Weinernte 2010: Jungweine

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Einige Rieslingweine sind noch an gären. Das Blubbern der aus den Fässern entweichenden Gährungskohlensäure bildet den “musikalischen” Hintergrund bei Kellerarbeiten.

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Des öfteren verkosten wir nun die jungen Weine, um den neuen Jahrgang geschmacklich zu erfassen und die Reifeentwicklung zu verfolgen. Bernhard Fiedler, unser Kollege aus Österreich, hat das Probieren der Jungweine hier sehr schön beschrieben, so das ich der Einfachheit halber auf seinen Artikel verweise.

Die noch hefetrüben 2010er Rieslinge zeigen sich mommentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik und eine frische Säure, die sehr gut eingebunden ist. Ich denke, dass ich im Weinberg und im Weinkeller alles richtig gemacht habe, um das Maximum an Qualität in diesem Jahr in die Fässer zu bekommen.

Weinernte 2010: Nebenprodukte

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Heute wurden die eingemaischten Rieslingtrester in die Destille gefahren. In den ausgepreßten Traubenschalen ist noch jede Menge Fruchtzucker, der bei Vergärung Alkohol bildet. Tresterbrand, in Italien Grappa oder in Frankreich Marc genannt, wird übernächste Woche aus dem Destillierapperat herauslaufen. Der Destillateur unseres Vertrauens ist Hans-Joachim Schmidt aus Tr.-Trarbach/Wolf, der dafür sorgt, dass der Vorlauf und der Nachlauf sauber vom Herzstück getrennt wird. Das Herzstück des Brandes ergibt den wohlschmeckenden Tresterbrand, der Vor- und Nachlauf mit seinen Fuselölen wird zum Teil an die Zollverwaltung anstatt Branntweinsteuer abgegeben, der Rest zu Industriealkohol (?) verarbeitet.

Weinernte 2010: Wir sind Öchslekönig!

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Mit der Analyse kam gestern morgen die Gewissheit, dass wir für dieses Jahr den Titel “Öchslekönig” tragen dürfen.  Irgentwas so um 300 Grad Mostgewicht. Mein Labor hatte vergessen das Mostgewicht zu errechnen und gab nur den Zuckergehalt am. Sage und schreibe 675 gr. pro Liter. Oder anders ausgedrückt wäre es nach vollständiger Vergärung 39 % vol Alkohol.

Scherz beiseite,  es ist nur unser eingedickter Traubensaft, in Italien mosto cotto oder Saba genannt. Ein Mostkonzentrat, das zum Würzen dient und die Basis für unseren Riesling-Balsamessig ist. Ein zähflüssiger Sirup, der goldbraun aus dem Schlauch läuft.

Wären wir beim nächsten Schritt der Balsamessigherstellung: Wie kommt der Essig in den Balsam? Das habe ich bei meiner Recherche auch gefragt. Eigentlich tut sich bei solch hohen Zuckerkonzentrationen nichts! Rein gar nichts! Mikroorganismen haben aufgrund des hohen osmotischen Druckes keine Überlebenschance. Schon mal eine gärende Marmelade gesehen? Nur dann, wenn nicht genügend Zucker drin war. Vielleicht schaffen Hefen es noch minimal Alkohol zu produzieren, aber sicherlich nicht genügend, damit dann die Essigbakterien daraus den gesetzlichen Mindestsäuregehalt von 6 % fermentieren könnten. Also ein Ammenmärchen oder Hoax, der immer wieder erzählt wird und natürlich auch im Internet zu finden ist?

Bei uns jedenfalls ist gestern der seperat vergorene Rieslingessig  zum Balsam gekommen. Die Säure wurde auf 6% eingestellt und der Riesling-Balsamessig liegt nun in zwei kleinen Holzfässern, eins aus Eiche, das andere aus Maulbeerbaum. Nun beginnt die Reifezeit, die sich unendlich ausdehmen lässt. Wasser verdunstet durch das Holz und der Inhalt konzentriert sich weiter auf. Je länger desto besser, keinP rodukt für schnelle Herstellung und Umschlag. Das Original aus Italien ist bis zu 25 Jahre alt. Aber so lange will ich nicht warten, ich will selbst noch etwas davon haben…

Weinernte 2010: Auf der Suche…

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Wie gemalt, das morgentliche Moseltal im Nebel. Landschaftsprägend sind die bei der Moselkanalisation angepflanzten Pappeln. Während die Sonne es morgens schwer hat, gegen den Nebel anzukämpfen,

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leuchten die Wolken abends in den schönsten Farben beim Sonnenuntergang.

Zeit für den Winzer auf die Suche zu gehen. Ebenso wie mein Kollege Reinhard Schäfer aus dem Bottwartal in Württemberg, mit dem ich gestern telefonierte,  bin ich auf der Suche nach dem Jahrgang, der allerorten prophezeit, herbeigeredet oder mies gemacht wird und wurde.  Von einem problematischen Jahrgang ist die Rede, von schlecht und ganz schlecht, der Säuregehalt der Trauben wird hochgespielt, als ob es ausschließlich unreife, grasegrüne Trauben gegeben hätte und die Säure das alleinige Geschmackskriterium ist. Ferndiagnosen, teilweise im Vorfeld der Ernte.

Natürlich es war kein einfacher Jahrgang. Die Natur war in der Vegetationperiode nicht ganz einfach, der August und September zu kalt und nass. Wer aber seine Hausaufgaben in Weinberg und Keller gemacht hat, wird dieses Jahr gegenüber den anderen belohnt.

Die viel zitierte hohe Säure, unreife Trauben oder die frühe, massive Fäulniss suche ich noch bis heute. Es ist bedauerlich, dass im Vorfeld schon eine Ernte in Grund und Boden geredet wird.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber man muß ihn auch nicht schon zu Mittag verdammen.”

Die selektive Ernte hat eine Menge Arbeit gekostet, die weggeworfenen faulen Trauben taten natürlich weh,  etliche Überstunden wurden im Keller gemacht. Aber es hat sich gelohnt. Die gärenden Moste und die beiden schon vergorenen Weine schmecken sehr gut und fruchtig. Es wird nicht wie letztes Jahr, auch nicht wie vorletztes Jahr, es wird ein gutes Jahr. Wie ich schon öfter in diesem Blog geschrieben habe, sind schlechte Jahrgänge abgeschafft. Schlicht und einfach! Klimaerwärmung sei dank! Leider.

Dieses Jahr war ein Jahr für die, die ihr Handwerk verstehen. Die Laubarbeiten, die Bodenpflege, nein, das ganze Kulturökosystem Weinberg zu optimieren, bei der Ernte das Negative auf den Boden zu werfen, aus dem Positiven das Maximum an Geschmack, welches in der Traube ist, zu formen und nach Möglichkeit verlustfrei in die Flasche zu bekommen. Aber das dauert ja noch etwas.

Viel Geschrei in den Medien. Aber das gleiche gilt auch andersrum, wenn mal wieder ein Jahrhundertjahrgang ausgerufen wird und da gibt es dann auch noch Handwerker die es auch dann nicht schaffen, aus dem besten Traubengut vernünftige Weine zu machen.

 

Nachtrag, 27. Oktober:

In diesem Zusammenhang empfehle ich unbedingt den Blogeintrag von meinem Kollegen Bernhard Fiedler vom gestrigen abend, den ich vollstens unterstützen kann und voll zustimme: Ohrenbetäubendes Schweigen

Weinernte 2010: Eingetütet

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Wieder eine Weinernte geschafft.  Bei schönem Herbstwetter konnten gestern die letzten Rieslingtrauben in der Reiler Goldlay geerntet werden. Durch die vorhergegange selektive Ernte hingen fast ausschließlich gesunde Trauben an den Rebstöcken.

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Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Opa Reinhard, Chefin Marita, Praktikantin Kornelia, unser Töchterchen mit Ferienkind Polly, Azubine Kerstin und Jonas (v.l.n.re im Bild) sowie Tante Marlene, Margit, Freddy, Valentin, Sophie, Daniel, Oma Edeltrud, Thomas, Elke und Christoph.

Weinernte 2010: Großkampftag, Nachbarschaftshilfe und anderes

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Gestern war Großkampftag.  Angesichts des für heute und die nächsten Tage gemeldeten regnerischen Wetters wurden sämtliche verfügbaren Erntehelfer mobilisiert.

Fahren war angesagt! Zuerst die leeren Kisten mit dem Kettenschlepper im Weinberg verteilen, dann gefüllt aufsammeln und rasend schnell mit Traktor und Anhänger zur Weinpresse, da die im Weinberg verbliebenen Kisten binnen kürzester Zeit gefüllt waren und die Erntemannschaft die frisch entleerten Kisten dringend benötigte. Keine Gelegenheit für mich auch nur eine einzige Traube zu ernten.

Unsere Freunde und Kollegen, die wir bei der Ernte der früher reifenden Rebsorten unterstützen, halfen uns wie immer im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. Kollege Thomas entleerte mit affenartiger Geschwindigkeit die Erntekisten bevor es wieder zurück in den Weinberg ging.

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Bisher gab es noch keine größeren Pannen. Einige Erntekisten zeigen deutliche Alterungserscheinungen und werden wegen erhöhter Verletzungsgefahr ausgemustert, bei meiner Weinpumpe brannte der Motor durch und ich kann das ganze Teil wegwerfen. Na ja, hat schon fast dreissig Jahre auf dem Buckel und sein Geld verdient. Gottseidank hatte ich noch eine ähnliche Pumpe von meinem Onkel geerbt, die nach einer kurzen Reinigung einsatzbereit war.

Mir geht es blendend bis auf die allgemeine herbstliche Mattigkeit und den chronischen Schlafmangel, die neuen Weine gären gemütlich vor sich hin, werden täglich verkostet und schmecken. Bin fast zufrieden.

Weinernte 2010: 1/2 Freude?

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Freude bereitet das alltägliche Weinbergsessen.

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Jeden Tag etwas anderes, sehr leckeres, aus der schnellen Küche um die Erntemannschaft zu motivieren. Freude bereiten die sehr gesunden Trauben. Ebenso sind wir über die Qualitäten erfreut.

1/2 Freude bereitet lediglich die Erntemenge. Es gibt wenig, ganz wenig!  Wie überall in Deutschland und in weiteren Weinbauländern hat das kalte Blütewetter zu einer geringen Bestäubung geführt, der heiße  trockene Julig verringerte nochmals die Quantitäten und einiges faulte uns in den letzten Wochen auch noch weg.

Getreu dem alten Winzerspruch  „Wenn man annimmt, es gibt weniger, dann gibt es noch weniger!“ wird der 2010er sehr knapp werden. Eine kleine Weinernte wie seit Jahrzehnten nicht mehr, wie auch Thomas Lippert und Bernhard Fiedler berichten.

Weinernte 2010: Winzerfreundliches Langeunterhosenwetter

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Es wird endlich kühler, richtig kühl kalt. Morgen soll es in die Nähe des Gefrierpunktes gehen. Endlich die ersehnten Temperaturen, die die Fäulniss aufhalten können. Ist uns aber mittlerweile fast egal. Nachdem wir einige Tage in unseren Weinbergen vorsortiert hatten, leider ist viel verworfen worden, hängen nur noch gesunde Rieslingtrauben in den verbliebenen Weinbergen.

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Nachdem sich in den letzten Tagen der talfüllende Nebel gelichtet hatte,

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hatte man die schönsten Ausblicke auf die Mosel und das vergilbende Reblaub der Weinberge.

Weinernte 2010: Botrytis cinera

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Wir hatten heute herrliches Erntewetter in der Reiler Goldlay.

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In der Goldlay sind zwei Weinberge komplett geerntet, die anderen vorgelesen und nur noch gute Trauben hängen an den Rebstöcken.

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Das diesjährige Problem heißt Botrytis cinera, der Grauschimmel. Durchaus erwünscht, bzw. ein absolutes Muss  zur Herstellung hochwertiger Auslesen, Süßweine und Dessertweine. Dann wird sie als Edelfäule bezeichnet.

Bei weniger reifen Trauben und/oder frühzeitigen Auftreten gibt es massive Probleme. Durch die Niederschläge in den beiden vergangenen Monaten waren die Beeren bis zum Platzen mit Saft gefüllt. Die Beerenhäute wurden zeitgleich mürbe. Die hohe Luftfeuchtigkeit der letzten Wochen beschleunigte das dünn werden der Beerenhaut und führte zum Aufplatzen der Beeren.

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Rasend schnell machte sich Botrytis breit. Dieser perforiert normalerweise die Beerenhaut, Wasser verdunstet und der Beereninhalt konzentriert sich. Bei hohen Temperaturen und der gerissenen Beerenhaut kommen noch andere Schadpilze zum Zuge, die äusserst unangenehme Nebenwirkungen auf den Wein haben. Zu einen wird die Weinqualität sehr stark vermindert, zum anderen sind Stoffwechselprodukte einiger dieser Pilze nicht gerade gesundheitsfördernd.

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Wir müssen noch einen Erntetag in unseren Burger Weinbergen vorlesen: Die schlechten auf den Boden, die Aufgeplatzten und frisch vom Botrytispilz befallenen Trauben in die Erntekiste und dann haben wir hoffentlich noch viele gesunde Trauben an den Rebstöcken hängen, die noch weiter reifen können. Vielleicht gibt es dann ja frische Edelfäule, die, in Verbindung mit kühlem Wetter, uns eine Auslese aufkonzentriert.

Ein Pilz, der eine gute Seite und eine schlechte Seite hat. Eine Hassliebe wie Winzerkollege Armin Kobler in seinen Blog schreibt.

Weinernte 2010: Der Most schmeckt!

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Während gestern die ersten Trauben gepresst wurden, fand ich noch Zeit meine Holzfässer richtig aufs Fasslager zu legen und auszurichten. Trotz Herbsthektik wurden sie wie immer sorgfältig  mit Hilfe einer Schnur in Reih und Glied ausgerichtet.

Die ersten beiden Weinberge sind abgeerntet. Die mürben Trauben hätten die nächsten Tage nicht gesund überstanden. Die derzeit sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei hohen Temperaturen fördert Schadpilze, die äussert negativ für den späteren Weingeschmack sind. Die analytischen Eckwerte sind bis auf die knackige Säure sehr gut, und ganz wichtig, der Most schmeckt! Fruchtig, klar und aromatisch, was auf eine gute Weinqualität schließen lässt.

In den nächsten Tagen werden angeschlagene, mürbe Trauben vorgelesen und selektiert. Dann dürften nur noch gesunde Trauben in den Weinbergen hängen die noch weiter reifen können. Die Wetterlangzeitprognose verheißt kühles Wetter mit niedriger Luftfeuchte. Genau das, was ich in meinem vorgestrigen Blogeintrag als winzerfreundlich bezeichnet hatte. Hoffentlich trifft die Prognose zu, denn sonst könnte es ein Turboernte wie 2006 werden, als wir durch die drohende Fäulnissgefahr binnen weniger Tage alles abernten mussten.