Weinernte 2017: Wenn es viel gibt…

2017-09-26 Holzfässer lmit Schnur legenWenn es viel gibt, gibt es viel mehr. Wenn es wenig gibt, gibt es viel weniger, so der alte Winzerspruch. Das es aber so wenig ist, dass hätte ich nicht erwartet.

Es ist bisher die kleinste Rieslingernte, die wir im Keller liegen haben. So quasi ein halber Herbst. Der Frost im April, der Knospenfraß durch den Rhombenspanner und Verluste durch weggeworfene, verfaulte Trauben haben ihren Tribut gefordert.

Etliche der sorgsam gereinigten und mit der Schnur ausgerichteten Holzfässer werden wir leider zur konservierung wieder mit Wasser füllen müssen.

Im Gegensatz zu den Quantitäten sind die Qualitäten sehr gut. Reifes Lesegut schon am Anfang der Ernte, zum Ende der Ernte hochreif mit goldgelben Beerchen. Zudem teilweise frischer Edelfäulebefall, der dem Erntegut den letzten Schliff gab.

Bei der täglichen Gärungskontrolle im Weinkeller sind jetzt schon intensive Aromen wie z.B. reife Birne, Pfirsich, Maracuja und andere tropische Früchte wahrnehmbar. Eine kleine Entschädigung für die geringe Erntemenge.

Schadenshöhe?!

2017-04-26 Beiauge treibt nach Frost aus

Im Bild: Erfrorener Haupttrieb und neu treibendes Nebenauge, das vom Frost verschont wurde.

Nach einigen Tagen Abwesenheit kam ich erst heute dazu, die Schäden durch den Spätfrost der vergangenen Woche zu begutachten.

Die gute Nachricht: Trotz der eisigen Kälte von -4 Grad haben sehr viele Rebtriebe überlebt. Die extrem trockene Luft hat schlimmeres verhütet.

Nach vorsichtigen Schätzungen meinerseits – ich bin nicht wirklich gut im schätzen, einer meiner Mankos – gehe ich davon aus, dass durch den Frost und die Knospenfraßschäden des Rhombenspanners, ca. 30 bis 40 % der Rebtriebe verloren sind. Das ist aber nicht die Schadenshöhe!

Die Rebe ist durchaus in der Lage, diese Ertagsverluste teilweise auszugleichen. Zu einem können an den verbliebenen Rebtrieben die Trauben größer werden, zum anderen gibt es neben den jetzt verlorenen Rebknospen bzw. Rebtrieben noch die sogenannten Nebenaugen, die beim Riesling in der Regel nur austreiben, wenn das Hauptauge ausfällt. Dort ist der Blütenansatz und später der Traubenbehang geringer wie beim Hauptauge.

Jetzt noch hoffen, dass die Blüte sehr gut verläuft und andere Widrigkeiten der Natur keine weiteren Ertragreduzierungen verursachen. Ende Juni weiß ich mehr. Jetzt aber schon weiß ich, dass es keine allzu üppige Erntemenge gibt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Winzern sind wir glimpflich davon gekommen. Europaweit gibt es beträchtliche Schäden bis hin zum Totalausfällen. Ein Spätfrostereigniss, dass in nie dagewesenem Ausmaß im Wein- und Obstbau gewütet hat.

Käfighaltung

2017-03-15 Wein abfüllen

Fast alle Neuen Weine sind jetzt abgefüllt. Einige Tage Käfighaltung noch – nein, nicht der Azubi, der die frisch gefüllten Weinflaschen in die Gitterboxen zum lagern legt, sondern die Weinflaschen – und dann werden die ersten Rieslinge für den Verkauf etikettiert.

Bisher klappte alles sehr gut. Mensch und Maschine funktionierten reibungslos. Wir waren nur neidisch auf das schöne Wetter außerhalb des Weinkellers. Frühlingshaftes T-Shirt Wetter draußen und wir standen im noch sehr kalten Weinkeller bei lange Unterhosen Temperaturen.

Bis Sonntag soll unser Onlineshop im Internet aktualisiert sein, die Preisliste per Briefpost braucht einige Tage länger und etikettiert muss noch werden. Der Verkaufsstart der 2016er Rieslingweine beginnt in einigen Tagen.

Wir sind zufrieden!

2017-02-09 Probeflasche

Das Steffens-Keß Verkosterteam hat gestern wieder zugeschlagen. Alle waren da, bunt gemischt: Der Oberkellermeister, zwei Winzerkollegen, der Azubi, ein Endverbraucher und die Jugendmannschaft des Steffens-Keß Verkosterteams.

Wie jedes Jahr standen die aktuellen Jungweine, also diesmal 2016er, auf dem Tisch. Nach einer kurzen Unterrichtung meinerseits, was denn so ungefähr auf dem Tisch stand, startete die Probe.

Fast wie jedes Jahr. Diskussionen, ob der Wein in der qualitativen Reihenfolge richtig eingereiht war oder nicht. Bei der zweiten und dritten Proberunde wurden einzelne Weine in eine andere Reihenfolge gestellt. Die Jungweine waren mittlerweile wärmer geworden, hatten etwas Luftsauerstoff gezogen und probierten sich wieder anders.

Nur bei einem Wein waren sich alle – ausnahmslos – einig. Ganz an der Spitze stand der Wein mit der Weinnummer 1620. Der beste in diesem Jahr.

Heute werden noch einige Weine nachprobiert und dann kann es an die Abfüllplanung gehen.

Die Qualität ist sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte wie immer  moderat, sodass diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können. Wir sind zufrieden!

Wenn da nur die kleine Ernte nicht wäre. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es ist zu wenig da, insbesondere bei den Kabinettweinen und den Spätlesen. Viel zu wenig! Das dürfte kann hinten und vorne leider nicht bis zur nächsten Ernte reichen.

Danke!

2016-12-10-gluehweinnacht1Danke an alle, die uns am letzten Samstag zur Bio-Glühwei(h)n-Nacht besuchten und unseren Rieslingglühwein gegen eine Spende tranken.

2016-12-10-sparschweinWie gehabt, sponsorten wir den Glühwein und der diesjährige Erlös wird an Weitblick, eine Studenteninitiative an der Uni Münster, gespendet.

Weitblick setzt sich für einen weltweit gerechteren Bildungszugang ein. Es werden Schul- und Berufsbildung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und in Partnerprojekten in Benin, Madagaskar und Kambodscha gefördert.

Das goldene Spendenschweinchen war gut gefüllt und in den nächsten Tagen werden wir über 1000,- € an Weitblick weiter leiten.

Großes Lob

2017-eichelmann-internet

Wir freuen wir uns immer wieder, wenn wir bei Weinverkostungen sehr gut abschneiden. Großes Lob gab es dieses Jahr wieder beim Eichelmann Weinführer. Mit drei Sternen zählen wir zu den sehr guten Weingütern in diesem Buch.

Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass unser Schoppenwein, der 2015er Riesling in der Literpulle, ein extra Lob bekommen hat: “Das Qualitätsniveau … und bereits an der Basis sehr voll überzeugend, wie der straffe, zupackende Literwein beweist.”

Nachdem

2016-09-01-terassenNachdem wir einige Tage wundervolle Landschaften erleben durften, 2016-08-31-haferfeld

immer strahlend blauen Himmel hatten – Kaiserwetter genannt -,2016-09-10-kueste

fremde Küsten nebst2016-09-10-sonnenuntergang

wunderschönem Abendrot sahen und2016-09-10-muscheln

dass Abendessen in einer hier in Deutschland schwer zu findenden Qualität selbst kaufen und zubereiten durften, sind wir wieder erholt aus dem Urlaub zurück gekehrt und haben uns schon heute an die Vorbereitungen für die kommende Weinernte begeben.

Und in diesem Zusammenhang auch das Rezept für die Muscheln, da ich immer wieder danach gefragt werde:

Möhren und Lauch klein schnippeln, in Butter andünsten und mit Riesling, am besten Mosel, Bio und reichlich, ablöschen, etwas Gemüsebrühe dazu, bei starker Hitze aufkochen und pro Person 500 gr. Muscheln in den Sud geben. Deckel drauf und nach einigen Minuten mal nachsehen. Wenn die Muscheln dann alle geöffnet sind, sofort auf den Tisch, Baguette dazu reichen und ganz wichtig: Riesling dazu trinken, gegebenenfalls eine weitere Flasche öffnen, falls die Muscheln zu reichlich davon bekommen haben.

Wasser!

2015-08-08 HoffestAm Samstag habe ich als Gastwinzer beim Hoffest meines Kollegen Reinhard Schäfer unsere Moselrieslinge präsentiert.  Der Hof des Weingutes war sehr gut gefüllt, Speis und Trank gab es reichlich und die Liveband machte ausgezeichnete Musik. Zwar brütend heiß und etwas schwierig die Weine gekühlt zu halten, aber ein sehr schöner Abend.

Auch in Württemberg ist die extreme Trockenheit ein allgegenwärtiges Thema. Die kleineren Regenschauer, die wir in den letzten Wochen an der Mosel hatten, fehlten dort komplett. Gestern kam allerdings die Erlösung für den Kollegen. Abends erreichte mich die freudige Nachricht per Mail:

“Hallo Harald,

innerhalb einer Stunde 50 Liter Wasser. Halle schwimmt. Alle Regenwasser-Tanks laufen über. Mussten am Haus die Hochwasser-Sperre anbringen!

Gruß

Reinhard”

Wie unser Weingut, liegt auch das Weingut Schäfer nahe am Fluss (Bottwar). Als Moselanlieger würde ich eher Bach sagen. Und wie das nun mal bei Flussanliegern ist, die zudem direkt im Talgrund liegen, gibt es mal leichte Überschwemmungen. Nicht meterhoch wie wir es an der Mosel gewohnt sind, aber plötzlich 15 cm Wasser in Hof und Halle sind ja auch schon was.

Für Reinhard ist auf jeden Fall die Sorge um die Trockenheit im Weinberg sehr schnell und ausreichend erledigt. Da nimmt er gerne die kleine Überschwemmung in Kauf.

Für uns ist das Problem mittlerweile auch kleiner geworden. Letzte Nacht gab es fast 20 Liter/qm Regen, kommende Nacht soll es auch noch regnen. Etwas Entspannung!

Ich hoffe und wünsche, dass genügend Regen für alle Winzer fällt, da die extreme Hitze und Trockenheit die Wasserreserven in ganz Europa schwinden lässt. Beispielsweise schreibt auch unser Kollege Bernhard Fiedler in Österreich über die Auswirkungen des Wassermangels.

Helix pomatia

2015-04-27 HelixZwei Regentage und Helix pomatia, auch schwäbische Auster genannt, ist aus dem Trockenschlaf aufgewacht und im Weinberg in der Naturbegrünung (Scharfer  Mauerpfeffer) unterwegs.

Ein Leckerbissen, der bis vor einigen Jahren noch für den Eigenverbrauch gesammelt werden durfte. Mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und das Sammeln ist natürlich verboten.

Wer trotzdem kulinarische Gelüste hat, kann sich die Weinbergsschnecken bei heimischen Schneckenzüchtern kaufen. Idealerweise – mit etwas mehr Arbeit verbunden – als Frischware, schockgefrostet oder im Gemüsesud.

Bei der Zubereitung bevorzuge ich die Variante mit Riesling:

800g Weinbergschnecken Frischware gereinigt
Olivenöl (reichlich), 5 Knoblauchzehen ,1 Bund Petersilie ,1 Glas Moselriesling, Salz, Pfeffer nach Geschmack

Das Öl mit den ganzen Knoblauchzehen und die zerkleinerten Petersilie mit den Schnecken in einen Topf geben. Etwa 3 bis 4 Stunden bei mittlerer Hitze zugedeckt dünsten. Nach der Hälfte der Garzeit den Weißwein zugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig garen und servieren.

Dazu frisches Baquette und ein Glas vom gleichen Riesling, der auch im Kochtopf gelandet ist. Es müsste ja noch etwas in der Flasche sein.

Weinrallye 79: Wein trinken an schönen Orten

Thomas vom Winzerblog hat zur aktuellen Weinrallye aufgerufen:

“Es ist nicht mehr normal in der Öffentlichkeit eine Flasche oder ein Glas Wein zu trinken, es kann passieren dass man schräg angeschaut wird, oder noch schlimmer, dass das beispielsweise in bestimmten Stadtteilen das Ordnungsamt vorbeikommt, dir den öffentlichen Weingenuss verbietet und ein Bussgeld auferlegt. Völlig Absurd, aber in einigen Orten und Städten bereits traurige Realität.
Wein trinken an schönen Orten soll zeigen dass Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit nicht zwangsläufig mit Sauferei zu tun hat und dass es das normalste auf der Welt ist an einem schönen Ort ein Glas Wein zu genießen. Wir wissen ja alle, der wahre Genuss von Wein hat viel mehr damit zu tun in welcher Gesellschaft und welcher Umgebung der Wein genossen wird!”

Ich habe schon lange nicht mehr an einer Weinrallye mitgemacht. Aber das Thema passt so richtig und natürlich wird mitgemacht.

Aber was heißt mitgemacht. Wie es auch Thomas Lippert handhabt, muss ich nicht erst mit einem Gläschen, Korkenzieher und Weinflasche in die weite Welt ziehen, einen schönen Ort suchen und dort Wein trinken. Es ist fast Alltag, das ich und meine Freunde Wein an schönen Orten trinken. Ich berichtete schon mehrmals darüber.

2014-09-01 Terasse

Schöne Orte gibt es da viele. Bekannt die heimatliche Terrasse, um bei lauen Sommernächten ein Gläschen Wein zu  trinken, natürlich gut gekühlt.

2013-05-01 Wanderung

Bei Wanderungen mit Freunden ist der Riesling immer dabei. Mitten auf dem Wirtschaftsweg oder

auf einer Wiese am Wegesrand ein Gastgeschenk von Thomas Lipperts Arbeitgeber, dem Weingut Clauer in Heidelberg, genießen.

2012-05-01 Goldlay

Idealerweise der Wein, der genau da wächst, wo man z. B. an der Mosel gerade entlangwandert, wie hier der Reiler Goldlay Riesling oberhalb der Reiler Goldlay.

Und wenn man nicht in einem Weinbaugebiet ist oder kein anderer Wein in der Nähe ist, bringt man den Wein selber mit und die schönen Orte werden noch interesannter.

2013-12-15 Vesper

Zum Essen gehört Wein auch einfach dazu und

wenn man die Seele baumeln lässt und die Landschaft betrachtet, passt es auch.

Versuchen Sie es einmal, das mit dem Wein trinken an schönen Orten!