Flaschengeklapper
6. März 2010
Ein kleines Wackelvideo vom Abfüllen der ersten 2009er Rieslinge. Demnächst käuflich zu erwerben.
Ein kleines Wackelvideo vom Abfüllen der ersten 2009er Rieslinge. Demnächst käuflich zu erwerben.

Unser Holzfaßkeller ist als Kulisse bei Fotografen sehr beliebt. Bei Weinkunden als Andenken an den Weingutsbesuch, für Profis als Hintergrund für die örtlichen Weinköniginnen oder das karnevalistische Dreigestirn.
Ralf Scholze besuchte mich diese Woche und fotografierte weingefüllte Gläser vor den Holzfässern. Aber nicht das Glas war das Ziel, die Spiegelung des dahinter liegenden Weinfasses im Weinglas sollte eingefangen werden. Ein sehr gutes Beispiel finden sie hier. Interessant war, dass er noch ausschließlich analog, also mit klassischem Diafilm, arbeitet. Nebenbei bekam ich noch einige Fotografiertipps die ich als Amateur sehr gut gebrauchen kann.

Durch Hochdruckreiniger und CIP Reinigung fast verdrängt: Die klassische Faßinnenreinigung mit der Faßbürste. Durch das Mannloch in das Faß reinschlüpfen und mit Bürste und Wasserschlauch reinigen.

Das Wissen, wie man in solch ein Faß reinkriecht und insbesondere auch wieder herauskommt, wurde gestern an unsere Azubine weitergegeben.
Apropos: In den letzten Tage haben wir den jungen Wein von der Grobhefe abgezogen, jede Partie probiert und sind äusserst zufrieden mit der Qualität des neuen Jahrgangs.

Schon seit Jahren wollte ich dieses Holzfaß entsorgen. Es war schon seit längerer Zeit des öfteren undicht gewesen. Mittels Holzfaßdichte (Fasstalg) wurde immer wieder der Dichtigkeit nachgeholfen, damit kein Wein verloren ging. Da mir nun das Risiko zu groß wurde, wandert das über 50 Jahre alte Faß in den Ofen und wird im Winter sicherlich für etliche Stunden die gute Stube wärmen. Die eisernen Reifen werden als Ersatzreifen für die noch vorhandenen Fässer aufs Lager gelegt.

Endlich war es soweit. Unser Riesling-Weinessig ist vergoren und konnte heute filtriert werden. Vor der Filtration musste noch mit einem Küchensieb die letzten Reste der Essigbakterien (Acetobacter Orleanensis), die sogenannte Essigmutter, abgeschöpft werden, damit der Filter nicht verblockte. Morgen wird abgefüllt und dann steht unser Salatriesling, hergestellt mit der klassischen Oberflächenvergärung (Orleans-Verfahren), wieder für den Verkauf bereit.

In den vergangenen Tagen sind die letzten Weine abgefüllt worden. Das Verkaufssortiment ist nun wieder komplett.

Zeit die Weinliste zu schreiben und an die Kunden zu senden. Klassisch, per Briefpost mit einer echten Briefmarke. Gottseidank gibt es seit längerer Zeit selbstklebende Marken. Auch in Zeiten des WEB 2.0 für uns ein wichtiges Marketininstrument um über unsere Weine zu informieren.
Ab Dienstag in den Briefkästen meiner Kunden.

Die Abfüllmaschine läuft bei uns den ganzen Tag ununterbrochen. Das Mittagessen wird am Weinfass in Stehimbissmanier zu sich genommen. Hirschkeule mit Rotkohl und Bratkartoffeln: Da könnte ich jeden Tag abfüllen und meine Mittagspause am Fass verbringen.

Die Basisqualitäten in der Literflasche wurden in den letzten Tagen abgefüllt und sind wieder käuflich erwerbbar.

Große Hilfe gab es beim Abfüllen vom kleinen Hennes, der bei uns zu Gast war. Erinnert mich an die eigenen Kinder, die, als sie noch klein waren, beim Wein abfüllen bespaßt werden mußten, Kreidezeichnungen auf Kellerboden und Weinfässer malten, Chaos verursachten und anderen Blödsinn machten.

“Für die Abfüllung ist ein Tag eingeplant, wird hart genug, wir haben dann ein extremes Pensum zu absolvieren. Es darf nichts passieren, ansonsten werden wir die ganzen Sorten nicht bewältigen können an einem einzigen Tag.”
So schreibt Thomas Lippert in seinem Winzerblog über die Vorbereitungen zum Abfüllen. Wunschgedanken. Meistens geht was schief. Bei uns machten die Staplerbatterien schlapp und das Ladegerät mußte bemüht werden.

Letzte Woche wurden die jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Faßboden abgesetzt hat, abgezogen. Der junge Wein reift nun mit der Feinhefe weiter.
Wenn ich mal Zitieren darf:
“Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sonderen eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeituger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.”
Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost
Natürlich wurden auch alle Weine probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die Rieslinge machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

Ein Teichmolch hatte sich in unseren Weinkeller verirrt. Kurz bevor er mit den Stapler überfahren wurde entdeckte unser Lehrling das Tierchen. Nachdem der Molch eingefangen und in Nachbars Garten verfrachtet war, konnte wieder weiter gearbeitet werden.