Peribatodes rhomboidaria

22. April 2014

2014-04-22 RhombenspannerBernhard Fiedler schrieb schon vor einigen Tagen darüber: Der Rhombenspanner (Peribatodes rhomboidaria) hat dieses Jahr stark zugeschlagen. Dieser Wurm hat etliche viele Rebknospen ausgefressen, außergewöhnlich viele, unterschiedlich je nach Lage. Ganz übel in einer Nachbargemeinde, wo ganze Weinberge kahl sind. Ein Gelegenheitsschädling, der dieses Jahr zu größeren Schäden führt.

In der Hauptknospe sind die Anlagen für den Sommertrieb und die Blütenstände (Gescheine) in ihrer endgültigen Anzahl ausgebildet. Die Nebenaugen der Winterknospen treiben verspätet aus, haben aber leider keine oder nur geringe Blütenstände ausgebildet.

Ob es nun weniger Wein gibt, kann ich noch nicht sagen, ich will und kann jetzt noch nicht über die kommende Ernte spekulieren. Viele andere Faktoren spielen noch für die Ertragshöhe eine große Rolle. Eine gut verlaufende Blüte und optimales Wachstumswetter sind nebst anderen Faktoren auch noch sehr wichtig. Aber am wichtigsten ist im Moment, dass es baldigst ausgiebig regnet, da die Böden sehr ausgetrocknet sind.

Muffensausen: Halbzeit

16. April 2014

2014-04-16 Reif

Heute morgen war das Blechdach des Maschinenschuppens mit Raureif überzogen. Kritisch, grenzwertig, dachte ich mir. An der Wetterstation in Briedel waren es um sieben Uhr heute morgen  in 20 cm Höhe 1,8 Grad, leider Minus. Dort soll es leichte Erfrierungen an den Reben gegeben haben. Ich bin bis jetzt nicht betroffen, aber eine kalte Nacht steht uns noch bevor.

Also noch einmal Muffensausen wie ich gestern berichtete, aber sicherlich nicht zum letzten Mal. Danach soll es wärmer werden, aber bis zu den Eisheiligen sind es noch einige Tage.

Nachtrag, 17.04.2014:

Die zweite Frostnacht haben unsere Reben unbeschadet überstanden. Andere Kollegen hatten da weniger Glück.

Muffensausen

14. April 2014

2014-04-14 Frost

Heute kam ein Sonderaufruf des Rebschutzdienstes unserer Agrarberatung. Seit Tagen zeichnet es sich ab, das der kommende Mittwoch und evtl. der Donnerstag kritische Tage sein könnten, an denen das Thermometer unter Null Grad absinken kann.

Ein Hochdruckgebiet mit Vollmond und wolkenlosem Himmel lässt die Temperaturen fallen.

Obwohl ich bis auf den Rivaner nicht in Frostlagen vertreten bin, habe ich Muffensausen. Ein Grad mehr oder weniger wird über das Wohlergehen der jungen Rebtriebe entscheiden. Ansonsten hoffe ich, dass sich gnädigerweise eine Wolke vor den Mond schiebt um den Strahlungsfrost abzuwehren.

Knochenarbeit

11. April 2014

2014-04-06 Pfahlramme

In unserem letztjährig gepflanzten Weinberg haben wir in den letzten Tagen den Drahtrahmen erstellt. Ein großes Problem stellte der extrem ausgetrocknete und harte Boden dar. Kein Regen in Sicht, der den Boden weicher machte und das Einschlagen der Zwischenpfosten mit der Pfahlramme erleichtert hätte. Also das Erdbohrgerät startklar gemacht, um das Loch vorzubohren, damit Praktikant Tristan entlastet wurde. Von oben nach unten arbeitend, wurde es zunehmend schwieriger die Löcher zu bohren. Immer öfter verkantete sich der Bohrer im Untergrund, kam zum stehen und ich wurde oben herumgeschleudert bis die Bohrerbremse das Gerät ausschaltete. So ähnlich wie auf diesem Video bei einem Zweimannbohrgerät.

Die letzten sechs Löcher gaben dann dem Bohrer den Rest, mir auch. Die Spitze war abgebrochen und die Bohrschnecke komplett verbogen.

Eine richtige Knochenarbeit. Wenig genutzte Muskeln machten sich bemerkbar, der Schlaf in der folgenden Nacht war tief und fest, der Muskelkater blieb gottseidank aus. Am zweiten Tag fiel die Arbeit schon leichter und wir spürten die entsprechenden Muskeln wachsen.

zu früh

9. April 2014

20014-04-07 Austrieb

Ganze drei Wochen zu früh hat der Austrieb der Reben begonnen. Eigentlich ein Bilderbuchstart in die Neue Vegetationsperiode. Aber nur eigentlich! Alle Winzer haben noch große Angst vor Spätfrösten, die den jungen Rebtrieben gefährlich werden können. In unseren Steillagen ist die Gefahr zwar etwas geringer als in flachen Weinbergen, aber einiges Unwohlsein habe ich trotzdem. Heute morgen gab es auf dem Blechdach unseres Geräteschuppens leichte Eisbildung….

Die spannendste Zeit des Winzerjahres fängt an: Mit der Natur arbeiten, täglich von dieser abhängig zu sein, allen Wetterkapriolen strotzend und in einigen Monaten, wenn alles so klappt wie ich es mir vorstelle,  gesunde, vollreife Rieslingtrauben ernten.

Turdus merula

7. April 2014

2014-04-06 Amsel

Wieder eines unserer Haus- und Hoftierchen,  die mit uns ums Weingut wohnen. Turdus merula, bekannter als Amsel.

Mit den Würmern abwartend, bis wir keine Notiz von ihr nehmen und dann schnell zu den Jungvögeln, die versteckt in der Fassagdenbegrünung  auf ihr Mittagessen warten. Die Kellerkatze kennt zwar das Nest, ist aber leider unerreichbar für sie.

Es geht weiter

1. April 2014

2014-04-01 graben

Heute ging es weiter. Vor vier (!) Jahren die erste Beprobung durch das Julius-Kühn-Institut in Berlin, heute wurde die Jagd eröffnet. Leider keine Wildschweine, sondern nur Regenwürmer. Es soll die Regenwurmabundanz durch Handauslese der endogäischen Arten und Formalinextraktion der Tiefengräber bestimmt werden.

Zuerst exakte Standortbestimmung der Probestellen mittel Satellitennavigation, dann quadratische Löcher ausheben. Natürlich wissenschaftlich korrekt in einer genau definierten Größe und Tiefe.……………………………………………………………………………..2014-04-01 sortieren

Die ausgehobene Erde wurde von viele fleißigen Händen – zehn Wissenschaftler incl. Helfer und Helferinnen waren aus Berlin angereist – akribisch nach Regenwürmern abgesucht. Die Feinerde wurde abgesiebt und wird in Berlin am Institut weiter untersucht. Im gegrabenen Loch dann weiteres suchen nach Regenwürmern.

Durch die momentan andauernde Trockenheit hatten sich die Regenwürmer in tiefere Bodenschichten verkrochen und die Ausbeute war leider gering.

Jetzt bin ich einmal gespannt, wann denn die Auswertungen dieser Feldstudie veröffentlicht werden, bzw. ob noch weitere Fragestellungen zur Regenwurmambudanz, die sich mittlerweile gestellt haben, auch noch erforscht werden.

Panter, Tiger und Co

1. April 2014
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Tucholsky in Reil 1929

Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.Tucholsky zählte zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne” erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor und Lyriker. Er verstand sich selbst als linker Demokrat, Pazifist und Antimilitarist und warnte vor rechten Tendenzen – vor allem in Politik, Militär und Justiz – und vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus.

Kurt Tucholsky hatte 1929 die Mosel besucht. Herrlich beschrieben im Buch Panter, Tiger und Co. Leider wurde einiges aus den Reisemanuskripten Tucholskys nicht in diesem Buch veröffentlicht. Per Zufall kamen wir vor einiger Zeit an ein Originalmanuskript aus Kurt Tucholskys Reisetagebuch. Interessanterweise ist Tucholsky auch in Reil eingekehrt und beschreibt ausführlich diesen Besuch. Da wir Ihnen diesen Text nicht vorenthalten möchten, folgend ein Auszug aus dem bisher bekannten und veröffentlichtem Material und die fehlende Passage über seinen Besuch in Reil. Das Originalmanuskript ist zum Download verfügbar.

Auszug aus Kurt Tucholsky, Panter, Tiger und Co

“…An der Mosel ging es noch an. Wir soffen uns langsam den Fluß hinab, wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bullay hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war.

Wenn wir das festgestellt hatten, stiegen wir wieder ein: der Zug führte einen Waggon mit, der sah innen aus wie ein Salonwagen, von hier aus hätte man ganz bequem Krieg führen können, so mit einem Telefon auf dem Tisch, mit dicken Zigarren und: »Seiner Majestät ist soeben der Sturmangriff gemeldet worden.« Wir führten aber keinen Krieg, sondern drückten auf die Kellnerin, und dann erschien ein Klingelknopf, oder umgekehrt, und dann konnte man auf dem langen Tisch einen naturreinen Mosel trinken und dabei Würfel spielen. …

…Wir nahmen dies zur Kenntnis und stiegen in den Mosel – erst in den offenen, dann in einen jungen, frischen, dann in einen alten, goldgelben, der sehr schwer war. Es ging schnell mit uns; Mosel ist kein so bedächtiger Wein wie der Rheinwein oder der Steinwein … es ging sehr schnell. Wir hatten auch schon am frühen Nachmittag gemoselt – wir tranken unmittelbar in den Dämmerschoppen hinüber, vielleicht war es das. Karlchen und Jakopp saßen
da und tranken, was sie konnten – und sie konnten!…

… Bernkastel, Traben-Trarbach, Reil.

Die Lokomotive wurde angehalten und mußte Wasser fassen. Wir stiegen aus und vertraten uns die Füße. Auf der anderen Moselseite erstreckte sich ein weiterer Moselort in der Nachmittagssonne. Der Wind trug Klänge von Zupfinstrumenten zu uns herüber. Der Ort hieß Reil, beschied uns der Zugschaffner. Man feierte dort das alljährliche Weinfest. Kurze Blicke untereinender – unsere Absicht war klar.

Karlchen winkte dem Fährmann, der sich irgendwann von der Betrachtung der Trachtengruppe lösen konnte. Wir setzten über. Wie es wohl bei Hochwasser sei, fragten wir den Schiffsführer. Er winkte ab. Zimmer gäbe es keine, wurde uns genannt. Uns lockte auch mehr die Aussicht auf Flaschen Weines.

Der Ortsvorsteher – so nannte man hier den Bürgermeister – hieß uns im Festzelt willkommen. Karlchen orderte sogleich mehrere Bouteillen. Zum Probieren, sagte er. Wenig später setzte die Musikkapelle ein. Später kauften wir Tanzkarten und schwangen die Weiber auf dem Boden hin und her. Das Weinprobieren stellte sich zunehmend als eine äußerst angenehme Tätigkeit dar.

Zu fortgeschrittener Zeit wurden die Honoratioren unruhig. Die Frau des Ortsvorstehers war unauffindbar. Karlchen auch. Jakopp und ich übten uns weiter fleißig im Probieren und Tanzen. Irgendwann fielen wir in die Kapelle. Die übrigen Tanzkarten wurden uns abgenommen.

Am nächsten Morgen wachten wir in den Moselauen auf. Alsbald näherte sich uns ein Trupp von Männern. Sie wirkten recht entschlossen. Er sei Feldschütz, sagte der Anführer. Wir sollten auch bald den Ort verlassen, man erlasse uns auch den Fährlohn. Der Sonntagszug sei im Anmarsch. Man eskortierte uns zur Fähre, wir setzten über.

Bullay … dann aber setzten wir uns in einen seriösen Zug und fuhren nach Kolbenz. (Diese Aussprache wurde adoptiert, falls Jakopp ein künstliches Gebiß hätte: es spricht sich leichter aus.) In Kolbenz tranken wir der Geographie halber einen Rheinwein, und der konnte Papa und Mama sagen, wir aber nicht mehr…”

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Das Original Manuscript. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Was sonst noch letzte Woche geschah

30. März 2014

Menschenleer waren am Freitag die Straßen in Reil. Nicht Fußball, sondern die arte Dokumentation über die Mosel leerte die Dorfstraßen. Schöne Geschichten über an der Mosel lebende Menschen und klasse Landschaftsaufnahmen machten das Zusehen zu einem Vergnügen. Wir waren auch sehr zufrieden über die Szenen, in denen wir als Statisten mitspielten. Wer es verpasst hat, kann in der Mediathek von Arte die Dokumentation anschauen.

2014-03-29 BlüteDer Frühling ist bei fast sommerhaften Temperaturen an die Mosel gekommen. So ca. drei Wochen früher wie im letzten Jahr stehen die Bäume an den Weinbergen in der Vollblüte.

Die Pfirsichbäumchen sind mittlerweile gepflanzt und in einigen Jahren  werden rosafarbene Pfirsichblüten neben den weißen Zwetschgenblüten zu sehen sein. 2014-03-29 bluten

Die Reben sind am bluten. “Die Rebe weint Tränen, auch Aqua Vitis oder Lachryma Vitis von den alten Gelehrten genannt. Die Rebwurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, welches an der Schnittstelle austropft bis die Leitbahnen verstopft sind. Für uns der Beginn der neuen Vegetationsperiode und eines Neuen Lebenszyklusses.” schrieb ich schon einmal in einem früheren Artikel.2014-03-29 Scholze

Anlass für den Fotografen Ralf Scholze, der des öfteren bei uns Fotos macht, diese Rebtränen zu fotografieren. Dabei wurden auch Ideen gesammelt und nachgedacht, wie man denn das Rebwasser verwerten könnte. 2014-03-29 Flaschen

Also kurzerhand ein Neues Projekt! Seit heute sammeln wir Rebtränen in Weinflaschen, erste Ideen versuchen wir umzusetzten. Soll gegen alles helfen, wie ich in oben verlinkten Artikel beschrieb:

  • Gegen Warzen aber für die Schwangere,
  • Für Kopf, Magen, Darm, Niere und Blase
  • Ein Antialkoholicum?
  • Gegen Brechreiz
  • Gegen Sommersprossen und nicht bewältigte Schrecken
  • Gegen Zahnschmerz
  • Für Haut, Augen und Ohren aber gegen die Haare

Da müsste doch etwas zu machen sein, dieses Universalmittel, in welcher Form auch immer, auf den Markt zu bringen und für Gesundheit und Schönheit zu vermarkten.

arte, Teil 5: Die Mosel – Drei Länder, ein Fluss

24. März 2014

2014-03-24 arteEs ist soweit! In dieser Woche wird gesendet:  Am Mittwoch, den 26. März die Französische, am Donnerstag, den 27. März die Luxemburger und am Freitag, den 28. März die deutsche Mosel. Jeweils um 19.30 Uhr auf Arte. Ich berichtete hier über die Dreharbeiten zu dieser Fernsehserie, in der wir als Statisten mitmachten.

Jetzt lasse ich mich einmal überraschen, was von den drei Drehtagen, in denen wir mitwirkten, bzw.  bei uns gedreht wurde, übrig geblieben ist. Sozusagen ein Überraschungsei! Der Produzent hat uns leider nichts verraten. Die Vorschaufilme auf den Seiten von arte sind schon einmal vielversprechend.

Wir wünschen einen angenehmen Fernsehabend und für die, die diese Serie verpasst haben, es gibt auf arte und aller Voraussicht nach auf vielen dritten Programmen Wiederholungen und die Sendungen sind natürlich in der Mediathek von arte abrufbar.