liefern wir bessere Arbeitsqualität. So auch der Riesling. Durch die seit Wochen herrschende Trockenheit stehen die Reben unter leichtem Wasserstress – sichtbar an den Blättern, die von der Sonne weggedreht sind – und geben ihr Bestmöglichstes für die Qualität.

Langsames weich kochen, wie der Geheimrat J. W. Goethe schon bemerkte:

„Der Wein will magere Nahrung an Bergen und viel Sonne haben, in der Plaine (Ebene) wird er schwer. Die Feuchtigkeit, die zudringt, kann nicht ausgekocht werden, es gibt einen ungeschlachteten Trank.“

2016-09-22-riesling

Die Trauben sind ausnahmslos gesund, lockerbeerig und kurz vor perfekt. Jetzt noch ein leichter Landregen, nur ganz leicht, so um die 20 Liter auf einen ganzen Tag verteilt, dann wäre es perfekt. Aber es ist besser, wenn ich mir keinen Regen wünsche. Denn, wenn Petrus mir diesen Wunsch erfüllen würde, gäbe es sicherlich reichlich, viel zu reichlich Regen und das wäre dann überhaupt nicht gut.

arg gebeutelt

2016-09-01 UV SchädenSchon wieder werden wir Winzer vom Wetter arg gebeutelt. Die heißen Temperaturen der vergangenen Tage, in Verbindung mit einer sehr hohen UV Strahlenintensität, haben vor allem an Standorten mit Wasserstress zu massiven Sonnenbrandschäden geführt.

Je nach Wasserversorgung zeigen die Reben auf der Sonne zugewandten Seite der Rebreihe bisweilen massive Vergilbungen der Blätter – im Bild eine extremst betroffene junge Rebanlage eines Kollegen -.2016-09-01 SonnenbrandZusätzlich zeigt sich Sonnenbrand an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen. Etliche Beeren und Traubenteile welken ohne ersichtlichen Sonnenbrandbefall und sind für uns verloren.

Sehr hohe Temperaturen + extrem klare Strahlung + niedrige Luftfeuchtigkeit sind eine tödliche Kombination für die Trauben, die in den letzten sechs Wochen sich nicht an solche extremen Witterungsbedingungen gewöhnen konnten, wenn der Winzer nicht mit kulturtechnischen Maßnahmen gegengesteuert hat.

Da wir kurz nach der Rebblüte die Traubenzone entblättern – für uns eine sehr wichtige kulturtechnische Maßnahme -, wird die junge Beerenhaut durch das Licht abgehärtet und sie ist besser gegen diese Wetterunbilden geschützt. Leider nicht gänzlich.

Wir müssen die Mengenerwartungen nochmals nach unten korrigieren. Qualitativ ist immer noch alles möglich!

Wer hätte das gedacht…

2016-08-25 Trockenheit

Foto: Weingut Viermorgenhof

“Wer hätte vor 6 Wochen gedacht, dass die Bewässerungsanlage in diesem Jahr noch mal in Betrieb genommen werden muss?” schreibt  Kollege Daniel Molitor vom Weingut Viermorgenhof auf Facebook.

Während wir im Mai und Juni fast abgesoffen sind, gepeinigt mit großen Erosionsschäden und dem falschen Mehltau, war der Juli und August bisher von Trockenheit geprägt. Die wenigen Liter Regen die fielen, waren nicht der Rede wert.

Auf einigen, wenigen Standorten, also da, wo eine geringe Bodenmächtigkeit vorhanden ist, die Rieslingreben jung und ihre Wurzeln noch nicht tief gewachsen sind, sieht man Aufhellungen an den unteren Rebblättern.

Erste Anzeichen von Wasserstreß.2016-08-25 Wasserwagen

Foto: Weingut Viermorgenhof

Wer nun die Möglichkeit hat, kann die Reben bewässern. Unser Kollege hat direkt bei der Neupflanzung der Reben eine Tröpfchenbewässerung im Weinberg installiert (oberes Bild, die schwarze Rohrleitung unterhalb der Laubwand). Nun kann er im Bedarfsfall bewässern. Das Wasser muss mit dem Anhänger – leider gibt es keinen Wasseranschluss im Rebberg – den Berg hinauf gefahren werden und läuft über ein verzweigtes Rohrsystem in die Tröpfchenbewässerung.

Der Klimawandel hält uns Winzer dieses Jahr europaweit in Bewegung, gewaltige Spätfröste im April, Regen ohne Ende im Mai und Juni, Hagelunwetter im August und stellenweise beginnende Trockenheit. Ein Extrem jagt das andere…

Hoffnung in den Zeiten der Dürre

2015-08-27 Unwetterwarnung

Bisher hatten wir im Wochenrhythmus immer etwas Regen. Es reichte jedoch vorne und hinten nicht. Der Regen verhinderte gerade, dass die Reben massive Trockenstressanzeichen zeigten und beginnende Notreife erkennen ließen. Auch in älteren Weinbergen sieht man mittlerweile immer öfter den Reben die Trockenheit an. Die Rebblätter drehen sich zunehmend von der Sonne weg, um weniger Wasser zu verdunsten.

Letzte Woche, während unserer Wanderung über den Moselsteig an der Terassenmosel, haben wir schon Weinberge gesehen, in denen mit einer Notreife der Trauben zu rechnen ist: vergilbte bzw. abgefallene Blätter sowie ins bläuliche verfärbte Rieslingtrauben. Qualitative und quantitative Probleme sind garantiert.

Obige “Unwetterwarnung” des Deutschen Wetterdienstes gibt Hoffnung, dass die jetzigen Trockenheitsprobleme kleiner werden.

Im Moment regnet es, Landregen!

Morgen nach dem Aufstehen werde ich als erstes meinen Regenmesser begutachten. Drücken Sie uns die Daumen!

Nachtrag 28.08.2015.

Über Nacht kamen zwar nicht die prognostizierten 35 Liter Regen, aber mit den 23 Litern, die ich heute Morgen im Regenmesser gefunden habe, sind wir auch schon sehr zufrieden. Am Wochenende noch einmal hochsommerliche Temperaturen, dann soll es kühler werden. Etwas Entspannung in Sachen Trockenheit.

Wasser!

2015-08-08 HoffestAm Samstag habe ich als Gastwinzer beim Hoffest meines Kollegen Reinhard Schäfer unsere Moselrieslinge präsentiert.  Der Hof des Weingutes war sehr gut gefüllt, Speis und Trank gab es reichlich und die Liveband machte ausgezeichnete Musik. Zwar brütend heiß und etwas schwierig die Weine gekühlt zu halten, aber ein sehr schöner Abend.

Auch in Württemberg ist die extreme Trockenheit ein allgegenwärtiges Thema. Die kleineren Regenschauer, die wir in den letzten Wochen an der Mosel hatten, fehlten dort komplett. Gestern kam allerdings die Erlösung für den Kollegen. Abends erreichte mich die freudige Nachricht per Mail:

“Hallo Harald,

innerhalb einer Stunde 50 Liter Wasser. Halle schwimmt. Alle Regenwasser-Tanks laufen über. Mussten am Haus die Hochwasser-Sperre anbringen!

Gruß

Reinhard”

Wie unser Weingut, liegt auch das Weingut Schäfer nahe am Fluss (Bottwar). Als Moselanlieger würde ich eher Bach sagen. Und wie das nun mal bei Flussanliegern ist, die zudem direkt im Talgrund liegen, gibt es mal leichte Überschwemmungen. Nicht meterhoch wie wir es an der Mosel gewohnt sind, aber plötzlich 15 cm Wasser in Hof und Halle sind ja auch schon was.

Für Reinhard ist auf jeden Fall die Sorge um die Trockenheit im Weinberg sehr schnell und ausreichend erledigt. Da nimmt er gerne die kleine Überschwemmung in Kauf.

Für uns ist das Problem mittlerweile auch kleiner geworden. Letzte Nacht gab es fast 20 Liter/qm Regen, kommende Nacht soll es auch noch regnen. Etwas Entspannung!

Ich hoffe und wünsche, dass genügend Regen für alle Winzer fällt, da die extreme Hitze und Trockenheit die Wasserreserven in ganz Europa schwinden lässt. Beispielsweise schreibt auch unser Kollege Bernhard Fiedler in Österreich über die Auswirkungen des Wassermangels.

mangels Masse

2015-08-07 Laubschnitt

Der zweite Laubschnitt mit dem Laubschneider fällt mangels Masse fast ganz aus. Durch die fehlenden Niederschläge sind die meisten Reben nach dem ersten Laubschnitt nicht mehr weiter gewachsen. Lediglich bei einem Drittel unserer Weinbergsfläche lohnt der Einsatz der Maschine. Bei den anderen Weinbergen sind lediglich einige Rebtriebe per Hand mit der Rebschere abzuschneiden.  Zu Fuß und per Hand schneller als jede Maschine. Ich wünschte, es wäre anders rum.

Murphys Gesetz

2015-08-03 Kellerkatze

Murphys Gesetz„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Nicht ganz so schlimm wie vor einigen Jahren, aber es nervt trotzdem.

Gestern Morgen signalisierte das Armaturenbrett des Kettenschleppers eine fehlerhafte Funktion der Lichtmaschine. Ich dachte mir, dass der Keilriemen des Antriebes abgesprungen ist, aber nein, dass war es nicht. Also zur Tankstellenwerkstatt gefahren und um Ratschlag gebeten. Die Stromlieferung der Lichtmaschine schwächelte etwas. Kein Grund zur Sorge. Nervig nur, dass die optische Meldung auf dem Display mit einer kleineren Sirene verbunden ist, die alle paar Sekunden Warnsignale von sich gibt.

Beim Nachfüllen des Wassers für die dritte Runde der Bewässerung einer Junganlage, war unser hauseigener Brunnen leer und Trinkwasser musste genommen werden. Wasser alle, wie in den Weinbergen.

Die Heimfahrt nach getaner Arbeit endete mit einem riesigen Knall. Plattfuß am Anhänger! Ein Stein war während der Fahrt hochgewirbelt worden und hatte sich zwischen Reifen und Anhängestell verkantet und die Flanke des Reifens aufgeschlitzt. Also Raupe abladen, Hänger an den Wegrand stellen, mit dem Traktor nach Hause, Werkzeug und Wagenheber ins Auto, Reifen abbauen und schon wieder zur Tankstellenwerkstatt. Gottseidank war ein Ersatzreifen vorhanden. Und das Ganze wieder rückwärts: Mit dem Auto in den Weinberg fahren und Reifen montieren, Auto nach Hause und anschließend mit dem Traktor Anhänger und Raupe holen.

Die Kellerkatze beim Ausruhen in der sommerlichen Hitze unter dem Walnussbaum. Mit den häufigen Hofdurchfahrten meinerseits, laufend gestört. War mir aber auch egal.

Heute Morgen dann keinen Strom an der 12v Bordsteckdose gehabt. Erst nach einer längeren Fehlersuche habe ich als Ursache eine geschmolzene Sicherung gefunden. Kurze Zeit später das Gleiche noch einmal. Das “Warum” aber nicht gefunden.

Mittlerweile etwas genervt durch die sich immer wieder meldende Sirene beim “Support” des Kettenschlepperherstellers angerufen. Die Lichtmaschine dürfte der Verursacher sein. Liefert nicht genug Stromspannung. Es reicht für die Batterieladung, aber nicht fürs Abschalten der Sirene, vermutlich auch Stromschwankungen, die das Schmelzen der Sicherungen bewirkt haben.

Eine Neue ist bestellt und ich hoffe, dass es die Lösung für einen Teil der gestrigen und heutigen Probleme ist.

Angespannt, sehr angespannt

2015-07-22 Riesling

In den guten Lagen, also den frühen, sind die Trauben sehr gut verblüht. Man sieht nur wenige kleine Beerchen, die von nicht bestäubten Blüten stammen.2015-07-22 Verrieselt

Vollkommen gegensätzlich die Trauben in den späteren Lagen. Zwei Tage Kälteeinbruch während der Blüte sind deutlich zu sehen. Ganz extrem – wie im obigen Bild – ist das Blüteergebnis bei Rebstöcken, die zum Zeitpunkt der Blüte schon unter Wassermangel gelitten haben. Der Riesling ist sehr empfindlich in der Blütephase.

2015-07-2 Triebspitze

In einer jungen Rebanlage mit sehr vielen nachgepflanzten Rieslingreben haben wir das Wachstum wieder angekurbelt. Nach zweimaliger Wassergabe sind die kurz vor den vertrocknen stehenden Triebspitzen wieder ergrünt und das Längenwachstum hat wieder eingesetzt.

Die Reben sehen besser aus, als aufgrund der hohen Temperaturen erwartet. Wir haben Weinberge, die immer noch ausreichend Wasser im Boden finden und an denen man die Trockenheit nicht ansieht, bis hin zu sehr stark trockengestressten Rebstöcken, bei denen die Triebspitzen und die unteren Blätter schon verdorrt sind. Leider auch schon Trauben, die ins bläuliche verfärben. Nicht so gut für die Qualität.

Jetzt wäre es an der richtigen Zeit, die Reben zu bewässern. Leider haben wir diese Möglichkeit nicht. Da beneide ich Kollege Armin, der die Möglichkeit zum Bewässern hat.

Uns bleibt nur die Möglichkeit zu warten. Die Lage ist leider angespannt, sehr angespannt.

Letzte Woche gab es etwas Regen. Kommende Woche sind weitere Niederschläge gemeldet. Es wird ein hangeln von Regen zu Regen, jeweils ein Tropfen auf den heißen Stein.

knapp, sehr knapp

2015-07-11 Triebspitze

Die Bodenwasservorräte sind knapp, sehr knapp. Die Hitze der vergangenen Woche hat viel Wasser verbraucht. In vielen Weinbergen sieht man schon die ersten Anzeichen von Trockenstress. Die Triebspitzen richten sich gerade auf und ein Ende des Rebwachstums ist in Sicht.2015-07-10 UV Schäden

Dort wo die Bodenmächtigkeit gering ist, der Fels hoch ansteht und die Reben schon seit längerem unter Wassermangel leiden, sieht man Blattaufhellungen aufgrund der übermässigen UV Strahlung der Sonne.2015-07-10 KurztriebStellenweise sind dort die Reben nur bis zum obersten Draht der Unterstützungsvorrichtung gewachsen. 2015-07-10 Trockenheit

Zunehmend drehen sich die Blätter von der Sonne weg, um weniger Wasser zu verdunsten.

Es wird allerhöchste Eisenbahn, dass es regnet. Die Trauben sind jetzt in der Phase des Dickenwachstums.

Es wäre jetzt die richtige Zeit, um die Reben zu bewässern. Die ganz jungen Reben kann ich ja noch wässern, aber die Anderen? Die Mosel anzapfen? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Mal abgesehen davon das mir die benötigten Wasserrechte nicht gehören, die Mosel hat nicht genügend Wasser. Durch die Stauhaltung sieht es so aus, als ob genügend drin wäre, aber es kommt einfach nichts nach, um die Rebflächen an der Mosel zu bewässern.

Es wird wie jedes Jahr: Spannend!