Weinernte 2017: Mentale Vorbereitungen

2017-09-18 perfekter Riesling Mosel

Der Idealzustand einer Rieslingtraube: Top gesund und etwas lockerbeerig! In Weinbergen, die auf mageren Böden stehen, stärker unter der Trockenheit des ersten Halbjahres gelitten hatten und schwächer wüchsig sind, sind die meisten Trauben gesund wie obige. Davon haben wir Gott sei Dank viele!2017-09-18 Botrytis Riesling

Bei stärker wachsenden Rieslingrebstöcken ist die Situation ganz anders. Ich berichtete schon im August über beginnende Fäulnis. Verbreitet findet man den Grauschimmel, Botrytis genannt. Frischer Befall oder befallene Beeren, die sauber eingetrocknet sind,  sind tolerierbar und im Falle hochwertiger Weine sogar erwünscht. Wenn der Pilz “Bärte” zieht oder die Beeren schon länger  befallen hat, müssen die befallenen Beeren auf den Boden aussortiert werden, damit der Wein z.B. keine bitteren Noten oder Muffgeschmäcker bekommt.

2017-09-17 Riesling Schwarzfäule

Das Gleiche gilt für die von Schwarzfäule befallene Beeren. Diese müssen penibelst weggeschnitten werden, da sie einen sehr bitteren Geschmack aufweisen. 2017-09-18 Riesling mit Sonnenbrand

Auch die durch Sonnenbrand in der letzten Augustwoche geschädigten Beeren müssen aussortiert werden. 2017-09-18 Vogelfraß mit Weißschimmel

Selten sieht man hingegen Rieslingbeeren, die durch Vögel angepickt oder durch Mäuse angefressen wurden und infolgedessen sich weitere Sekundärpilze wie Aspergillus, Trichothecium, Penecillinum usw. angesiedelt haben. Müssen natürlich auch entfernt werden.

Es wird sehr spannend und wir haben uns schon mental auf eine anstrengende Weinernte vorbereitet. Mit einer kleinen Mannschaft werden wir einige Tage früher als geplant mit der selektiven Weinernte beginnen, bevor die große Lesemannschaft bereit ist. Ich rechne mit mindestens drei selektiven Erntedurchgängen.

Der Wettergott spielt momentan auch mit. Es ist kühles, trockenes Wetter vorher gesagt, das weitere Fäulnis verhindert, bzw. ausbremst.

Qualitativ ist noch alles möglich, quantitativ lasse ich mich überraschen, gehe aber von einer kleineren Erntemenge aus.

Licht am Ende des Tunnels

2016-07-24 Traubenbefall sporulierend aus 2009

Foto: Archiv, Juli 2009

Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.  Ich glaube, dass wir es geschafft haben. Den Kampf gegen den falschen Mehltau (Peronospora) haben wir zwar nicht gewonnen, uns aber auch nicht kampflos ergeben.

Nach den ersten größeren Verlusten durch eine Infektion vor der Blüte, ich berichtete hier, gab es nach der Rebblüte eine weitere Infektion, die zusätzliche Trauben vernichtete. Im obigen Bild zu sehen, wie der Pilz junge Beeren befallen hat.2016-07-21 Lederbeeren

Mittlerweile haben sich die Spaltöffnungen der Beeren verschlossen. Der Pilz kann diese nicht mehr infizieren, er kann aber auch keinen Pilzrasen mehr bilden. Infizierte Beeren nennt man dann Lederbeeren, da diese lederartig eintrocknen. Zurzeit kann der Pilz nur noch wenig Unheil anrichten.

Junge Blätter können noch befallen werden und evtl. die Traubenstiele. Gottseidank, dass wir trockenes Wetter haben, das uns in unseren Bemühungen gegen die Peronospora unterstützt.

2016-07-25 Riesling

Wie groß der Schaden ist, kann ich noch nicht sagen. Ein zweites Problem ist die wetterbedingt schlecht verlaufene Rebblüte. Erkennbar an den sehr lockerbeerigen Trauben mit jungfernfrüchtigen Beerchen. Ich rechne mit einer unterdurchschnittlichen Erntemenge.

Bis jetzt haben wir sehr viel Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Riesig groß auch die Unterschiede in meinen eigenen Weinbergen. Rebstöcke gänzlich ohne Ertrag, daneben Rebstöcke gänzlich ohne Pilzbefall, Weinberge mit normalen Ertragserwartungen, 50 m weiter ein anderes Bild.

Kleinste Unterschiede, ein wenig kälter oder wärmer, ein Lüftchen mehr, das die Blätter trocknete, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quentchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und an welchen Tag der Winzer spritzen war, nebst weiteren Faktoren, haben über Erfolg oder Misserfolg entschieden.

Eine Gratwanderung über Messers Schneide, die wir nicht beeinflussen konnten.

Mein ruiniertes Nervenkostüm beruhigt sich so langsam wieder. Weitere katastrophale Wetterbedingungen kann ich für dieses Jahr nicht mehr gebrauchen.

Etwas Ruhe kehrt ein

2016-07-06 LaubschnittDie sommerlichen Hauptarbeiten sind erledigt. Die Rebtriebe sind geheftet, also in den Drahtrahmen eingeschlauft worden. Die Traubenzone wurde entblättert und der erste Laubschnitt ist auch schon gemacht.

Die Weinberge sehen jetzt akkurat wie nach einem Friseurbesuch aus. Etwas Ruhe kehrt nun ein. Nicht, dass wir arbeitslos wären, aber, wie sagt man so schön, der Druck ist raus.2016-07-07 HackenZeit, sich jetzt intensiv um die im Mai gepflanzten Rieslingreben zu kümmern. Mittlerweile konnten wir mit dem Kettenschlepper eine Bodenlockerung durchführen. Im Unterstockbereich muss händisch gearbeitet werden. Eine reichhaltige Auswahl an Hacken steht für meine Helfer zur Verfügung. Jeder kann sich nach seinem Gusto das passende Gerät aussuchen.

Die jungen Rieslingreben wachsen sehr gut und sind mittlerweile am Pflanzstab festgebunden.

Der Sommer mit trockenem Wetter ist auch gekommen. Etwas aufatmen für uns. Neuinfektionen durch den gefürchteten falschen Mehltau (Peronospora) werden unwahrscheinlicher und durch das starke Beerenwachstum verringert sich die Empfindlichkeit der Trauben.

mentale Vorbereitungen

2016-06-29 Peronospora2

Der heimtückische Peronosporapilz (falscher Mehltau), ich berichtete hier und hier, hat auch bei uns zugeschlagen. Seit Anfang der Woche sieht man auf der Blattoberseite vermehrt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.2016-06-29 PeronosporaAuf der Blattunterseite dann der Pilzrasen von dem weitere Infektionen ausgehen. Bis jetzt sind wenige Blätter befallen. 2016-07-01 Pero2

Im Rebstock sieht es einiges übler aus. Bei stark wüchsigen Reben mit dichtem Blätterwerk finden wir viele vertrocknete Trauben, die schon vor der Blüte befallen waren und mittlerweile, ohne sichtbaren Pilzbefall, eingetrocknet sind.2016-07-01 PeroJunge Beeren, mit einem Pilzrasen überzogen habe ich beim Riesling noch nicht gesehen, in unserem kleinen Rivanerweinberg jedoch leicht zu finden.

Zurzeit treffen wir mentale Vorbereitungen für die kommende Ernte: Jetzt schon geistig auf eine nicht so üppige, vielleicht kleine, oder sogar sehr kleine Ernte vorbereiten.

Seit zwei Tagen sind die Weinbergsböden, nach wochenlanger Regenperiode, endlich wieder abgetrocknet und problemlos befahrbar. Das Wetter hat sich auch verbessert. Trotzdem heißt es aufgepasst. Durch die vielen infizierten Blätter und Trauben ist ein gewaltiges Sporenpotenzial in den Weinbergen.  In den letzten Tagen habe ich mit dem Laubsauger die Rebblätter aus der Traubenzone gezupft, damit diese besser durchlüftet wird und Feuchtigkeit besser verdunsten kann. Zudem können dann die junge Träubchen optimaler mit unseren Pflanzenpflegemitteln benetzt werden, um weiteren Pilzbefall (hoffentlich) zu verhindern.

Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!!

2016-06-24 Tau

Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!! So die Warnmeldungen der Agrarberatung in der Pfalz. Lagenweise ist dort schon ein massiver Traubenbefall erfolgt. An der Mosel ist es noch etwas ruhiger. Bislang konnte ich zwar immer noch keinen Befall unserer Rieslingreben mit dem falschen Mehltau feststellen, aber wir sind immer noch sehr angespannt. Beim Rivaner sieht es anders aus. Erste befallene Rebblätter habe ich schon gefunden. Der Sommer ist noch nicht vorbei und jetzt, kurz nach der Rebblüte, sind die jungen Beerchen in ihrer anfälligsten Phase. Sehr empfindlich und durch das sehr starke Wachstum wird der Spritzmittelbelag ganz schnell verdünnt und muss in sehr kurzen Abständen erneuert werden. Einen sehr guten Beitrag zu diesem Thema finden Sie im Blog vom Weingut St. Antony, Rheinhessen.

Leider spielt das Wetter auch nicht mit. Ein stabiles Hoch ist nicht in Sicht. Extreme Luftfeuchte verhinderte letzte Woche tagelang das Etikettieren. Minimalste Temperaturunterschiede lies die Flaschen beschlagen und durch die extreme Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit trockneten diese tagelang nicht. 2016-06-20 Hagel

Etwas Hagel gab es auch schon. Gott sei Dank wurden nur etliche Rebblätter durchlöchert. 2016-06-24 Quelle

Mittlerweile sind wir im Besitz einer eigenen Quelle. In einem Weinberg im Burger Hahnenschrittchen hat sich im Vorgewende ein “kleiner” Bach gebildet. Ärgerlich nur, dass in diesem Bereich die Befahrbarkeit mit der Weinbergsraupe nicht mehr gegeben ist. Aber das ist das kleinste Problem, das wir im Moment haben.

Etwas Entspannung

2016-06-16 Blüte

Mittlerweile sind wir etwas entspannter – aber nur etwas – was die Pilzkrankheiten im Weinberg betrifft. Ich berichtete hier. Nächste Woche ist weitestgehend trockenes, sommerliches Wetter gemeldet. Unsere Weinberge sind bisher immer noch befallsfrei. Ob der Pilz in den letzten Tagen in die Rebe eindringen konnte, wissen wir noch nicht, da er erst sichtbar wird, wenn die Inkubationszeit abgelaufen ist. Noch bin ich guter Dinge. Vielleicht hatte ich bisher Dummenglück, unsere Weinberge stehen an der richtigen Stelle oder unser Weinbergsmanagment hat mit einem Quäntchen Glück zur bisherigen Befallsfreiheit geführt.

Jetzt muss noch die Rebblüte gut überstanden werden. Trocken soll es werden, also eine geringere Gefahr, dass die extrem empfindlichen Beerchen vom Peronosporapilz befallen werden. Die Temperaturen sollen steigen und die Wasserversorgung der Reben ist ja bekanntermaßen auch optimal. Das müsste eigentlich gut gehen.

Übelst

2016-06-15 Regen

Übelst spielt uns das Wetter mit. Seit über zwei Wochen Regen, Regen, Regen. Täglich immer wieder massive Regenschauer, die uns Schutz im Auto suchen lassen. Die Böden aufgeweicht bis zum geht nicht mehr, beim Fahren mit dem Kettenschlepper gib es eine Schlammschlacht und die Mosel hat auch schon wieder den unter unserem Haus gelegenen Parkplatz überschwemmt. Von der zeitweisen 100%igen Luftfeuchtigkeit ganz zu schweigen.

So langsam bekomme ich Muffensausen.  Die gefürchtete Pilzkrankheit Peronospora, auch falscher Mehltau genannt, bedroht uns. Vielleicht noch schlimmer als vor einigen Jahren, als es vereinzelt Totalschäden gab.

Die ersten Schreckensmeldungen laufen bereits über den Ticker:

“Die Situation ist zum Teil dramatisch. Am schlimmsten betroffen sind die Gebiete entlang des Rheins in Rheinhessen, Südliches Wonnegau, Zellertal, Worms und rund um Grünstadt. Desweiteren in Pfälzer Lagen in der Ebene, weniger am Haardtrand. An der Mosel und im nördlichen Rheinhessen zeigen sich erste Infektionen….
In den beschriebenen Extremgebieten überlagern sich die Infektionen und seit gestern sporulieren die vorhandenen Ölflecke. Teilweise sind komplette Blätter weiß, was so bisher noch nicht beobachtet wurde. Gescheine sind teilweise getroffen, manche Anlagen zeigen bereits jetzt Totalausfall. In dieser Woche ist keine Entspannung in Sicht, da es weiter nass bleibt.”

so unsere Ökoberaterin Beate Fader Anfang der Woche in ihrem Rundschreiben. Von den konventionell arbeitenden Winzern hört man ähnliches.

Etliche Kollegen sind von Totalausfall der Ernte bedroht. Auch an der Mosel gibt es schlechte Nachrichten. Unsere Reben sehen zwar “noch” sehr gut aus. Bis jetzt habe ich erst ganz wenige befallene Blätter gesehen, aber ich gehe davon aus, dass es bedeutend mehr werden wird. Wenn es nicht aufhört zu regnen, könnte es auch bei uns katastrophal werden.

Weinernte 2013: Es könnte alles so schön sein!

2013-10-19 MutterKind

Es könnte alles so schön sein! Gestern Kaiserwetter, eine hoch motivierte Ernte- mannschaft, der kleinste im Tragetuch ganz friedlich und die ältesten Helfer noch immer geländegängig.2013-10-19 Riesling

Wären da nicht die Trauben. Der Regen hat den Rieslingtrauben übel mitgespielt. Die Beerenhäute sind ganz dünn, teilweise mazeriert und aufgeplatzt. Fäulnis macht sich rasend schnell breit. Das ist noch nicht das große Problem, könnte es aber in den nächsten Tagen werden. Die warmen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit werden den Trauben weiter zusetzten. Zudem befürchte ich, dass sich weitere Schaderreger in den Trauben breit machen. Grauschimmel, Penicillium, Rosaschimmel, Blauschimmel, Grünfäule, Essigfäule und so weiter. Alles Dinge, die der Winzer nicht brauchen kann.

Noch ist es nicht so weit! Bis dahin werden wir sehr zügig ernten und wenn uns diese Widerwärtigkeiten begegnen, werden die befallenen Trauben auf den Boden geworfen. Ich rechne mit vielen Trauben, die nicht den Weg in den Weinkeller finden.

Falls noch jemand Lust hat, uns bei der Ernte zu helfen: Wir würden uns über jede helfende Hand freuen! Es eilt!

Nachtrag 22.10.2013

Heute berichtete der Trierische Volksfreund über die Fäulnisgefahr beim Riesling. Darin wurde obiger Blogeintrag teilweise zitiert. Weitere Erntehelfer haben sich aufgrund dieses Zeitungsartikels bei uns gemeldet.

Weinernte 2012: Alles läuft!

Unser kleiner Rivanerweinberg ist abgeerntet. Mit kleiner Mannschaft, also Familie nebst Azubi, binnen weniger Stunden geerntet.

Alles läuft!  Keine der Maschinen ließ mich dieses Jahr im Stich, nur die Erntemenge. Wenig, enttäuschend wenig! Das schlechte Blütewetter und der Pilzbefall hatten ihre Spuren hinterlassen. Wenn es viel gibt, gibt es noch mehr, wenn es wenig gibt, wird es noch weniger, so der alte Winzerspruch. Könnte durchaus auch beim Riesling zutreffen. Viele Kollegen sprechen über geringe, sogar über geringste Erträge bei den früheren Rebsorten. Ich habe das Gefühl, dass es auch auf den Riesling zutreffen wird. Erntebeginn ist in einer Woche. Ich lasse mich überraschen.

Qualitativ wurden wir nicht enttäuscht. Ausschließlich gesunde Trauben, keinerlei Selektionsbedarf und sehr klare, fruchtig schmeckende Moste. Das kühlere Reifewetter der vergangenen Wochen hat sich sehr positiv auf die Traubenqualität ausgewirkt.

In trockenen Tüchern?

In trockenen Tüchern? Noch nicht ganz, aber fast! Ich berichtete unter anderem hier über den extrem nassen Sommer und über die dadurch bedingten Widerwärtigkeiten hier und hier. Mittlerweile sind wir der Ernte um einiges näher gerückt und die Ernte fast in trockenen Tüchern. Die Trauben sind nicht mehr anfällig gegen die vor Wochen allgegenwärtigen Pilzkrankheiten. Die jetzt herrschenden hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad dämmen z.B. den Infektionsdruck des falschen Mehltaues stark ein. Etliche nachwachsende junge Rebblätter sind zwar teilweise von diesem Pilz befallen, werden aber weiterhin Assimilate, also Zucker und Geschmack, für die Rieslingbeeren bilden können. Nur noch Hagel oder Traubenfäule wie in den letzten Jahren kann die Erntemenge verringern.

Nun könnte man schon an eine Ernteschätzung wagen, aber da bin ich ganz schlecht und ich möchte den Tag nicht vor dem Abend loben. Da halte ich es lieber so wie Dirk Würtz, der die Erntemenge so einschätzt: “Mehr als 2010, weniger als 2011 – oder vereinfacht ausgedrückt – der Keller wird wohl nicht ganz voll.” Zwei in der Erntemenge total gegensätzliche Jahre und in dieser Spanne werden wir sicherlich liegen. Ich hoffe in Richtung des 2011er, der doch eine sehr gute Quantität brachte. Weniger glücklich wäre ich natürlich bei Annäherung an den 2010er.