Weinrallye 30: Naturwein

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Matthias Metze hat das Thema der jetzigen Weinrallye vorgegeben:

“Was ist eigentlich Naturwein? Genau das gilt es herauszufinden. Wer nach dem Begriff “Naturwein” googelt, bekommt höchst unterschiedliche Ergebnisse. Nach dem Weingesetz war die Bezeichnung Naturwein bis 1971 zulässig – für einen nicht mit Zucker angereicherten Wein; heute ist für viele Natur das gleiche wie “Öko” – so wird  Naturwein oft einfach mit einem Biowein gleich gesetzt. Andere wieder meinen damit einen Wein, der im Keller so wenig wie möglich manipuliert wurde – oder einen Wein, dessen Trauben biodynamisch angebaut wurden.”

Gute Frage.  Bislang hatte ich noch nicht intensiv darüber nachgedacht, obwohl wir schon 28 Jahre ökologischen Steillagenweinbau machen, der diesem Ideal, nach der Meinung einiger Verbraucher, nahekommen soll.

Wenn ich meinen Kollegen Bernhard Fiedler zitieren darf, der in seinem heutigen Weinrallyebeitrag folgendes schreibt:

“Wein ist das Verderben von Obst unter kontrollierten Bedingungen.
Jim Clendenen, Weingut Au bon Climat

Für mich ist Wein – wie “puristisch” er auch immer gekeltert worden sein mag – kein Naturprodukt, sondern eine kulturelle Leistung.

Ohne das jahrtausendealte Wissen und die leitende Hand von Weinbauern und Kellermeistern würde die Menschheit die Früchte der Rebe nämlich auch heute noch ausschließlich so genießen, wie die Tiere: Ungepreßt, süß und unvergoren.

Nur durch die Beeinflußung und Kontrolle des natürlichen Verderbs von Trauben wird das Entstehen von Wein überhaupt erst möglich. Und allein mit dem Befüllen eines Gärbehälters prägt der Mensch die Ereignisse mehr, als das die Natur je könnte.”

Genau das ist es, eine kulturelle Leistung! Das Obst sich selbst überlassen, würde vielleicht in den Augen einiger einen Naturwein ergeben, aber so etwas ähnliches bekam auch Jesus am Kreuze zu trinken: Essigstichigen Wein, das Alltagsgetränk eines römischen Soldaten. Die Kulturelle Leistung liegt woanders!

Zuallererst die Gestaltung der Landschaft, der Weinkulturlandschaft, wie wir sie heute an der Mosel und anderen Weinbaugebieten erleben können. Dann die Kultivierung der Weinrebe mit dem Willen, ein Maximum an Geschmack in die Traube einlagern. Zuletzt die Weinbereitung mit dem Ziel, dieses Maximum an Geschmack was Natur und Winzer in der Traube konzentriert haben, nach Möglichkeit verlustfrei in die Flasche zu bringen.

Die Zutaten sind eigentlich einfach: Zuerst eine gute Weinlage. Die Reben selbstverständlich ökologisch kultiviert und ein qualitätsbetontes Arbeiten bei niedrigen Erträgen um die Aromen in der Traube zu konzentrieren. Im Weinkeller den Wein begleitend, leicht lenkend. Ist ganz einfach und es braucht nicht viel dazu einen sehr guten Wein zu machen.

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Der Wein und seine Zutaten: Eine extrem steiler terassierter Weinberg und den Willen, Weinkultur zu pflegen und zu erleben. Unser Freund und Hobbywinzer Michael bewirtschaftet seit etlichen Jahren einen sehr steilen und terassierten Weinberg. Schieferverwitterungsboden, südliche Hangausrichtung, Moselriesling und ökologischer Weinbau sind einige Merkmale.

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Mit viel Liebe zur Kulturlandlandschaft erbaute Michael vor etlichen Jahren eine eingefallene Weinbergsmauer wieder  auf.

Bei sehr moderaten Erträgen spiegelt sich der Schieferboden, das Mikroklima und die vielen anderen Faktoren aus dieser Lage in den Trauben wieder.

2008 übte er sich erstmalig in der Weinbereitung, nur für den Hausgebrauch. Als Moselaner und Weintrinker hatte er schon viel Wissen, weitere Ratschläge kamen von mir und anderen Kollegen. Mit minimalstem technischen Equipment ging er die Sache an. Während Gärung und Weinausbau wurden weitere Fragen seinerseits von mir beantwortet.

Das Endprodukt war überzeugend! Sauberst vinifiziert, klar in der Nase, dezente Aromatik, spritzig, lebendig und animierend. Mehr braucht man nicht für den täglichen Hausgebrauch.

Andererseits aber auch etwas verwunderlich. Da schafft es ein Hobbywinzer – gut, ich muß zugeben, das er sehr engagiert ist – mit minimalster Weinkeller- ausstattung und minimalsten Eingriffen in den Weinausbau einen sehr guten Wein zu erzeugen, der fast Vorbildcharakter hat. Da könnten sich einige Profis eine Scheibe abschneiden.

Für mich ein Naturwein, aber ich würde es besser anders nennen: Eine kulturelle Leistung die nur durch die Arbeit des Menschen in, an und mit der Natur geschaffen werden kann.

Danke übrigens an Berhard Fiedler, der mir mit seinem Weinrallyebeitrag das Stichwort für diesen Artikel gab.

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