Weinernte 2016: Orakel?

2016-10-06-kristallkugel

Foto: Ralf Scholze

Vor der Ernte noch etwas orakeln, also in die Zukunft blicken. Den Blick in die Kristallkugel brauche ich nicht, dafür habe ich heute intensiv meine Weinberge besichtigt. Eher eine Prognose als ein Orakel.

Die Trauben erfreuen sich allerbester Gesundheit und sie schmecken hervorragend. Dürfte auch für den Wein gelten, der daraus entsteht. Zudem ist kühles, trockenes Wetter vorher gesagt. Ideal für unseren Riesling. Zudem habe ich in etlichen Weinbergen mehr Trauben gesehen, als ich nach dem sommerlichen Befall mit dem falschen Mehltau (Peronospora) geschätzt habe. Im gesamten erwarten wir eine unterdurchschnittliche Ernte.

Ganz entspannt werden wir am kommenden Montag, um 8.30 Uhr, mit der Weinernte 2016 anfangen. Wir freuen uns schon darauf!

arg gebeutelt

2016-09-01 UV SchädenSchon wieder werden wir Winzer vom Wetter arg gebeutelt. Die heißen Temperaturen der vergangenen Tage, in Verbindung mit einer sehr hohen UV Strahlenintensität, haben vor allem an Standorten mit Wasserstress zu massiven Sonnenbrandschäden geführt.

Je nach Wasserversorgung zeigen die Reben auf der Sonne zugewandten Seite der Rebreihe bisweilen massive Vergilbungen der Blätter – im Bild eine extremst betroffene junge Rebanlage eines Kollegen -.2016-09-01 SonnenbrandZusätzlich zeigt sich Sonnenbrand an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen. Etliche Beeren und Traubenteile welken ohne ersichtlichen Sonnenbrandbefall und sind für uns verloren.

Sehr hohe Temperaturen + extrem klare Strahlung + niedrige Luftfeuchtigkeit sind eine tödliche Kombination für die Trauben, die in den letzten sechs Wochen sich nicht an solche extremen Witterungsbedingungen gewöhnen konnten, wenn der Winzer nicht mit kulturtechnischen Maßnahmen gegengesteuert hat.

Da wir kurz nach der Rebblüte die Traubenzone entblättern – für uns eine sehr wichtige kulturtechnische Maßnahme -, wird die junge Beerenhaut durch das Licht abgehärtet und sie ist besser gegen diese Wetterunbilden geschützt. Leider nicht gänzlich.

Wir müssen die Mengenerwartungen nochmals nach unten korrigieren. Qualitativ ist immer noch alles möglich!

Wer hätte das gedacht…

2016-08-25 Trockenheit

Foto: Weingut Viermorgenhof

“Wer hätte vor 6 Wochen gedacht, dass die Bewässerungsanlage in diesem Jahr noch mal in Betrieb genommen werden muss?” schreibt  Kollege Daniel Molitor vom Weingut Viermorgenhof auf Facebook.

Während wir im Mai und Juni fast abgesoffen sind, gepeinigt mit großen Erosionsschäden und dem falschen Mehltau, war der Juli und August bisher von Trockenheit geprägt. Die wenigen Liter Regen die fielen, waren nicht der Rede wert.

Auf einigen, wenigen Standorten, also da, wo eine geringe Bodenmächtigkeit vorhanden ist, die Rieslingreben jung und ihre Wurzeln noch nicht tief gewachsen sind, sieht man Aufhellungen an den unteren Rebblättern.

Erste Anzeichen von Wasserstreß.2016-08-25 Wasserwagen

Foto: Weingut Viermorgenhof

Wer nun die Möglichkeit hat, kann die Reben bewässern. Unser Kollege hat direkt bei der Neupflanzung der Reben eine Tröpfchenbewässerung im Weinberg installiert (oberes Bild, die schwarze Rohrleitung unterhalb der Laubwand). Nun kann er im Bedarfsfall bewässern. Das Wasser muss mit dem Anhänger – leider gibt es keinen Wasseranschluss im Rebberg – den Berg hinauf gefahren werden und läuft über ein verzweigtes Rohrsystem in die Tröpfchenbewässerung.

Der Klimawandel hält uns Winzer dieses Jahr europaweit in Bewegung, gewaltige Spätfröste im April, Regen ohne Ende im Mai und Juni, Hagelunwetter im August und stellenweise beginnende Trockenheit. Ein Extrem jagt das andere…

Wetterkapiolen, die 4te: Weitere Schreckensbilder

2016-08-07 GoldlayWährend es bei uns in der Reiler Goldlay gut aussieht, hat andernorts das Wetter es nicht gut mit den Winzern und Landwirten gemeint.   2016-08-16 weingut-lorenz-at

Foto: Michi Lorenz, Weingut Lorenz

Am vergangenen Montag gab es heftige Hagelunwetter in der Steiermark, Österreich. Bei den ohnehin durch den Spätfrost stark geschädigten Weinbergen, ich berichtete hier und hier darüber, wurde der sehr kleine zu erwartenden Ertrag nochmals stark dezimiert.

“Ende April hat der Frost 90-95 Prozent vernichtet. Zum Glück trieb wieder was nach und wir konnten zumindest mit 30 Prozent rechnen. Der heutige Hagel hat auf 70 Prozent unserer Flächen zugeschlagen. Fazit: Ziemlich beschissen.”  so Michi Lorenz vom Weingut Lorenz.

Einen Videobericht zum Hagelereigniss in Östereich finden Sie hier bei der Kleinen Zeitung:

“20 Minuten Hagel: man war machtlos”
2016-08-18 Pressetext HagelHier finden sie den ganze Bericht

Einen Tag später traf es die Kollegen in der  südfranzösischen Region Languedos-Roussillon extrem heftig. Etliche hundert Hektar Rebflächen wurden von Riesenhagelkörnern vernichtet. Die Straßen mussten mit Radladern vom Eis befreit werden. Einen weiteren Bericht über das Hagelunwetter finden Sie hier.

Das ist sehr bitter für die Kollegen. Da sind unsere wetterbedingten Probleme mit dem falschen Mehltau (Peronospora) im Gegensatz dazu klein. Zumindest kann ich mich dagegen wehren.

Licht am Ende des Tunnels

2016-07-24 Traubenbefall sporulierend aus 2009

Foto: Archiv, Juli 2009

Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.  Ich glaube, dass wir es geschafft haben. Den Kampf gegen den falschen Mehltau (Peronospora) haben wir zwar nicht gewonnen, uns aber auch nicht kampflos ergeben.

Nach den ersten größeren Verlusten durch eine Infektion vor der Blüte, ich berichtete hier, gab es nach der Rebblüte eine weitere Infektion, die zusätzliche Trauben vernichtete. Im obigen Bild zu sehen, wie der Pilz junge Beeren befallen hat.2016-07-21 Lederbeeren

Mittlerweile haben sich die Spaltöffnungen der Beeren verschlossen. Der Pilz kann diese nicht mehr infizieren, er kann aber auch keinen Pilzrasen mehr bilden. Infizierte Beeren nennt man dann Lederbeeren, da diese lederartig eintrocknen. Zurzeit kann der Pilz nur noch wenig Unheil anrichten.

Junge Blätter können noch befallen werden und evtl. die Traubenstiele. Gottseidank, dass wir trockenes Wetter haben, das uns in unseren Bemühungen gegen die Peronospora unterstützt.

2016-07-25 Riesling

Wie groß der Schaden ist, kann ich noch nicht sagen. Ein zweites Problem ist die wetterbedingt schlecht verlaufene Rebblüte. Erkennbar an den sehr lockerbeerigen Trauben mit jungfernfrüchtigen Beerchen. Ich rechne mit einer unterdurchschnittlichen Erntemenge.

Bis jetzt haben wir sehr viel Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Riesig groß auch die Unterschiede in meinen eigenen Weinbergen. Rebstöcke gänzlich ohne Ertrag, daneben Rebstöcke gänzlich ohne Pilzbefall, Weinberge mit normalen Ertragserwartungen, 50 m weiter ein anderes Bild.

Kleinste Unterschiede, ein wenig kälter oder wärmer, ein Lüftchen mehr, das die Blätter trocknete, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quentchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und an welchen Tag der Winzer spritzen war, nebst weiteren Faktoren, haben über Erfolg oder Misserfolg entschieden.

Eine Gratwanderung über Messers Schneide, die wir nicht beeinflussen konnten.

Mein ruiniertes Nervenkostüm beruhigt sich so langsam wieder. Weitere katastrophale Wetterbedingungen kann ich für dieses Jahr nicht mehr gebrauchen.

mentale Vorbereitungen

2016-06-29 Peronospora2

Der heimtückische Peronosporapilz (falscher Mehltau), ich berichtete hier und hier, hat auch bei uns zugeschlagen. Seit Anfang der Woche sieht man auf der Blattoberseite vermehrt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.2016-06-29 PeronosporaAuf der Blattunterseite dann der Pilzrasen von dem weitere Infektionen ausgehen. Bis jetzt sind wenige Blätter befallen. 2016-07-01 Pero2

Im Rebstock sieht es einiges übler aus. Bei stark wüchsigen Reben mit dichtem Blätterwerk finden wir viele vertrocknete Trauben, die schon vor der Blüte befallen waren und mittlerweile, ohne sichtbaren Pilzbefall, eingetrocknet sind.2016-07-01 PeroJunge Beeren, mit einem Pilzrasen überzogen habe ich beim Riesling noch nicht gesehen, in unserem kleinen Rivanerweinberg jedoch leicht zu finden.

Zurzeit treffen wir mentale Vorbereitungen für die kommende Ernte: Jetzt schon geistig auf eine nicht so üppige, vielleicht kleine, oder sogar sehr kleine Ernte vorbereiten.

Seit zwei Tagen sind die Weinbergsböden, nach wochenlanger Regenperiode, endlich wieder abgetrocknet und problemlos befahrbar. Das Wetter hat sich auch verbessert. Trotzdem heißt es aufgepasst. Durch die vielen infizierten Blätter und Trauben ist ein gewaltiges Sporenpotenzial in den Weinbergen.  In den letzten Tagen habe ich mit dem Laubsauger die Rebblätter aus der Traubenzone gezupft, damit diese besser durchlüftet wird und Feuchtigkeit besser verdunsten kann. Zudem können dann die junge Träubchen optimaler mit unseren Pflanzenpflegemitteln benetzt werden, um weiteren Pilzbefall (hoffentlich) zu verhindern.

Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!!

2016-06-24 Tau

Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!! So die Warnmeldungen der Agrarberatung in der Pfalz. Lagenweise ist dort schon ein massiver Traubenbefall erfolgt. An der Mosel ist es noch etwas ruhiger. Bislang konnte ich zwar immer noch keinen Befall unserer Rieslingreben mit dem falschen Mehltau feststellen, aber wir sind immer noch sehr angespannt. Beim Rivaner sieht es anders aus. Erste befallene Rebblätter habe ich schon gefunden. Der Sommer ist noch nicht vorbei und jetzt, kurz nach der Rebblüte, sind die jungen Beerchen in ihrer anfälligsten Phase. Sehr empfindlich und durch das sehr starke Wachstum wird der Spritzmittelbelag ganz schnell verdünnt und muss in sehr kurzen Abständen erneuert werden. Einen sehr guten Beitrag zu diesem Thema finden Sie im Blog vom Weingut St. Antony, Rheinhessen.

Leider spielt das Wetter auch nicht mit. Ein stabiles Hoch ist nicht in Sicht. Extreme Luftfeuchte verhinderte letzte Woche tagelang das Etikettieren. Minimalste Temperaturunterschiede lies die Flaschen beschlagen und durch die extreme Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit trockneten diese tagelang nicht. 2016-06-20 Hagel

Etwas Hagel gab es auch schon. Gott sei Dank wurden nur etliche Rebblätter durchlöchert. 2016-06-24 Quelle

Mittlerweile sind wir im Besitz einer eigenen Quelle. In einem Weinberg im Burger Hahnenschrittchen hat sich im Vorgewende ein “kleiner” Bach gebildet. Ärgerlich nur, dass in diesem Bereich die Befahrbarkeit mit der Weinbergsraupe nicht mehr gegeben ist. Aber das ist das kleinste Problem, das wir im Moment haben.

Etwas Entspannung

2016-06-16 Blüte

Mittlerweile sind wir etwas entspannter – aber nur etwas – was die Pilzkrankheiten im Weinberg betrifft. Ich berichtete hier. Nächste Woche ist weitestgehend trockenes, sommerliches Wetter gemeldet. Unsere Weinberge sind bisher immer noch befallsfrei. Ob der Pilz in den letzten Tagen in die Rebe eindringen konnte, wissen wir noch nicht, da er erst sichtbar wird, wenn die Inkubationszeit abgelaufen ist. Noch bin ich guter Dinge. Vielleicht hatte ich bisher Dummenglück, unsere Weinberge stehen an der richtigen Stelle oder unser Weinbergsmanagment hat mit einem Quäntchen Glück zur bisherigen Befallsfreiheit geführt.

Jetzt muss noch die Rebblüte gut überstanden werden. Trocken soll es werden, also eine geringere Gefahr, dass die extrem empfindlichen Beerchen vom Peronosporapilz befallen werden. Die Temperaturen sollen steigen und die Wasserversorgung der Reben ist ja bekanntermaßen auch optimal. Das müsste eigentlich gut gehen.

Übelst

2016-06-15 Regen

Übelst spielt uns das Wetter mit. Seit über zwei Wochen Regen, Regen, Regen. Täglich immer wieder massive Regenschauer, die uns Schutz im Auto suchen lassen. Die Böden aufgeweicht bis zum geht nicht mehr, beim Fahren mit dem Kettenschlepper gib es eine Schlammschlacht und die Mosel hat auch schon wieder den unter unserem Haus gelegenen Parkplatz überschwemmt. Von der zeitweisen 100%igen Luftfeuchtigkeit ganz zu schweigen.

So langsam bekomme ich Muffensausen.  Die gefürchtete Pilzkrankheit Peronospora, auch falscher Mehltau genannt, bedroht uns. Vielleicht noch schlimmer als vor einigen Jahren, als es vereinzelt Totalschäden gab.

Die ersten Schreckensmeldungen laufen bereits über den Ticker:

“Die Situation ist zum Teil dramatisch. Am schlimmsten betroffen sind die Gebiete entlang des Rheins in Rheinhessen, Südliches Wonnegau, Zellertal, Worms und rund um Grünstadt. Desweiteren in Pfälzer Lagen in der Ebene, weniger am Haardtrand. An der Mosel und im nördlichen Rheinhessen zeigen sich erste Infektionen….
In den beschriebenen Extremgebieten überlagern sich die Infektionen und seit gestern sporulieren die vorhandenen Ölflecke. Teilweise sind komplette Blätter weiß, was so bisher noch nicht beobachtet wurde. Gescheine sind teilweise getroffen, manche Anlagen zeigen bereits jetzt Totalausfall. In dieser Woche ist keine Entspannung in Sicht, da es weiter nass bleibt.”

so unsere Ökoberaterin Beate Fader Anfang der Woche in ihrem Rundschreiben. Von den konventionell arbeitenden Winzern hört man ähnliches.

Etliche Kollegen sind von Totalausfall der Ernte bedroht. Auch an der Mosel gibt es schlechte Nachrichten. Unsere Reben sehen zwar “noch” sehr gut aus. Bis jetzt habe ich erst ganz wenige befallene Blätter gesehen, aber ich gehe davon aus, dass es bedeutend mehr werden wird. Wenn es nicht aufhört zu regnen, könnte es auch bei uns katastrophal werden.

“Es regnet gerne, wo es schon nass ist”

2016-06-01 Krobach

„Es regnet gern, wo es schon nass ist.“ besagt eine althergebrachtes Sprichwort. Der Anfang war letztes Wochenende mit 100l Regen über Nacht und einem wild gewordenen “Bach”. Die Erosionsschäden sind gewaltig. Die Wasserrinne, die eigentlich das Wasser unbeschadet zur Mosel leiten sollte, hängt frei in der Luft. Daneben das “Neue Bachbett”, das sich Metertief in den Nachbarweinberg eingegraben hat. Die Weinbergserde teilweise in die Mosel gespült, der Rest versperrt zwei Weinbergswege, die noch unpassierbar sind.

2016-06-02 HochwasserWeitere Unwetter, insbesondere in der Eifel, haben die Mosel über die Ufer treten lassen. Bootsstege sind nicht nutzbar, die Terrassenwirtschaft (links im Bild) hat auch geschlossen. Nach ersten Prognosen vor zwei Tagen, die sich doch nicht bewahrheiteten, sollte die Mosel sogar die Uferstraße überfluten.

In den Weinbergen sind die Böden extrem nass. Überall läuft noch Wasser aus den Weinbergen in Richtung Mosel. In einem meiner Weinberge gibt es sogar eine kleine Quelle..

Zumindest gehen wir mit maximal wassergesättigten Böden in die Sommermonate. Das Rebenwachstum wird bei den gemeldeten warmen Temperaturen ungebremst verlaufen und uns jede Menge Arbeit im Weinberg verschaffen.