Vorfreude

Morgen gehts zur Intervitis/Interfructa: “Die” Messe für den Winzer und Kellermeister. Alle drei Jahre trifft sich in Stuttgart die halbe Europäische Winzerschaft um Neuheiten und Innovationen zu sehen und um sich direkt bei den Herstellern zu informieren. Unser Kollege Thomas Lippert vom Winzerblog wird von dieser Leitmesse in seinem blog ausführlich berichten.

Ich freue mich schon auf diesen Messebesuch. In aller Frühe werde ich mit Kollegen nach Stuttgart fahren um meine geplanten Besuche bei einigen Ausstellern zu absolvieren. Auch ich werde hier berichten, was es neues gab, welche Investitionen bei uns geplant oder getätigt werden.

Mähen

Gestern hatte ich alle Weinberge mit meinem Weinbergsmoped besichtigt, um einen Überblick über den Stand der Dinge zu bekommen. Durch die derzeit vorherrschende Trockenheit sind, bis auf eine Ausnahme, die Begrünungen noch sehr mickrig. Lediglich in einem kleinen Weinberg stand die Begrünung höher.

Also heute die Raupe mit Mähwerk geschnappt und die Begrünung gemäht, um die unproduktive Verschwendung von Bodenwasser zu verringern. Für die Reben steht im Untergrund noch genügend Wasser zur Verfügung. Ein ausgiebiger Landregen wäre mir jetzt allerdings viel lieber. Im April hat es keinen Tropfen geregnet und die klimatische Wasserbilanz ist schon mit 40 liter pro qm im Minus.

Tresterkompost

Es wurde nun auch Zeit. Unser Tresterkompost lag schon lange genug am Wegesrand. Zu feuchter Boden, dann ein Defekt an der großen Raupe und andere wichtigere Arbeiten verhinderten bislang das Einbringen in den Weinberg. So habe ich unserem kleinen, alten Kettenschlepper gut zugeredet damit er anspringt und ihm frisches Motoröl spendiert. Tadellos ist dann der Motor angesprungen und problemlos konnte der Kompost im Weinberg verteilt werden.

Austrieb

Durch die warmen Tage sind die Reben schon weit im Wachstum fortgeschritten. Es sind sicherlich über
14 Tage vor der normalen Zeit. Gut, das zum Ende der Woche wieder kühler gemeldet ist und das Wachstum sich verlangsamt. Wichtiger wie Sonnenschein und Wärme ist zur Zeit der Regen, der bisher leider ausblieb. Durch den Wassermangel wachsen die Begrünungen in unseren Steillagen nicht mehr. Auch eine nötige Bodenbearbeitung in unseren jüngeren Weinbergen ist nicht möglich, da der Boden hart wie Beton ist.

Kunst oder Pleitegeier?

Der Pleitegeier ist es sicher nicht, der im Weingut unseres Kollegen Thomas Müller steht. Ich würde es eher als Kunst betrachten. Einen passenden Stein am Moselufer suchen und mit Edelstahlresten vom Schrotthändler einen Vogel bauen. Kreative Filigranarbeit, mit den kräftigen Winzerhänden von Thomas zusammengefügt. Ich werde diesen Vogel mal bei Tageslicht fotografieren. Oder besser noch, den ganz großen Edelstahlvogel, der in einer anderen Ecke steht.

Versuchsweinberg

Als Teilnehmer am Forschungsprojekt “Strategien zur Regulation der Schwarzfäule
(http://www.bba.de/veroeff/popwiss/schwarzfaulerebe.pdf) im ökologischen Weinbau”, welches von der Biologischen Bundesanstalt in Bernkastel betreut wird, wurde heute in unserer Versuchsanlage der erste Spritzversuch gestartet. Meine Praktikanntin Judith besprühte das mehrjährige Rebholz mit Schwefelkalkbrühe. Dieses ekelhaft nach faulen Eiern stinkende Mittel soll die Überwinterungsform des Pilzes vernichten oder veringern. Genaueres werden wohl die Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt in den Sommermonaten herausfinden. Hoffen wir, das es uns hilft, die seit 2004 verstärkt auftretende Schwarzfäule ökologisch zu bekämpfen.

Knospenschwellen

Die Rebknospen sind in den letzten Tagen schon angeschwollen oder in der Wolle, wie wir Winzer sagen. In einigen Tagen wird bei dem gemeldeten warmen Wetter wohl der Austrieb erfolgen.
Anlaß für mich, in meiner Hausarbeit zur Winzermeisterprüfung mal nachzusehen. Die sogenannten Phänologischen (http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nologie) Daten des Rieslings, die ich damals vor über 20 Jahren dort notiert hatte, besagten, das das Schwellen der Knospen um den 15. April, der Austrieb im 10-Jahresdurchschnitt am 2 Mai erfolgte. Wir haben schon zwei Wochen Vegetationsvorsprung und die Arbeit in der Vegetationsperiode beginnt nun früher. Schade, ich hatte mich noch auf ein paar ruhigere Tage gefreut.

Das hat mal wieder gut geschmeckt

Auf Einladung von Freunden besuchten wir zum zweiten mal das Restaurant “Zum Eichamt” in Zell-Merl. Die Küche war wieder hervorragend und im Gegensatz zu anderen Lokalitäten gab es ein ganz anderes Speisenangebot als beim ersten mal. Nach einem Süppchen entschied ich mich für die Kaninchenkeule auf Tagliatelle mit Olivengemüse. Ein Tier, welches im Weinberg lebt und uns (etwas) ärgert. Sie wissen sicherlich zu meinem gespaltenen Verhältnis zu im Weinberg lebenden Tieren.
Schmeckte auf jeden Fall hervorragend!

Zum Abschluß noch ein perfektes Dessert und der Abend war rundum gelungen.

Abwechslungsreich, März 2007

Der März gestaltete sich äußerst abwechslungsreich. Durch
die warmen Temperaturen war die Blüte
des Weinbergspfirsichs einige Zeit verfrüht zu sehen.


Anfang des Monats trat nach kräftigen Regenfällen die Mosel über
ihr Ufer. Im wahrsten Sinne des Wortes, unsere Adresse, „Moselstraße“. Nun
unter Wasser. Jedoch konnten wir unseren Keller abdichten und er blieb vom
Hochwasser verschont.

Nach dem Rebschnitt wurden die Fruchtruten nach unten
gebogen und festgebunden. Sinn dieser Übung ist, das die Reben gleichmäßig
austreiben und das neue Grün sich
luftig und locker im Spalier festranken kann.

Frühmorgens waren die Spinnennetze noch mit Tau oder Reif
belegt und mittags lief man schon im Sommerhemd durch den Weinberg.

Gegen Ende März gab es sogar noch einen kleinen Schneesturm,
der für kurze Zeit die Landschaft in ein weißes Tuch hüllte.

Mit Kollegen trafen wir uns öfter um den Neuen 2006er
Jahrgang zu probieren und zu beurteilen. Da man ja bekanntlich niemals
ausgelernt hat, ist der nebenher verlaufende Erfahrungsaustausch sehr wichtig.
Bei der diesjährigen Jungweinprobe der Ökowinzer hatten ausnahmslos alle Weine
sehr gut geschmeckt und es fanden fruchtbare Diskussionen statt.