Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

26. Juni 2011

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Minutiös war letzte Woche alles geplant: Weinbergsarbeit, Weinflaschen etikettieren, Kundenbesuche im Weingut usw. Der Nasse Boden machte des öfteren einen Strich durch die Rechnung und dann, als logische Konsequenz, kam es dann ganz anders und zweitens als man denkt.

Gestern waren die Böden soweit abgetrocknet, das ich wieder problemloser mit dem Raupenschlepper den Laubschnitt fortführen konnte. Eine Leckage an einem der Hydraulischen Antriebsmotoren des Laubschneiders ließ mich anhalten um der Sache auf den Grund zu gehen. Durch Festziehen einer Reduzierhülse wollte ich den Ölverlust verhindern. Die Hülse saß schon fest – durch einen Haariss leckte es – und nach fest kommt bekanntlich ab und ich hatte den Salat als ich den Schraubenschlüssel ansetzte. War natürlich Samstag und keine Ersatzteile zu bekommen.

Wühlschäden

24. Juni 2011

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Kaum ist man aller Probleme durch durch die Frühjahrstrockenheit enthoben, tauchen schon die nächsten auf. Dieses Mal sind es nicht die Wildschweine, die den Boden aufwühlen. Das war ich selbst.

Fast täglicher Regen lässt den Boden aufweichen und bei den unbedingt nötigen Fahrten mit dem Kettenschlepper gibt es Probleme. Die Begrünung wird durch die durchdrehenden Ketten beschädigt. Wenn es bei über 60% Steigung richtig steil wird, buddelt sich die Raupe ein und nix geht mehr. Den Berg wieder runter fahren und in der nächsten Rebzeile auf neue das Glück herausfordern.

Ganz schlimm ist es in den Weinbergen, in denen ich mir vom Bauunternehmer Erde aufs Bankett anfahren gelassen habe. Hätte ich besser sein gelassen. Ist purer Lehm und extrem schmierig bei Feuchtigkeit. Bei der Einfahrt in die Rebzeile schmiert man ab und es geht bergab wie Schmidts Katze. Bei der Bergfahrt hingegen, so ganz kurz vor der waagerechten am Weg, hilft dann weder ein Vater unser noch ein Ave Maria damit man die letzten Zentimeter schafft.

Sollte der Boden mal wieder richtig abgetrocknet sein, werde ich die Wühlschäden mit der Kreiselegge  einebnen. Ich vermute jedoch, das Handarbeit angesagt ist um den Boden zu glätten.

Stockentlastung

4. Juni 2011

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Zur Zeit sind wir bei den Laubarbeiten, also dem einschlaufen der grünen Triebe in den Drahtrahmen. Ganz gemütlich. Das Wachstum der Rebstöcke ist sehr langsam geworden, teilweise stehen geblieben. Geschätzte 20 bis 40 cm weniger Trieblänge wie es dem Entwicklungsstand so kurz nach der Rebblüte entsprechen würde. In unseren jüngeren Weinbergen findet man an einzelnen Reben des öfteren wassermangelbedingter Kümmerwuchs. Zu Entlastung dieser Rebstöcke wurden die Fruchtruten abgeschnitten, damit die Assimilationsfläche vermindert wird und die Pflanze überlebt.

Man hört nicht gutes von Kollegen. Es gibt beängstigende Nachrichten über dramatische Auswirkungen dieser Trockenperiode. Gerade jetzt wäre Wasser sehr nötig, da in den jungen Beeren das Größenwachstum beginnt und ohne Wasser gibt es keine großen Trauben. Die Metereologen sagen in ihren Prognosen zwar ständig reichliche Niederschläge voraus, aber je näher diese Vorhersagen zeitlich kommen, desto geringer wird der gemeldete Niederschlag und löst sich anschließend in heisser Luft auf.

Nachtrag 05. Juni morgens:

Kaum hat man gejammert und geschrieben kam der Regen gestern Nacht. 10 Liter waren gemeldet und nun gab es 15 Liter. Mal schauen, was von den nächsten gemeldeten Niederschlägen denn wirklich zu Boden kommt.

Newsletter No. 3: Das erste deutsche Vinocamp, Hintergründe und Angst macht sich breit

30. Mai 2011

 

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Über das Internet, bzw. das Web 2.0, kennt man die bloggenden Kollegen schon länger und nun ist persönliches Kennenlernen angesagt.  Am 18. und 19. Juni ist ein Weinbloggertreffen in der Weinuni Geisenheim angesagt. Ein sogenanntes BarCamp, im Weinbereich natürlich Vinocamp genannt. Ich freue mich schon, die Personen, die man aus dem virtuellen Leben kennt, in natura kennen zu lernen.

Beim Vinocamp gibt es keine Teilnehmer, sondern nur Mitwirkende! Ein BarCamp ist eine offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selber entwickelt werden. Es wird von jedem Teilnehmer erwartet, das er aktiv am Geschehen teilnimmt. Das Vinocamp ist keine Konferenz auf der einfach Wissen konsumiert wird, es wird getauscht und geteilt, geben und nehmen. Meine Aktivitäten konzentrieren sich auf den ökologischen Steillagenweinbau und die Kellertechnik.  Mit Iris und Karl-Josef zusammen werde ich zu diesen Themen referieren und mit den Teilnehmern diskutieren.

Der von uns angebotene Ausbildungsplatz  als Winzer steht kurz vor der Besetzung. Mehrere junge Menschen absolvierten in den letzten Wochen ein Kurzpraktikum in unserem Weingut. So lernte ich die Arbeitsweise, die Motivation und das Sozialverhalten kennen.  Diese Woche noch eine Kandidatin und nächste Woche wird entschieden wer die Lehrstelle bekommt. Kerstin, meine jetzige Azubine, wird in vier Wochen die Gesellenprüfung machen und dann in die rauhe Arbeitswelt entlassen.

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Der erst letzte Woche abgefüllte Mosto Cotto hat schon Freunde gefunden. Die Musterflasche, die in der Probierstube stand, wurde kurzerhand von einem Freund entführt und zurück kamen zwei Gläser Rhabarberchutney mit Mosto Cotto. Passt hervorragend zu Käse.

Wir haben zur Zeit drei Wochen Vegetationsvorsprung. Der Riesling ist am blühen. Die Rahmenbedingungen sind sehr gut, so das eine gute Befruchtung zu erwarten ist.

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Nachdem am 4. Mai in weiten Teilen Deutschland die Reben mehr oder weniger erfroren sind, ist die derzeit herrschende Trockenheit das beherrschende Thema und macht uns Angst. Es soll der trockenste Frühling seit 1893 sein. Wir hatten zwar das Riesenglück das am 20. Mai ganz regional in Reil 23 Liter Regen fielen, aber die Reben dürsten weiterhin nach Wasser. Das Längenwachstum der Triebe ist stellenweise stark vermindert und das Laub verfärbt sich gelblich. Es gibt Standorte an der Mosel, bei denen sogar alte Rieslingreben mit entsprechend tiefen Wurzeln, unter massivem Wasserstreß leiden und die Situation dramatisch wird. Etwas Regen ist in den nächsten 24 Stunden gemeldet, die lang erhoffe Entspannung wird es nicht sein. Die Situation dürfte weiterhin sehr kritisch bleiben und macht uns Angst.

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Rebblüte

23. Mai 2011

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Die Rieslingblüte hat eingesetzt. Dies ist der früheste Blütebeginn seit es Aufzeichnungen gibt. Der Entwicklungsvorsprung zum langjährigen Mittel beträgt etwa 20 Tage.

Das ist nicht unbedingt gut. Für die Aromaausbildung der cool climate Pflanze Riesling sind kühle Nächte während der Reifephase wichtig. Je früher die Blüte, desto wahrscheinlicher ist es, das die Reifezeit in den August mit warmen Nächten fällt. Aber was jammere ich: Jahre mit einer frühen Blüte waren immer gute Weinjahre.

Wichtig sind jetzt warme Temperaturen damit die Trauben gut verblühen und danach Regen für alle Winzer, damit die Trauben an Größe zulegen können.

Endlich!!!!

21. Mai 2011

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Gestern Abend die ersten Tropfen, fast Zeitgleich kam eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes per Mail.  Von 25 Liter je qm und leichtem Hagel war die Rede. Nach einer Stunde hatte es 23 Liter geregnet und der Hagel ist ausgeblieben. Unsere größten Sorgen haben sich damit vorerst erledigt. Leider war das Gewitter nur regional, im Nachbarort gab es schon einiges weniger, in anderen gar nichts. Von Kollegen hört man nichts gutes. Junge Rebanlagen auf flachgründigen Standorten leiden massiv unter der Trockenheit und Schäden sind schon jetzt absehbar. Fürs erste sind wir zufrieden, aber der Sommer mit heißen Tagen  kommt ja erst. Morgen soll es wieder Gewitter geben, hoffentlich für alle und ohne Hagel.

Große Sorgen

11. Mai 2011

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Anfang Mai und die Reben sehen aus wie bei einer Julihitzeperiode.  Die letztes Jahr gepflanzten Rieslingreben, die mühsam mit Wassergaben aufgepäppelt wurden, zeigen schon massive Trockenstreßanzeichen. Die Triebspitze hat sich gestreckt. In einigen Tagen wird sicherlich die Gelbfärbung der Blätter erfolgen und die Triebspitze wird verdorren.

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In etwas älteren Weinbergen ist das Triebwachstum schon schwächer geworden. Die Laubfärbung geht ins gelbliche über, da durch den Wassermangel keine Nährstoffe aus dem Boden aufgenommen werden können.

Die Sorgen werden größer und damit zu großen Sorgen und das schon zu Beginn der Vegetationsperiode. Die ganz jungen Reben kann ich ja noch wässern, aber der Rest? Die Mosel anzapfen? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Mal abgesehen davon das mir die benötigten Wasserrechte nicht gehören, die Mosel hat nicht genügend Wasser. Durch die Stauhaltung sieht es so aus als ob genügend drin wäre, aber es kommt einfach nichts nach.

Wenn alle Winzer zum Bewässern Moselwasser nehmen würden, lägen die Schiffe auf dem trockenen und hier bei uns in Reil wäre sicherlich das Flussbett ausgetrocknet, da die Kollegen moselaufwärts sich reichlich bedient hätten. Also doch hoffen und beten das der Himmel in den nächsten Tagen seine Schleusen öffnet.

Spätfrost

9. Mai 2011

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Da ich einige Tage ausser Haus war, nun ein Bild der Frostschäden der letzten Woche. Es sieht arg aus. Nach der ersten ganz groben Schätzung,  habe ich mir heute unseren Rivanerweinberg nochmals angesehen.  Geschätze 70 bis 80 % der Triebe sind erfroren und mittlerweile vertrocknet. Tröstlich ist, dass es nur unsere winzige Rivanerparzelle betroffen hat.

Massive Spätfrostschäden sind in ganz Deutschland und Österreich entstanden, eine genaue Schadensbilanz wird es sicherlich erst in den nächsten Tagen geben.

Sorgen

2. Mai 2011

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Während es sich bei dem derzeit herrschenden Hochdruckwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel herrlich auf der Terasse bei einem Glas Moselriesling sitzen läßt, mache ich mir große Sorgen.

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In einigen Weinbergen fängt die Begrünung schon an zu welken. Die Begrünungen sehen mickrig aus. Das Bodenwasser wird so langsam knapp und die Reben haben erst gerade begonnen zu wachsen. Die letzte Woche gemeldeten Gewitter sind ausgeblieben, morgen soll es sogar Bodenfrost geben, der in tieferen und weniger guten Weinlagen vielleicht zu Schäden führen kann.

Gegenüber dem langjährigen Mittel sind ca. 70% weniger Niederschläge in diesem Jahr gefallen. Da wünscht man sich, das das diesjährige Januarhochwasser gleichmässiger übers Jahr verteilt wäre.

Das Vegetationsjahr fängt mal wieder spannend an.

Nachtrag 04.05.2011:

Heute morgen gab es einen Spätfrost, der zu bedeutenden Schäden führte, siehe Kommentare zu diesem Artikel und ein Bericht von Dirk Würtz zu diesem Schadensereigniss.

Ausbrechen

1. Mai 2011

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Die ersten Laubarbeiten, das Ausbrechen der unerwünschten Triebe am Rebstamm, haben begonnen. Nachdem im jungen Alter der Reben der Rebstamm formiert wurde, mein Kollege Bernhard berichtet hier darüber, sind nun Stammaustriebe unerwünscht. Der Stamm hat die Aufgabe als Leitungs- und Speicherorgan zu dienen und zudem würden Stammtriebe, die nach oben wachsen, die Laubwand verdichten und Pilzkrankheiten fördern. Zeitgleich wird das unterste Heftdrahtpaar auf den Boden abgelegt. Wenn die Rebtriebe lang genug sind, werden diese wieder nach oben gehängt und die Reben zwischen den Drähten fixiert.

Nicht besonders rückenfreundlich diese Arbeit, da in gebückter Stellung  die Triebe per Hand entfernt werden.