Geschafft, März 2006

Geschafft! Die Winterarbeit ist weitgehend
getätigt. Der Rebschnitt und das Anbinden der Fruchtruten ist
erledigt. Das erste Zeichen der kommenden Vegetationsperiode: Die
Reben fangen an zu „bluten“, klarer Saft tritt an den
Schnittwunden aus und tropft auf die Erde.

Der lange Winter in diesem Jahr bescherte
uns sogar Anfang März noch viel an Schnee. Ungewohnte 15 cm fielen
innerhalb einiger Stunden: Eine in unserem schneearmen Weinbaugebiet
enorme Schneehöhe, die zum Schlittenfahren einlud.

Jetzt freuen wir uns allerdings darauf, dass der Frühling sich
ankündigt und die Landschaft grün wird.

Nun ist wieder Zeit für andere Dinge, die die letzten Wochen
liegen geblieben sind.

z. B. Das Anschrauben unserer neuen Weinbergsschilder.

Ein Blick in unsere Werkstatt.

Dort werden unsere Kellerei- und Weinbaumaschinen gewartet und repariert.

Einige Anbaugeräte für unseren Kettenschlepper habe ich
selbst gebaut. Sogenannter „experimenteller Maschinenbau“.
Wenn die Maschine das erste mal im Einsatz war und die Schweißnähte
gehalten haben und das vom Schrottplatz erhaltene Eisen stark genug
war, dann war es eine gute Konstruktion.

Strukturwandel, Februar 2006

Im Briedeler Nonnengarten vor 70 Jahren:
Romantische Pfade führen durch die Weinberge. Die Weinberge sind
nur per Fuß zu erreichen. Maschinen gab es nicht. Die Weinbergsarbeit
wird ausschließlich per Hand gemacht. Es gab Kühe, die
Transportaufgaben erledigten, soweit Wege vorhanden waren.

Die Flurbereinigung in den 70er, mit Wegebau und Zusammenlegung kleiner
Weinberge zu großen Weinbergen, veränderte die Landschaft.

Mittlerweile verändert sich die Landschaft wieder: Durch den anhaltenden
Strukturwandel, werden immer mehr Flächen, insbesondere in den
qualitativ wertvollen Steillagen, aufgegeben.

Im obigen Bild sind die aufgegebenen
Flächen dunkler eingefärbt.

Auch wir sind davon betroffen! Durch die zunehmende Anzahl nicht bewirtschafteter
Weinberge, sogenannte Drieschen, wird unsere Arbeit im Nonnengarten
erschwert. Wildschweine, die bei uns eine Landplage sind, traubenfressende
Vögel und Pilzkrankheiten (Schwarzfäule, Roter Brenner) machen
uns dort das Leben schwer. Daher werden wir diese Lage aufgeben und
uns auf die Weinberge in Reil und Burg konzentrieren.

Obige Anzeige spricht Bände. Als
ich vor 25 Jahren mit dem Weinbau anfing, wurden für gute Lagen
bis zu 100,- DM pro qm bezahlt. Und jetzt bekommt man Weinberge schon
geschenkt.

Von über 12 000 ha Rebfläche
an der Mosel sind bis heute nur noch 9 000 ha übrig geblieben und
der Flächenrückgang geht weiter.

Die Sache mit dem Plopp, Januar 2006


Schöne Geräte, diese alten Korkenzieher, wichtig für das “Öffnungsritual” beim Weintrinken. Doch bald nutzlos? Kein ploppen mehr beim Öffnen von Weinflaschen?

Der Naturkork, seit über 300 Jahren zum Verschließen von Weinflaschen verwendet. Ist er vielleicht vom Aussterben bedroht?

Der Grund ist der Korkgeschmack: Die Ursache ist der Kork. Es fängt mit Unsauberkeit in der Produktion an, also schon Befall des Rohmaterials im Ursprungsland durch Schimmelbildung auf der Korkrinde, gefolgt von einer Vielzahl von komplizierten und noch nicht gänzlich erforschten Vorgängen. Am Ende steht das von Mikroorganismen gebildete TCA (Trichloranisol), welches extrem geruchsstark ist. Ein Fingerhut voll davon in den Bodensee und das Schwäbische Meer hat Korkgeschmack! Doch welche Alternativen gibt es?


Die einfachste Lösung wäre es, das ganze aus „Plastik“ zu machen. Hier ein schönes Modell in giftgrün. Doch weit gefehlt, so einfach ist das nicht. Dieser Korkersatz erfordert mehr Arbeit. Er muss z.B. vorher temperiert werden, damit er sich besser zusammenpressen und in die Flasche schieben lässt. Diese Alternative kommt dem Wein nicht unbedingt zugute, da dieser Verschluss viel Sauerstoff durchlässt und so die damit verschlossenen Weine viel zu schnell altern. Von den Weichmachern im Kunststoff ganz zu schweigen. Und so viel Plastik? Das ist überhaupt nicht ökologisch!

Der gute alte Schraubverschluss! In dieser einfachen oder in einer edleren längeren Form eine sicherlich gute Verschlusstechnik für Wein. Allerdings müssten wir unsere Maschinen für viel Geld umrüsten und dieser Verschluss ist wie auch der Kunststoffkork nicht recyclingfähig. Das Gleiche gilt für den hier nicht abgebildeten Kronkork, dem zudem noch das Bierimage anhaftet.


Ein sehr guter Verschluss: Der Glasstopfen. Jedoch sehr teuer und von einer Aluminiumkapsel auf der Flasche festgehalten, die nicht unbedingt ökologisch zu verantworten ist.


Das Original! Unser guter alter Naturkork: Ein natürliches Material, recycelbar zu Dämmstoff, Korkfußboden und vielen anderen Dingen, leicht zu verarbeiten und kann dem Angriff feuchter Kellerluft besser widerstehen als die Alternativen aus Aluminium.

Was ist jedoch mit dem Korkgeschmack? In der Weinszene geistern Zahlen, die von bis zu 10% Korkgeschmäckern und mehr berichten. Wir sind von diesen Zahlen weit entfernt. Unser Korklieferant hat im Ursprungsland Portugal bei den dortigen Lieferanten bereits Qualitätssicherungssysteme aufgebaut, damit keine mikrobiologischen Verunreinigungen stattfinden können. Durch umfangreiche Eingangs- und Prozesskontrollen, insbesondere durch eine Analyse mittels „GasChromatograph/MassenSpektrometer“ werden die Korken sortiert. Wir verwenden die Korksortierung, die fast kein Risiko eines Korkgeschmackes mehr hat. Auszuschließen ist er natürlich nicht, aber er ist selten geworden. So werden wir vorerst beim Original, dem ökologisch korrekten Naturkorken bleiben.

Winter an der Mosel, Dezember 2005

Der Schnee hat die Landschaft in ein
bezauberndes weiß gehüllt. Die Arbeiten im Weinberg ruhen,
bis der Schnee wieder geschmolzen ist.

An kalten Wintertagen freut man sich,
neben der warmen Destille beim Schnapsbrenner zu sitzen und zuzuschauen,
wenn der eigene Tresterbrand destilliert wird.

Winterzeit, zum Teil auch Ruhezeit
für den Winzer. Zeit haben um in der Umgebung zu wandern und
sich die alten Bildstöcke in der Reiler Gemarkung anzusehen.

„Da stand – Tschingbumm!
– ein riesiges Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten: ein Faustschlag
aus Stein. Zunächst blieb einem der Atem weg.

Sah man näher hin, so entdeckte man, daß es ein herrliches,
ein wilhelminisches, ein künstlerisches Kunstwerk war. Das
Ding sah aus wie ein gigantischer Tortenaufsatz…“

Kurt Tucholsky, 1929

Aus der Ferne und bei Nacht betrachtet,
sieht es schon nicht mehr so mächtig und riesig aus: Das Deutsche
Eck in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, mit dem
Kaiser-Wilhem Denkmal.

Der Winter naht, November 2005

Die graue Jahreszeit beginnt. Doch der
Winzer freut sich. Neben den jetzt schon beginnenden Winterarbeiten,
zum Beispiel der Rebschnitt, wird der neue Jahrgang in Keller beobachtet,
probiert und gepflegt. Und da er gut ist, macht es Spaß, ab und
zu am Fass zu probieren.

Der junge Wein hat die Gärung hinter
sich. Die Weine sind noch hefetrüb, lassen sich aber schon sehr
gut probieren. Die „Mutter“ des Weines, die Hefe, gibt noch
einige Geschmacksstoffe an den Wein ab. Der Wein wird von der Hefe getrennt,
wenn sich die Hefe am Fassboden abgesetzt hat.

Eines unserer älteren Fässer:

Wie Sie aus dem eingebrannten Eichstempel ersehen können, wurde
dieses Fass 1951 mit 1033 l Inhalt geeicht. Die meisten alten Fässer
an der Mosel stammen aus den Nachkriegsjahren. Durch die zwangsweise
Bewirtschaftung von Wein nach dem 2. Weltkrieg, wurde Wein und Fass
an den Sieger ausgeliefert. Wenn man daher ein älteres Fass noch
findet, dann hatte das wohl in einem der Obrigkeit verschwiegenen Keller
gelagert….

Auch der Eigentümer des Fasses ist
eingebrannt: Wilhelm Steffens, sen. Das Weinfass wird in der dritten
Generation immer noch genutzt: Dauerhaftigkeit, überraschend in
unserer Wegwerfgesellschaft.

Aus den Jahr 2005 liegt nun eine der besten
Riesling-Spätlesen in diesem Fass und reift vor sich hin: Das Fuder
Nr. 0520.

Das Mosel-Fuder, eine traditionelle Bezeichnung
für das typische Moselfass: Rund, damit man es auch in gefülltem
Zustand noch rollen konnte und mit 1000l Inhalt.

Weinernte, Oktober 2005

Bei herrlichem Oktoberwetter ernten wir
unseren Riesling.

Die Landschaft erstrahlt in den schönsten
Herbstfarben.

Auch die Sonnenuntergänge haben
es in sich.

Als wir noch Kinder waren, erzählten uns unsere Eltern, dass die
Engel für Weihnachten backten…

So etwas können wir unseren Kindern
nicht mehr erzählen. Statt dessen gehen unsere drei Rabauken gerne
mit in die Weinernte.

Durch den warmen Altweibersommer und den
Goldenen Oktober sind die Trauben überaus reif, saftig und aromatisch.

Auf dem Sortierblech liegen rosinenartig
eingeschrumpfte Beeren, die nochmals handverlesen werden, um eine hochwertige
edelsüße Auslese zu erzeugen.

Die frischen ausgepreßten Trauben
(Trester) werden nach dem Keltern in eine Bütte luftdicht eingestampft.

Nach der Vergärung des in der Traubenschale
enthaltenen Zuckers wird daraus unser beliebter Tresterbrand destilliert.

Altweibersommer, September 2005

Der Altweibersommer bescherte uns
herrliches Wetter: Kühle Nächte und warme Tage. Genau
das, was die Rieslingtrauben zum Reifen brauchen.


Jetzt, Ende September, beginnen sich
die Rebblätter herbstlich zu färben. Die Rieslingtrauben
haben zur Zeit schon einen hohen Reifegrad und wir erwarten sehr
gute Qualitäten.

Während wir mit Vorfreude die
diesjährige Ernte erwarten, werden im Weinkeller die Holzfässer
gereinigt. Unser Praktikant Laszlo, der seit dem ersten September
bei uns ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, reibt
die frisch gereinigten Holzfässer mit einem Pflegeöl ein.

Feste feiern, August 2005

Weinfest, August 2005

Weinfest! Mit den Dorfvereinen wird
in einem festlichen Umzug die Weinkönigin mit Ihrer Prinzessin
abgeholt und zum Festplatz am Moselufer gebracht. An der Spitze des
Festumzuges gehen natürlich die Kleinen: Unsere Kindertanzgruppe.

Unsere Reiler Weinkönigin Ellen
eröffnet mit Ihrer Prinzessin Jacqueline das Reiler Weinfest.
Unterstützung bekamen die beiden durch weitere Weinköniginnen
aus den umliegenden Gemeinden.

Während unten im Tal gefeiert wird,
hat man oberhalb der Weinberge eine gute Aussicht ins Moseltal und
auf die angrenzenden Hügel von Hunsrück und Eifel.

Die Hauptwachstumsphase im Weinberg ist vorbei. Die Beeren sind schon
dick und werden in einigen Wochen anfangen zu reifen.

Die Blätter in der Traubenzone haben wir entfernt, damit die
Trauben gegen Pilzkrankheiten abgehärtet werden und in der Traubenschale
mehr Aroma eingelagert wird. Jetzt noch einen schönen Altweibersommer
und dann können wir uns auf die kommende Ernte freuen.

Rebblüte, Juni 2005

Zögerlich begann Mitte Juni die
Rebblüte

Die Blütenkäppchen werden
abgeworfen (links unten im Bild zu sehen), und danach ist die Rebe
(rechts) in der Vollblüte. Man sieht deutlich die Staubgefäße
und die Narbe. Die Rebe ist ein Selbstbestäuber.

Gleichzeitig mit der Rebblüte setzte
sehr warmes Wetter ein und führte zu einem schnellen Verblühen.
Die jungen Beeren wachsen sehr schnell.

Gewitterstimmung im Moseltal.

Im Juni hatte es nicht geregnet und wir wünschten uns für
die Reben ausgiebige Regenfälle. Die ergiebigen Regenfälle
kamen Ende Juni, allerdings ohne Hagel oder andere Wetterunbilden.

Die Weinberge sind ergrünt, Mai 2005

Die Reben hier in der Reiler Goldlay wachsen
schnell. Durch die Niederschläge der vergangenen Wochen ist der
Boden und somit auch die Reben gut mit Wasser versorgt.

In einigen Weinbergen haben wir neben anderen Begrünungspflanzen
auch Walderdbeeren stehen, die dazu verlocken, eine kleine Arbeitspause
einzulegen um sie zu kosten.

Zur Zeit widmen wir uns auch einem leckeren
Nebenprodukt unseres Weingutes. Wir vergären guten Riesling zu
Essig. In einem offenen Isolierbehälter wird bei 29 o Celsius der
Wein zu Essig vergoren. Die Essigbakterien (Acetobacter Orleanensis)
schwimmen an der Oberfläche und veratmen mittels Luftsauerstoff
den Alkohol zu Essig. Kleine Schwimmkugeln helfen der sogenannten Essigmutter,
an der Oberfläche zu bleiben und somit weiter atmen zu können.
Da die Bakterien sehr empfindlich sind, wird der Gäransatz stufenweise
so alle 2 Wochen vermehrt. Ostern hatten wir mit 500 ml angefangen und
jetzt sind es 80 Liter. Es werden noch einige Wochen ins Land gehen,
bis wir bei der Endgröße von ca. 500 Liter sind und der Alkohol
zu Essig vergoren ist.