Klimaturbulenzen

2017-08-28 Daniel Molitor Sonnenbrand Riesling

Foto: Daniel Molitor

Schon vor einiger Zeit berichtete ich über beginnende Fäulnis beim Riesling. Mittlerweile hat sich noch  Sonnenbrand dazugesellt.

Durch die schwächere Wüchsigkeit unserer Rieslingreben im Steilhang und unsere Kulturmaßnahmen, die dagegen helfen, ist der Befall mit Fäulnis und Sonnenbrand noch sehr klein.

Bei wüchsigen Weinbergen auf fruchtbaren Böden in der Ebene sieht die Situation ganz anders aus. Dort wird schon von der Agrarberatung gewarnt, dass evtl. eine Noternte stattfinden muss. Auch wir werden Vorbereitungen für eine schnelle Weinernte treffen, hoffen aber, das diese nicht notwendig sein wird.

Ein Hagelsturm vor einer Woche in Rheinhessen hat dort etliche Rebflächen verwüstet und die Trauben dermaßen geschädigt, dass eine umgehende Noternte notwenig ist, bzw. schon teilweise durchgeführt wurde.

Im Bordeaux, Frankreich, vernichtete ein Hagelsturm ebenfalls große Weinbergsareale.2017-08-24 vertrocknete Rebe Marken, Italien

Ganz anders die Situation im südlicheren Italien. Massive Trockenschäden an den Reben sind schon von Weitem erkennbar. Im Extremfall sind sogar die Reben verdorrt.

2017-08-28 Armin Kobler SüdtirolAnders die Situation in Südtirol, Norditalien. Mein Kollege Armin Kobler berichtete mir bei einem Gläschen Wein. Wie bei uns an der Mosel übermäßige Niederschläge im Juli und August, die zu einen stärkeren Befall der Blätter mit der Peronospora geführt hatten. Die Trauben, da lockerbeeriger wie unser Riesling, noch sehr gesund, aber vor zwei Wochen leider auch Hagel…

Die diesjährigen Klimaturbulenzen haben es in sich. Europaweite Spätfröste, extreme Trockenheit, gebietsweise hohe Niederschläge ab der zweiten Jahreshälfte und nun diese Hagelunwetter. Erste europaweite Ernteschätzungen  gehen von erheblichen Mindererträgen im Weinbau aus.

Das Klima ändert sich und extreme Wetterlagen nehmen zu. Leider gibt es immer noch einige Klimawandel-Skeptiker, die sich trotz der Wetterereignisse – nicht nur in Europa – nicht davon überzeugen lassen, dass der Klimawandel real ist.

Nachtrag 31.08.2017

Zum vertiefen in die Materie der Klimaänderung im Weinbau, empfehle ich folgenden Artikel (in Englisch):

In Italy’s Drought-Hit Vineyards, the Harvest of a Changing Climate

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

2017-08-08 gequetschte Rieslingbeeren, am faulen

Vor einigen Wochen habe ich noch gejubelt, dass die sehr gut verlaufene Rebblüte einen gewissen Ausgleich für die im April entstandenen Frost- und Fraßschäden bringen könnte. Ebenfalls jubelte ich, als vor einem Monat endlich die sehnlichst erwarteten Niederschläge fielen, die die latente Trockenheit des ersten Halbjahres beendeten.

Mittlerweile werde ich zum Bedenkenträger. Die sehr gute Blüte mit der mittlerweile mehr als ausreichenden Wasserversorgung – gegenüber dem langjährigen Mittel fielen im Juli ca. 60% mehr Niederschläge –  hat zu sehr kompakten Rieslingtrauben geführt. Dort findet man immer wieder Beeren, die sich gegenseitig kaputt gedrückt haben und am faulen sind. Es ist noch ein kleines, ein sehr kleines Problem in unseren Weinbergen. Bei trockenem Wetter schrumpfen diese Beeren ein, ohne die gesunden Nachbarbeeren zu infizieren.

Also hoffen wir jetzt auf trockenes Wetter…

Gurkentruppe

2017-07-31 WiesengräserdermatitisEtwas lädiert sehen momentan meine Helfer aus. Gepeinigt von einer Wiesengräserdermitis sind sie zu einer Gurkentruppe mutiert.  Sie würden gerne volle Leistung geben, können aber nicht.2017-07-31 Pastinake BlütePastinak ist unter anderem daran beteiligt. Er enthält wie z.B. Angelica archangelica oder Riesenbärenklau (Herculesstaude)  Furocumarine, die mit UV Strahlung zusammen die Wiesengräserdermatitis verursachen.

Vor Jahren hatte ich schon einmal Probleme damit. Dieses Mal war es aber  so schlimm, dass beide zum Arzt mussten. Teilweise ist es vergleichbar mit Verbrennungen zweiten Grades.

Ab jetzt wird beim Mähen per Hand im Unterstockbereich ausschließlich mit Ganzkörperschutz, also lange Hose, Langarmhemd und Arbeitshandschuhe gearbeitet.

Warten

2017-07-25 Auseinandergebautes Lager

Schon seit längerer Zeit machte der Laubschneider seltsame Geräusche. Seit zwei Tagen kenne ich die Ursache, als die Geräusche bedrohlich wurden. Ein kapitaler Lagerschaden an der Antriebswelle nebst Lagergehäuse. Aus die Maus mit dem Laubschnitt.

Warten auf die Ersatzteile, die, wenn man es eilig hat, immer einen Tag im Versand länger brauchen als normale  Bestellungen.

Neue Innovation

2017-07-22 Drohne Pflanzenschutz Mosel

Matthias Porten von der Agrarberatung hatte zu einer Maschinenvorführung geladen, exclusiv für die  Ökowinzer. Der Quirlige und sehr kreative Agrarberater stellte uns sein neues Projekt vor: Pflanzenschutz mittels einer Drohne im ökologischen Weinbau.

Insbesondere der Pflanzenschutz im Steilhang, oftmals ohne Wegeerschließung und mit terrassierten Weinbergen, stellt den Winzer vor große Probleme. Die Handhabung eines Hochdruckschlauches mit Spritzpistole ist extrem arbeitsaufwendig und sehr anstrengend, der Einsatz eines normalen Hubschraubers ist mittlerweile durch die Abtrifft und die Geräuschentwicklung in der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert.

Vor der Vorführung gab es umfangreiche Erläuterungen über die Applikationsqualität und die rechtlichen Bedingungen, die eingehalten werden müssen. Wobei die rechtlichen Bedingungen, also Genehmigungen, max. Fluggewicht, Konzentration und Zulassung der verwendeten mineralischen und organischen Mittel im ökologischen Anbau, nebst den entsprechend notwendigem Papierkram mir doch etwas übertrieben vorkamen.

Film: Weingut Arns

Mit einer Fernbedienung – sah kinderleicht aus – steuerte der Pilot die Drohne in geringer Höhe über die Rebzeilen. Leise, da elektrisch betrieben, und fast keine Abtrifft. Das ganze Equipment passt zudem in einen etwas größeren PKW-Kofferraum.

dengeln

2017-07-14 Sense dengeln

Die Hauptarbeiten im Weinberg sind größtenteils erledigt. Zeit um die Nebenarbeiten zu erledigen. Der Azubi soll in den nächsten Tagen mit der Forst- bzw. Heidesense im Unterstockbereich einiger Weinberge störenden Bewuchs absensen. Muskelschonender und schneller als mit dem Freischneider und natürlich ökologischer.

Vorab die übliche Vorbereitung der Sense: das Dengeln.  Mit einem alten Dengelapperat wird das Sensenblatt in einem schmalen Streifen entlang der Schneidkante (der Dengel) ausgezogen und verdünnt und somit geschärft. Der Azubi wurde in diese alte Technik des Sense schärfens eingewiesen und anschließend gab es noch eine Arbeitsunterweisung in der Handhabung der Sense.

ein Problem weniger

2017-07-10 RegenmesserErfreulich der Blick auf den Regenmesser!

In den letzten Tagen gab es bislang über 50 Liter Regen und aktuell fällt noch weiterer Regen vom Himmel. Größtenteils als Landregen, ein Teil als harmloses Gewitter, das keine weiteren Schäden verursacht hat.

Das Problem mit der Trockenheit hat sich fürs Erste erledigt und die Rieslingtrauben müssen können nun ordentlich dick werden.

kreiseln

Da in jungen Rebanlagen die Begrünung eine sehr starke Konkurrenz zu den Reben darstellt, wurde heute in unserer 2-jährigen Riesling Junganlage die natürliche Begrünung mit der Kreiselegge entfernt, bzw. unterdrückt. Im sogenannten Unterstockbereich, also da, wo die Kreiselegge nicht arbeiten kann, erledigte der Azubi per Hand diese Arbeit.

Man sieht sehr schön die unterschiedlichen Wachstumslängen der Rieslingreben. Trockenheitsbedingt nicht so hoch gewachsen oder im April erfroren und die später ausgetrieben Knospen haben etliche Wochen Wachstumsverzug.

Erbsengröße

2017-06-29 Riesling, erbsendickDie Rebblüte ist bei optimalem Wetter vor drei Wochen sehr gut gelaufen, fast alle Blüten wurden bestäubt. Die Rieslingtrauben sind richtig dick geworden. Erbsengröße nennt das der Winzer. 2017-06-29 Regenmesser

Mittlerweile gab es auch etwas Regen, der die derzeit anhaltende Trockenheit abmildert. Reichlich ist es nicht – ein Mehrfaches wäre nötig, um den Boden zu durchfeuchten – aber es hilft den Reben. Ein kleineres Gewitter wäre nett, natürlich ohne Hagel  und extreme Niederschläge, aber leider haben sich diese woanders ausgeregnet.

Wir hoffen, dass die Trauben auch davon profitieren und richtig groß werden, damit die Verluste durch den Frost und den Rhombenspanner ausgeglichen werden.

Kurz vor knapp

2017-06-19 Riesling TriebspitzeKurz vor knapp sind die Wasserreserven für den Riesling. Die diesjährigen geringen Regenfälle machen sich bemerkbar.

Die Bodenwasservorräte sind stark zusammengeschrumpft. In vielen Weinbergen sieht man schon die ersten Anzeichen von Trockenstress. Das Längenwachstum der Reben hat nachgelassen. Dort, wo die Bodenmächtigkeit gering, bzw. das Wasserhaltevermögen klein ist, gibt es schon Blattaufhellungen und man sieht schon Triebspitzen, die sich gerade aufrichten und ein Ende des Rebwachstums signalisieren.

Vorbeiziehende Gewitter in den letzten Wochen regneten sich wo anders aus.

In unserer zweijährigen Junganlage haben wir den jungen, leidenden, Rieslingreben schon Wasser gegeben.

2017-06-19 Reil Promenade an der Mosel

Wasser aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung zu entnehmen und mittels Traktor und Fässern in den Weinberg zu fahren ist extrem kostenintensiv und arbeitszeitaufwendig. Frei zugängliche Brunnen in der Nähe gibt es auch nicht.

Könnten wir doch nur die Mosel dauerhaft anzapfen. Fest verlegte Steigleitungen in die Weinberge mit entsprechender, Wasser sparender Tröpfchenbewässerung. Leider aufgrund rechtlicher Probleme momentan nicht machbar.

So 42 Kubikmeter Moselwasser pro Sekunde laufen momentan (Daten von heute Morgen) durch das Moselkraftwerk an der Staustufe in Enkirch. Dazu kommen noch grob geschätzte 4 Kubikmeter pro Sekunde, die für die ca. 20 Schleusungen der Schiffe täglich benötigt werden.

Rechnen wir mal mit ungefähr der halben Moselrebfläche – so grob 5000 ha – die bewässert werden müssten. Bei anhaltendem Wassermangel jede Woche einmal bewässern mit je 8 – 12 Liter je Rebstock. Wieder grobe Annahme mit 4000 Rebstöcken je ha.

Rechnen können Sie, lieber Leser, selbst. Müsste eigentlich noch einiges übrig bleiben für die Schifffahrt. Zumindest jetzt noch.

Wenn es dann so richtig trocken wird, wie z.B. 1976, einem extremen Trockenjahr, als am Pegel Cochem, ende Juni nur noch 10 Kubikmeter je Sekunde in Richtung Rhein flossen, dann ist nix mehr für die Bewässerung im Weinbau übrig.