Winter an der Mosel, Dezember 2005

Der Schnee hat die Landschaft in ein
bezauberndes weiß gehüllt. Die Arbeiten im Weinberg ruhen,
bis der Schnee wieder geschmolzen ist.

An kalten Wintertagen freut man sich,
neben der warmen Destille beim Schnapsbrenner zu sitzen und zuzuschauen,
wenn der eigene Tresterbrand destilliert wird.

Winterzeit, zum Teil auch Ruhezeit
für den Winzer. Zeit haben um in der Umgebung zu wandern und
sich die alten Bildstöcke in der Reiler Gemarkung anzusehen.

„Da stand – Tschingbumm!
– ein riesiges Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten: ein Faustschlag
aus Stein. Zunächst blieb einem der Atem weg.

Sah man näher hin, so entdeckte man, daß es ein herrliches,
ein wilhelminisches, ein künstlerisches Kunstwerk war. Das
Ding sah aus wie ein gigantischer Tortenaufsatz…“

Kurt Tucholsky, 1929

Aus der Ferne und bei Nacht betrachtet,
sieht es schon nicht mehr so mächtig und riesig aus: Das Deutsche
Eck in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, mit dem
Kaiser-Wilhem Denkmal.

Der Winter naht, November 2005

Die graue Jahreszeit beginnt. Doch der
Winzer freut sich. Neben den jetzt schon beginnenden Winterarbeiten,
zum Beispiel der Rebschnitt, wird der neue Jahrgang in Keller beobachtet,
probiert und gepflegt. Und da er gut ist, macht es Spaß, ab und
zu am Fass zu probieren.

Der junge Wein hat die Gärung hinter
sich. Die Weine sind noch hefetrüb, lassen sich aber schon sehr
gut probieren. Die „Mutter“ des Weines, die Hefe, gibt noch
einige Geschmacksstoffe an den Wein ab. Der Wein wird von der Hefe getrennt,
wenn sich die Hefe am Fassboden abgesetzt hat.

Eines unserer älteren Fässer:

Wie Sie aus dem eingebrannten Eichstempel ersehen können, wurde
dieses Fass 1951 mit 1033 l Inhalt geeicht. Die meisten alten Fässer
an der Mosel stammen aus den Nachkriegsjahren. Durch die zwangsweise
Bewirtschaftung von Wein nach dem 2. Weltkrieg, wurde Wein und Fass
an den Sieger ausgeliefert. Wenn man daher ein älteres Fass noch
findet, dann hatte das wohl in einem der Obrigkeit verschwiegenen Keller
gelagert….

Auch der Eigentümer des Fasses ist
eingebrannt: Wilhelm Steffens, sen. Das Weinfass wird in der dritten
Generation immer noch genutzt: Dauerhaftigkeit, überraschend in
unserer Wegwerfgesellschaft.

Aus den Jahr 2005 liegt nun eine der besten
Riesling-Spätlesen in diesem Fass und reift vor sich hin: Das Fuder
Nr. 0520.

Das Mosel-Fuder, eine traditionelle Bezeichnung
für das typische Moselfass: Rund, damit man es auch in gefülltem
Zustand noch rollen konnte und mit 1000l Inhalt.

Weinernte, Oktober 2005

Bei herrlichem Oktoberwetter ernten wir
unseren Riesling.

Die Landschaft erstrahlt in den schönsten
Herbstfarben.

Auch die Sonnenuntergänge haben
es in sich.

Als wir noch Kinder waren, erzählten uns unsere Eltern, dass die
Engel für Weihnachten backten…

So etwas können wir unseren Kindern
nicht mehr erzählen. Statt dessen gehen unsere drei Rabauken gerne
mit in die Weinernte.

Durch den warmen Altweibersommer und den
Goldenen Oktober sind die Trauben überaus reif, saftig und aromatisch.

Auf dem Sortierblech liegen rosinenartig
eingeschrumpfte Beeren, die nochmals handverlesen werden, um eine hochwertige
edelsüße Auslese zu erzeugen.

Die frischen ausgepreßten Trauben
(Trester) werden nach dem Keltern in eine Bütte luftdicht eingestampft.

Nach der Vergärung des in der Traubenschale
enthaltenen Zuckers wird daraus unser beliebter Tresterbrand destilliert.

Altweibersommer, September 2005

Der Altweibersommer bescherte uns
herrliches Wetter: Kühle Nächte und warme Tage. Genau
das, was die Rieslingtrauben zum Reifen brauchen.


Jetzt, Ende September, beginnen sich
die Rebblätter herbstlich zu färben. Die Rieslingtrauben
haben zur Zeit schon einen hohen Reifegrad und wir erwarten sehr
gute Qualitäten.

Während wir mit Vorfreude die
diesjährige Ernte erwarten, werden im Weinkeller die Holzfässer
gereinigt. Unser Praktikant Laszlo, der seit dem ersten September
bei uns ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, reibt
die frisch gereinigten Holzfässer mit einem Pflegeöl ein.

Feste feiern, August 2005

Weinfest, August 2005

Weinfest! Mit den Dorfvereinen wird
in einem festlichen Umzug die Weinkönigin mit Ihrer Prinzessin
abgeholt und zum Festplatz am Moselufer gebracht. An der Spitze des
Festumzuges gehen natürlich die Kleinen: Unsere Kindertanzgruppe.

Unsere Reiler Weinkönigin Ellen
eröffnet mit Ihrer Prinzessin Jacqueline das Reiler Weinfest.
Unterstützung bekamen die beiden durch weitere Weinköniginnen
aus den umliegenden Gemeinden.

Während unten im Tal gefeiert wird,
hat man oberhalb der Weinberge eine gute Aussicht ins Moseltal und
auf die angrenzenden Hügel von Hunsrück und Eifel.

Die Hauptwachstumsphase im Weinberg ist vorbei. Die Beeren sind schon
dick und werden in einigen Wochen anfangen zu reifen.

Die Blätter in der Traubenzone haben wir entfernt, damit die
Trauben gegen Pilzkrankheiten abgehärtet werden und in der Traubenschale
mehr Aroma eingelagert wird. Jetzt noch einen schönen Altweibersommer
und dann können wir uns auf die kommende Ernte freuen.

Rebblüte, Juni 2005

Zögerlich begann Mitte Juni die
Rebblüte

Die Blütenkäppchen werden
abgeworfen (links unten im Bild zu sehen), und danach ist die Rebe
(rechts) in der Vollblüte. Man sieht deutlich die Staubgefäße
und die Narbe. Die Rebe ist ein Selbstbestäuber.

Gleichzeitig mit der Rebblüte setzte
sehr warmes Wetter ein und führte zu einem schnellen Verblühen.
Die jungen Beeren wachsen sehr schnell.

Gewitterstimmung im Moseltal.

Im Juni hatte es nicht geregnet und wir wünschten uns für
die Reben ausgiebige Regenfälle. Die ergiebigen Regenfälle
kamen Ende Juni, allerdings ohne Hagel oder andere Wetterunbilden.

Die Weinberge sind ergrünt, Mai 2005

Die Reben hier in der Reiler Goldlay wachsen
schnell. Durch die Niederschläge der vergangenen Wochen ist der
Boden und somit auch die Reben gut mit Wasser versorgt.

In einigen Weinbergen haben wir neben anderen Begrünungspflanzen
auch Walderdbeeren stehen, die dazu verlocken, eine kleine Arbeitspause
einzulegen um sie zu kosten.

Zur Zeit widmen wir uns auch einem leckeren
Nebenprodukt unseres Weingutes. Wir vergären guten Riesling zu
Essig. In einem offenen Isolierbehälter wird bei 29 o Celsius der
Wein zu Essig vergoren. Die Essigbakterien (Acetobacter Orleanensis)
schwimmen an der Oberfläche und veratmen mittels Luftsauerstoff
den Alkohol zu Essig. Kleine Schwimmkugeln helfen der sogenannten Essigmutter,
an der Oberfläche zu bleiben und somit weiter atmen zu können.
Da die Bakterien sehr empfindlich sind, wird der Gäransatz stufenweise
so alle 2 Wochen vermehrt. Ostern hatten wir mit 500 ml angefangen und
jetzt sind es 80 Liter. Es werden noch einige Wochen ins Land gehen,
bis wir bei der Endgröße von ca. 500 Liter sind und der Alkohol
zu Essig vergoren ist.

Der Frühling ist da, April 2005

Die Reben beginnen durch die warmen Temperaturen
zu wachsen.

Von nun an bestimmt die Natur den Tagesrhythmus
des Winzers. Neben der Weinrebe wächst auch die vielfältige
Begrünung in den Weinbergen. Mit unserem Kettenschlepper mähen
die Begrünung in den Steillagen.

Unserem Freund und Hobbywinzer Michael
war vor vier Jahren in einem unwegsamen Weinbergsgelände eine
Trockenmauer eingestürzt. Nach langjähriger Handarbeit,
so ganz ohne Bagger und andere Hilfsmaschinen, wurde in einer Gemeinschaftsaktion
mit Freunden das Werk vollendet: Eine klassische Trockenmauer aus
Schiefer ohne verbindenden Mörtel.

Frühjahr an der Mosel, März 2005

Neben den wichtigsten Winterarbeiten
wie Rebschnitt und Binden werden in der kalten Jahreszeit alte Rebanlagen
für die Neuanpflanzung gerodet. Die alten Reben werden aus
phytosanitären Gründen verbrannt und die alten Pfähle
und Drähte fachgerecht entsorgt.

Nachdem Gesteinsmehle als Grunddüngung
gestreut wurden, wird der Boden durch einen seilgezogenen Rigolpflug
tief gelockert. Die jungen Reben können dann Ende April/Anfang
Mai gepflanzt werden.

In den vorjährig gepflanzten
Rebanlagen wird der Drahtrahmen erstellt, an dem sich die Reben
emporranken können.

Moselland ist auch Urlaubsland

So manch romantische Ecken kann man
in den Winzerdörfern der Mosel entdecken.

Oder vielleicht einmal mit einer der letzten Moselfähren das
Ufer wechseln, bevor diese durch eine Brücke ersetzt wird.Zur
Stärkung nach einem Urlaubstag gibt es neben dem Moselwein
ein reichhaltiges Angebot kulinarischer Köstlichkeiten und
regionalen Spezialitäten in der heimischen Gastronomie.

Winterzeit an der Mosel, Februar 2005

Winterzeit ist auch Hochwasserzeit. Bisher hatten wir
noch Glück. Die Mosel hat nur den tiefer gelegenen Parkplatz vor
unserem Weingut überschwemmt.

Da die Mosel uns bisher verschont hat, konnten die
Arbeiten im Weinkeller zügig vorangehen. Und so ist der Flaschenkeller
zur Zeit nicht mit Wasser gefüllt sondern mit 2004er Weinen, die
auch jetzt zum Verkauf bereit stehen.

Diese alte Dekorationsflasche aus Pappmaché
hat uns eine Berliner Freundin geschenkt.

Wiedererkannt? Wie sagt man heute? Bekannt durch Funk
und Fernsehen!

Wie unsere Freundin erzählte, stammt diese große Dekoflasche
aus dem alten Berliner Hotel Esplanade und soll schon mit Heinz Ehrhard
Filme gedreht haben. Zwar nicht die Hauptrolle, jedoch spielte sie sicherlich
eine wichtige Nebenrolle.

Nun hat sie ihren Platz in unserer Probierstube gefunden.